MS-Diagnose

Hilde Nielebock: Trotz Rollstuhl fest im Berufsleben

Hilde Nielebock ist die Empfangsdame an der Zentrale der Werthmann-Werkstätten Lennestadt in Meggen.

Hilde Nielebock ist die Empfangsdame an der Zentrale der Werthmann-Werkstätten Lennestadt in Meggen.

Foto: Verena Hallermann

Meggen.  Hilde Nielebock sitzt im Rollstuhl. Die MS zwingt sie dazu. Trotzdem managet sie den Empfang an der Zentrale der Werthmann-Werkstätten souverän.

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Hilde Nielebock sitzt im Rollstuhl. Die Multiple Sklerose (MS) zwingt sie dazu. Sie kann weder ihre Beine, noch ihre Arme bewegen. Dennoch managet sie den Empfang der Werthmann-Werkstätten Abteilung Lennestadt in Meggen praktisch alleine. Und das schon seit vielen Jahren. Sie ist die gute Seele des Hauses, eine fröhliche Frau mit einem wachen Blick, einem freundlichen Lächeln. „Ich habe trotz allem noch ganz viel Glück gehabt“, sagt sie. „Es geht mir doch gut.“ Unsere Zeitung hat die 61-Jährige an ihrem Arbeitsplatz besucht. Wie sie ihren Alltag wohl ohne Hilfe ihrer Hände und Füße meistert?

Liebe auf den ersten Blick

Wie jeden Werktag sitzt Hilde Nielebock am Empfang der Zentrale der Werthmann Werkstätten Abteilung Lennestadt in Meggen. Seit elf Jahren begrüßt sie die Gäste, nimmt Telefonanrufe entgegen, kümmert sich um leichte Büroarbeiten. Und das obwohl sie nur ihren Kopf bewegen kann. Sie bedient den Computer mit einer Mund-Maus und einer Sprachsteuerung, nutzt ein Headset. „Das war Liebe auf den ersten Blick“, erzählt Hilde Nielebock von ihrem ersten Arbeitstag. „Ich wurde herzlich aufgenommen und habe mich sofort wohlgefühlt.“

Für sie ist es mehr als nur ein Job. Viel mehr. Die Arbeit hat die 61-Jährige wieder zum Lächeln – oder besser – zum Strahlen gebracht. Denn es gibt eine Zeit, an die sich die Heinsbergerin nicht gern erinnert. 1992 bekommt sie die Diagnose. Multiple Sklerose, kurz MS. Ein Schock für die gelernte Bäckereifachverkäuferin. Denn sie weiß, was das bedeutet. Die Krankheit schreitet schnell voran. Sehr schnell. Fünf Jahre später sitzt sie im Rollstuhl. Ihre Tochter ist damals erst 14 Jahre alt. Eine Zeit lang kann sie noch im Sitzen für sie kochen. Doch dann wollen auch die Arme nicht mehr. Mehr denn je ist sie auf die Hilfe ihres Lebensgefährten Heinz angewiesen. „Die Krankheit hat ganz viel verändert“, erzählt sie. „Ich habe immer mitten im Leben gestanden, habe viel mit Leuten zu tun gehabt.“

Den ersten Tag ihrer Tochter an der weiterführenden Schule wird Hilde Nielebock nicht vergessen. Zu der Zeit muss sie in die Kur, kann nicht dabei sein. Eine ihrer bewegendsten Erinnerungen. Damals ist sie viel zuhause. Zehn Jahre lang verlässt sie ihre Wohnung kaum, sitzt vorm Fenster, zählt die Schiefersteine. Ihr ist klar, es muss sich was ändern. „Ich habe mir gedacht, da muss doch noch was kommen“, erinnert sie sich. Also beginnt sie nach einer Aufgabe zu suchen – und wird fündig. Damals wird die Abteilung Lennestadt der Werthmann-Werkstätten gerade aufgebaut. „Meine Arbeit bedeutet mir fast alles“, sagt Hilde Nielebock. „Hier ist immer was los und hier werde ich gebraucht.“

Angst vor der Rente

Hilde Nielebock führt ein normales Familienleben. Sie unternimmt viel mit ihrem Lebensgefährten Heinz, verbringt Zeit mit ihren Enkelinnen, lädt Nachbarn oder ihre Schwestern ein. Regelmäßig geht sie zur Krankengymnastik, auf Medikamente verzichtet sie. Das einzige, was ihr Kopfzerbrechen bereitet, ist ihre Zukunft. Denn bald muss sie in Rente. „Man wird da leider zu gezwungen“, sagt die 61-Jährige. „Ich könnte noch zehn Jahre so weitermachen.“ Was sie dann machen möchte, das weiß sie noch nicht.

Fest steht jedoch, dass sie nicht wieder nur zuhause sitzen möchte. Doch bis zur Rente dauert es auch noch ein bisschen. Und bis dahin wird sie weiter am Empfang der Werthmann-Werkstätten in Meggen sitzen. Mit einem Lächeln auf den Lippen.

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