Coronavirus

Coronavirus – Wirt schimpft: „Hysterie wie im Dritten Reich“

Das Alpenhaus von Frank Tauscher: Das Finanzamt droht mit Vollstreckung.

Das Alpenhaus von Frank Tauscher: Das Finanzamt droht mit Vollstreckung.

Foto: Verena Hallermann / WP

Kirchhundem.  Frank Tauscher betreibt das Alpenhaus in Kirchhundem. Die erzwungene Schließung bringt ihn in finanzielle Not. Es droht die Pfändung.

Die Verfügung des Kreises Olpe, aufgrund des Coronavirus vorsorglich alle Gaststätten zu schließen, stellt die Gastronomen vor eine große Herausforderung. Frank Tauscher, Inhaber des Alpenhauses in Kirchhundem, muss sogar um seine Existenz fürchten. Nach dem umsatzschwachen Winter fährt er nun weitere Verluste ein. Das Finanzamt droht mit Vollstreckung. „Ich weiß einfach nicht mehr, wie es weitergehen soll“, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung. „Für mich ist das eine echte Katastrophe."

Seit 24 Jahren betreibt Frank Tauscher nun das Alpenhaus oben auf dem Bergsattel Woosthagen, knapp drei Kilometer von der nächsten Ortschaft entfernt. Das Auf und Ab mit Blick auf die Umsätze ist für ihn nichts Neues. Doch die Verfügung des Kreises Olpe, bis zum 19. April zu schließen, trifft ihn in voller Härte.

Koch nach wenigen Gästen im Winter bereits entlassen

Denn bereits im Winter habe er hohe Verluste hinnehmen müssen. Wenig Schnee, viel Regen und immer wieder Sturmwarnungen – da zieht es nur wenige Menschen in die abgelegene Gaststätte im Wald. „Ich habe praktisch keine Umsätze gemacht“, erklärt Frank Tauscher. „Und jetzt mache ich überhaupt keine Einnahmen mehr. Keine Gäste, kein gar nichts. Wie soll ich da meine Rechnungen bezahlen?"

Frank Tauscher musste seinen Koch bereits entlassen. Es fehlt einfach das Geld, ihn zu bezahlen. Nach dem Winter hatte er bereits über Kurzarbeit nachgedacht, aber jetzt kommt es auf jeden Euro an. Denn zu allem Übel hat der Inhaber nun einen Brief vom Finanzamt bekommen. Eine Vollstreckungsankündigung, weil er Steuernachzahlungen nicht leisten kann. Dort ist von Pfändung die Rede.

Der 53-Jährige weiß nicht mehr weiter. Rücklagen habe er keine, erzählt er. Noch vergangenen Sonntag dachte er, jetzt gehe es bergauf. Das Wetter war ideal, etliche Menschen zog es auf die Terrasse seiner Gaststätte. Doch dann kam die Verfügung des Kreises Olpe. „Ich finde das völlig überzogen", beschwert sich Frank Tauscher. „Das ist eine Massenhysterie wie im dritten Reich.“

Natürlich könne er die Sicherheitsvorkehrungen verstehen, führt er aus. Es sei völlig richtig, große Veranstaltungen zu verbieten. Doch warum sich der Kreis Olpe mit Blick auf die Speisewirtschaften über die bisher verkündeten Maßnahmen von Bund und Land stellt, dafür fehle ihm das Verständnis.

Schließung über Ostern wirkt besonders hart

Besonders trifft ihn der bislang angesetzte Zeitraum der Schließung, der auch die Oster-Feiertage mit einschließt – jedes Jahr das umsatzstärkste Wochenende im Frühjahr, betont Tauscher. „Bei dem Wetter aktuell rechne ich im Monat von Verlusten in Höhe von 10.000 Euro“, sagt er.

Für Wanderer, die trotz der aktuellen Situation am Alpenhaus vorbeikommen und vor verschlossenen Türen stehen, hat Frank Tauscher einen kleinen Trost. Auf der Terrasse steht ein Kühlschrank mit Getränken, daneben eine Kasse des Vertrauens. „Das wird seit zwei Jahren gut angenommen“, sagt der Inhaber. „Ich freue mich über jeden, der vorbeischaut.“

Bis er seine Gaststätte wieder öffnen darf, wolle er die Zeit damit verbringen, die Außenanlagen auf Vordermann zu bringen und Renovierungen zu tätigen.

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