Vergiftung

Der Tod lauert am Rand einer Pferdeweide in Lennestadt

 

 

Foto: Voss

Obervalbert.   Züchter Franz-Josef Grewe aus Obervalbert verliert seine Stute Hetty und ein preisgekröntes Fohlen durch giftige Sämlinge des Bergahorns.

Den Verlust seiner geliebten Hetty hat Franz-Josef Grewe noch nicht überwunden. Die Lieblingsstute des Pferdezüchters und eines ihrer mehrfach prämierten Fohlen starben elendig auf der Weide. Ursache war eine von der Tierklinik in Sundern und dem Veterinärmediziner Dr. Georg Klünker diagnostizierte Atypische Weidemyopathie.

Auslöser der rasant verlaufende Vergiftung ist die Aminosäure Hypoglycin, die in den Samen und Sämlingen des Bergahorns enthalten ist. Studien bestätigte das. Diese Aminosäure hemmt lebensnotwendige Enzyme im Organismus des Pferdes und das Gift aus den Samen wird zu einem Fettstoffwechselgift. Das Gift befällt das vegetative Nervensystem, das Rückenmark und das Stammhirn der Pferde. Die Symptome äußern sich mit starkem Schwitzen, kolikänlichen Symptomen und erschwerter Atmung.

Dramatischer Krankheitsverlauf

Den Krankheitsverlauf seiner Pferde schildert Annegret Grewe dramatisch: „Bekannte riefen an und teilten mir mit, dass das Fohlen regungslos am Boden liegt. Dann schläft es wohl, war meine Antwort“, erinnert sie sich und weiter: „Als mein Mann zurückkehrte und das Fohlen mit dem Hänger von der Weide holen wollte, war es schon zu spät. Das Tier war steif.“ Franz-Josef Grewe bedauert im Gespräch mit dieser Zeitung: „Das Fohlen hat im September auf der Tierschau in Hüsten einen ersten Preis geholt. Wenige Wochen später ist es innerhalb weniger Stunden elendig verreckt. Da träume ich noch immer von.“ Als wäre das noch nicht genug, zeigte seine Stute Hetty am nächsten Tag ähnliche Symptome. Der sofort eingeleitete Transport in die Tierklinik konnte Schlimmeres nicht mehr verhindern. Die Verbandsprämienstute versteifte und starb auch. Neben dem ideellen Verlust seines Lieblingstieres muss Franz-Josef Grewe auch erhebliche Kosten für die Behandlungen des Tierarztes, der Klinik und nicht zuletzt für den Verlust der beiden Pferde, der mit geschätzten 5000 bis 6000 Euro zu Buche schlägt, tragen.

„Das Problem ist seit einigen Jahren bekannt. Es empfiehlt sich, die Pferde von der Weide fern zu halten“, empfiehlt Dr. Klünker.

Mit dem Gedanken kann sich Franz-Josef Grewe aber nicht anfreunden und gibt zu bedenken: „Für gute Zuchtergebnisse müssen die Pferde raus. Für mich ist das existenzbedrohend. Kann ich so überhaupt noch weiterzüchten?“ Eine berechtigte Frage. Der Bergahorn „versprüht“ sein Gift nicht nur im Herbst mit den fallenden Blättern, sondern auch im Frühjahr durch seine Triebe.

Den Ahorn ersetzen

Den Pferden auf einer anderen Weide, unterhalb des Hauses, Auslauf zu bieten, ist genauso gefährlich. Die sogenannten Propeller des Bergahorns fliegen bis zu 150 Meter weit. Den Beweis lieferten einige der Samen, die vor der Haustür liegen. Franz-Josef Grewe, der an der Straße von Obervalbert nach Schöndelt wohnt, ergriff die Initiative und schrieb die Gemeinde Finnentrop und die Stadt Lennestadt an. Die Zuständigkeit für die Bäume liegt allerdings beim Land. Seine Forderung bzw schein Vorschlag an den Landesbetrieb Straßenbau:

„Aus diesem Grund mache ich für den Tod der Pferde, die sich daraus ergebenden Verluste und die entstandenen Arzt- und Tierarztkosten Schadensersatz geltend. Um weitere Beeinträchtigungen meiner Pferdezucht auszuschließen, fordere ich, die Ahornbestände in diesem Bereich durch ungefährliche Baumarten zu ersetzen. Bevor ich die Angelegenheit meiner Rechtschutzversicherung übergebe, halte ich einen Ortstermin für sinnvoll und zielführend.“

Eine Antwort auf sein Schreiben vom 20. November hat Franz-Josef Grewe am 20. Dezember erhalten, in dem das Landesstraßenbauamt mitteilte, den Schadensfall an die Kommunalversicherung übergeben zu haben. Ein Schuld- oder Haftungsanerkenntnis sei laut des Schreibens damit nicht erfolgt.

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