Braukunst

Biersommelier Arthur Riedel: Wie der Olper zu seinem Job kam

Arthur Bruno Riedel ist Biersommelier und lebt in Olpe. Der Braumeister experimentiert auch in seiner Freizeit gern mit neuen Kreationen.

Arthur Bruno Riedel ist Biersommelier und lebt in Olpe. Der Braumeister experimentiert auch in seiner Freizeit gern mit neuen Kreationen.

Foto: Verena Hallermann / WP

Olpe.  Arthur Bruno Riedel ist Braumeister und Biersommelier. Er schmeckt feinste Unterschiede beim Bier. Wie aus einer Schnapsidee ein Traumjob wurde.

Arthur Bruno Riedel öffnet das Glasgefäß mit dem Röstmalz, schwenkt es unter seiner Nase. Er lässt das Aroma des dunklen Getreides auf sich wirken. „Erinnert an Espresso“, sagt er. Der Mann trägt eine Schirmmütze, eine Weste über seinem Hemd, ein rotes Tuch ziert seinen Hals – ein bisschen wirkt er wie ein Künstler, der in den internationalen Galerien zuhause ist. Und so ganz abwegig ist der Vergleich nicht. Doch statt Farbe und Staffelei arbeitet er mit Hopfen, Malz und Hefe. Arthur Bruno Riedel ist Biersommelier. Wie er wohl zu seinem Traumberuf gekommen ist? Es ist eine lustige Geschichte, die der Mann aus Olpe zu erzählen hat.

Ein kühles Blondes geht immer

Gebürtig kommt Arthur Bruno Riedel aus Bottrop. Seit elf Jahren wohnt er nun in Olpe, arbeitet in einer großen Privatbrauerei. Der 47-Jährige hat eine Ausbildung zum Brauer und Mälzer und einen Meisterkurs im Brauer- und Mälzerhandwerk in der Tasche. Außerdem hat er sich zum DLG-Prüfer (Deutsche Landwirtschafts Gesellschaft) und sensorischen Sachverständigen für Bier weiterbilden lassen – und hat seine Ausbildung zum Diplom-Biersommelier 2012 in München und Salzburg mit dem Prädikat „ausgezeichnet“ abgeschlossen. Das heißt, neben seiner Tätigkeit als Brauer und Mälzer bietet er nebenberuflich Bier-Tastings und Bier-Events an – und in seiner Freizeit braut er zusammen mit Freunden in seinem eigenen kleinen Sudwerk. „Auf der Arbeit verkoste ich eher weniger, da habe ich es mit der Eingangskontrolle der Rohstoffe zu tun“, erzählt Riedel. „Aber ein Feierabend-Bier ist immer drin.“

Ein Leben also für den Gerstensaft. Und das obwohl ihm sein erster Schluck Bier nicht sonderlich gut in Erinnerung geblieben ist. Damals war er 14 Jahre alt und bei Nachbarn zu Gast. Nicht sein Geschmack, zu bitter, denkt er sich. Doch das soll sich ändern. Es ist ein schicksalhaftes Ereignis, das ihm den Weg ebnet. Er ist gerade 18 Jahre alt und Schüler der 12. Klasse eines Gelsenkirchener Gymnasiums. Eine Mathe-Klausur läuft fürchterlich schief. Er schaut quer durch das Klassenzimmer zu einem Kumpel und beide verlassen den Raum. Bringt ja nichts. Hinter der Schule ist ein Kiosk, ein Bierchen muss her. Dort überlegen sie sich, wie es mal für sie weitergehen soll. Uni? Nein, das wird nichts. Aber die große weite Welt wäre nicht schlecht. So Schiffsmechaniker wäre ganz cool. Also ziehen die beiden Teenager los zum Arbeitsamt. Beratung kann ja nicht schaden. Ob ihnen denn bewusst wäre, wo sie hier leben, fragte man die beiden dort. Schiffsmechaniker? Im Ruhrpott? Vielleicht noch eine andere Idee? „Dann werden wir halt Bierbrauer“, sagten sie – und so ist es gekommen.

Verständnis für die Braukunst

Bis heute hat Arthur Riedel seine Berufswahl nicht bereut. Es ist die Vielfalt, die ihn fasziniert. Kein Bier ist wie das andere. Selbst wenn man das gleiche Rezept und die identischen Zutaten wählt, ist das Ergebnis ein anderes. Die Qualität des Wassers, die Größe des Tanks, die Lagerzeiten, die Hefe, die eingesetzt wird – all das hat Einfluss. Und ein Biersommelier schmeckt die feinsten Unterschiede. „Mir geht es darum, zu verstehen, was sich der Braumeister dabei gedacht hat“, erklärt Riedel. Denn Bier-Stile haben eine Geschichte. Wie das India Pale Ale, das einst für die indischen Kronkolonien gebraut wurde. Ein möglichst hoher Alkoholgehalt sollte das Bier für den Transport von England nach Indien haltbarer machen. Verständnis für die Aromen, Achtsamkeit bei der Verkostung – das bringt er den Teilnehmern seiner Tastings und Events im Sauerland und in der Region näher.

Ein Lieblingsbier hat Riedel übrigens nicht. Schließlich gibt es zu jeder Situation das passende Bier. So wie das Pils auf dem Schützenfest die richtige Wahl ist. „Jetzt stellen Sie sich das Olper Schützenfest mit einem kräftigen Doppelbock mit sieben Prozent vor“, sagt er und lacht. „Da wäre das Fest am Samstag schon vorbei. Aber der Doppelbock am Abend vorm warmen Ofen im Winter ist ein Genuss.“

Arthur Riedel liebt es zu experimentieren. Drei bis vier Mal im Jahr fährt er nach Bottrop, braut mit seinen Freunden in ihrem gemeinsamen Sudwerk. Verschiedene Kreationen, gut trinkbar, nicht zu überladen mit Aromen, ist das Ziel. Hauptsächlich brauen sie für den eigenen Genuss. Mindestens sechs Wochen dauert es bis zum fertigen Bier. Nicht alles gelingt auf Anhieb. Ist es schal, sprechen Brauer von einem toten Hund. Dann wird von vorne angefangen, neue Ideen ausprobiert. Zeit, die Arthur Riedel gern investiert. Eben wie ein Künstler, der seine Gemälde vollendet.

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