Zwei Elterngruppen wollen Schule in Weeze gründen

Die Schule an der Bodelschwingstraße in Weeze ist bei zwei Elterngruppen begehrt.

Die Schule an der Bodelschwingstraße in Weeze ist bei zwei Elterngruppen begehrt.

Foto: T. Binn / Förderverein

Weeze.  Die Gesamtschule hat für den Standort Weeze zu wenig Schüler, aber einige Eltern basteln an Konzepten und Finanzierung für private Schulen.

Fünf Jahre gab es die Gesamtschule Kevelaer-Weeze, dann zählte sie zum kommenden Schuljahr nur 15 Anmeldungen aus Weeze. Die Bezirksregierung verlangt aber 50 Schüler für einen Teilstandort, so wird die Gesamtschule allein den Standort Kevelaer behalten. Weezes Schulgebäude an der Bodelschwinghstraße wäre leer. Doch einige Eltern treten hervor, die in eigener Trägerschaft für eine neue, andere Schule in Weeze genügend Kinder zusammen bekommen wollen: Private Schulen können auch ohne Parallelklassen, also mit mindestens 18 Kindern, gegründet werden.

Zwei Elterngruppen sind es sogar, die Interesse am leeren Schulgebäude haben. Einige Weezer wollen eine private Realschule gründen, eine andere Gruppe aus Geldern will eine Schule vom ersten bis 13. Schuljahr unter einem Dach.

Der „Förderverein Freie Realschule an der Niers in Weeze“ hatte 150 Eltern in Weeze befragt. „Auch, warum sie ihre Kinder nicht auf der Gesamtschule anmelden“, erzählt Beyza Kassem, Vorsitzende des Fördervereins. Offenbar habe sich die Gesamtschule gar nicht vorgestellt und einen umstrittenen Ruf, erfuhr sie. „Wir unterhalten uns mit den Eltern“, sieht sie ihren lokalen Vorteil. „Es ist unser Recht, eine weiterführende Schule in Weeze zu haben.“

Gern im Schuljahr 2020 oder 2021 am Start

Die Initiative wäre gern schon im Schuljahr 2020/2021 am Start oder ein Jahr später. Beyza Kassem hofft, dass ihre beiden Kinder die neue Schule besuchen könnten. Der Verein sucht bereits Lehrer und potenzielle Schulleiter. Fürs Gesamtschule-Gebäude hofft man auf Unterstützung der Gemeinde Weeze. Die hatte ja zur Sanierung des Standortes ohnehin Geld eingeplant und könne dies vielleicht auch für eine Privatschule investieren, „damit wir gute Unterrichtsbedingungen anbieten können“ so Kassem.

Die Elterngruppe ahnt aber, dass sie fürs Verfahren einen Fachanwalt braucht. Wie sie von anderen Privatschulinitiativen in Kranenburg, Isselburg, Wachtendonk erfuhren, koste so ein Fachmann aber um die 30.000 Euro. Da werde man wohl Spenden und Aktionen brauchen oder eine Stiftung suchen müssen, vermutet Kassem. Bisher gibt es zehn Unterstützer.

Vorbild aus Sevelen

Der Gelderner Verein „Kokon“ würde schon im Jahr 2020 mit „Menschen, die Schule ‘anders’ gestalten wollen“ und sein fertiges Konzept umsetzen. Vorbild sei die weiterführende Schule ‘Facettenreich’ in Sevelen, die „Kinder für das Lernen begeistern“ kann, so Initiatorin Monja Spenrath. Mit jahrgangsübergreifendem Unterricht, ohne Noten, ohne feste Pausen, mit Material u.a. aus der Montessori-Pädagogik würde sich eine Kokon-Schule nach und nach aufbauen, vom ersten Schuljahr an (angedacht mit etwa 25 Kindern) und ohne Schulwechsel wie in einer Gesamtschule weiter zu allen staatlichen Schulabschlüssen inklusive Abitur leiten.

Die Finanzierung sei bei der Kokon-Ini bereits klar, Lehrer stünden bereit. „Es gibt genügend Lehrer, die nicht zufrieden sind mit dem staatlichen System“, so Rainer Spenrath.

Nicht zusammenarbeiten

Er hatte der Realschul-Gruppe eine Zusammenarbeit angeboten, die aber abgelehnt wurde. Beyza Kassem erklärt der NRZ: „Wir haben uns das Konzept von Kokon angehört. Das bringt uns Weezern am wenigsten“, findet sie. „Das Wort Gesamtschule ist für Weeze verbrannt“ und die Gemeinde brauche keine weitere Grundschule.

Kann Weeze weitere Grundschulklassen füllen, zumal sich nebenan in Uedem eine Waldorfschule gründet? fragte die NRZ die Kokon-Gruppe. Rainer Spenrath antwortet: „Wenn wir ein Bevölkerungswachstum von zehn Prozent voraus setzen, ja. Der Bedarf an alternativen Schulformen ist da“. Geplant sei, das Angebot auch durch eine „Frei-Lern“-Kita zu erweitern.

Gemeinde bleibt neutral und wäre auch nicht der Schulträger

Die Gemeinde begrüße grundsätzlich die Initiativen als zusätzliche Angebote für Weeze, reflektiert Kämmerer Johannes Peters. Man stehe beiden Vereinen neutral gegenüber. Abzuwarten sei, welche Initiative die größte Rückendeckung in der Weezer Bevölkerung hat. Die Politik muss nach der Sommerpause eine Entscheidung fällen. Grundsätzlich findet Peters „das Engagement der Eltern überraschend“, ganz privat eine Schule betreiben zu wollen und Verantwortung auch für die Lehrer zu übernehmen. Bei einer Privatschule wäre die Kommune nicht der Schulträger, sondern nur Vermieter des Gebäudes.

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