Coronavirus

Kritik an VWS: Busfahrer sitzen auf dem Präsentierteller

Bisher müssen es die Busfahrer der VWS oder die von Auftragsunternehmen über sich ergehen lassen, dass die Fahrgäste vorne einsteigen. Trotz Corona. In NRW einmalig, kritisiert die Gewerkschaft ver.di.

Bisher müssen es die Busfahrer der VWS oder die von Auftragsunternehmen über sich ergehen lassen, dass die Fahrgäste vorne einsteigen. Trotz Corona. In NRW einmalig, kritisiert die Gewerkschaft ver.di.

Foto: Josef Schmidt / WP

Kreis Olpe.  Jürgen Weiskirch (Verdi) kritisiert die Verkehrsbetriebe Westfalen-Süd (VWS) scharf, weil die Busfahrer noch vorne die Tür öffnen.

Jürgen Weiskirch, Geschäftsführer der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn er auf das Thema angesprochen wird: „Die Verkehrsbetriebe Westfalen-Süd (VWS) sind das einzige Busunternehmen in Nordrhein Westfalen, das seine Busfahrer die vordere Türe öffnen und den Kartenverkauf dort abwickeln lässt. Damit stellt das Unternehmen wirtschaftliche Interessen vor den Schutz und die Fürsorgepflicht gegenüber den Busfahrern." Für den Gewerkschafter ein Unding.

Die Fahrer säßen am Steuer quasi auf dem Präsentierteller und kämen tagtäglich mit unzähligen Menschen in direkten Kontakt. Weiskirch: „Das ist nicht zu akzeptieren, auch, wenn die Wern-Gruppe als VWS-Eigner nicht dazu gezwungen werden kann."

Landrat Frank Beckehoff, Mitglied der ZWS-Verbandsversammlung, verwies auf Anfrage darauf, dass die VWS seitens des Zweckverbandes Personen-Nahverkehr Westfalen-Süd (ZWS) mehrfach angemahnt worden sei, auf den vorderen Einstieg und den Fahrkartenverkauf zu verzichten.

ZWS-Geschäftsführer Günter Padt bestätigte das: „Kranke Busfahrer können keine Busse fahren. Wir sind gegen den Einstieg vorne und haben das der VWS mehrfach mitgeteilt. Ein Eingriffsrecht haben wir aber nicht. Das ist die unternehmerische Entscheidung von Klaus-Dieter Wern.“ Zu dem Thema würden allerdings intensive Gespräche geführt. Padt: „Ich bin guter Dinge, dass sich da noch etwas bewegt."

Gespräche mit der Politik

VWS-Betriebsleiter Gerhard Bettermann machte im Gespräch mit unserer Redaktion die finanzielle Größenordnung deutlich, die ein Verzicht des Kartenverkaufs für den VWS-Eigner Wern-Group mit sich bringen würde: „In normalen Betriebszeiten kommen da rund 40.000 Euro täglich zusammen. Darauf können wir nicht so ohne weiteres verzichten.“ Es habe Gespräche darüber mit der Politik gegeben, aber noch ohne Ergebnis.

Wenn sich da etwas bewege, wolle er nicht ausschließen, dass auch die Wern-Group reagiere. Der Vergleich mit anderen Verkehrsgesellschaften in Nordrhein Westfalen hinke, da nur die VWS ein privat geführtes Unternehmen sei und keine kommunale Gesellschaft. Bettermann: „Wir versuchen, die Situation zu verbessern, indem wir die Busse an allen Haltestellen durchlüften lassen. Das wird beispielsweise in Düsseldorf genauso gemacht. Zudem haben die Fahrer die Anweisung, die Busse mit weniger als 50 Prozent auszulasten.“ In Zahlen: In einem normalen Linienbus sollten von den etwa 95 Sitzplätzen höchstens 45 besetzt sein.

Drei Verdachtsfälle

Einen bestätigten Coronafall, so Bettermann, gebe es bei den für die VWS fahrenden rund 500 Busfahrerinnen und Busfahrern derzeit nicht, lediglich drei Verdachtsfälle. In der Belegschaft werde das Thema nicht einheitlich bewertet.

Was Gespräche mit betroffenen Busfahrern durch unsere Redaktion bestätigte: Während der Busfahrer eines VWS-Auftragsunternehmens aus Drolshagen scharfe Kritik äußerte, zuckte eine Busfahrerin aus Wenden am Olper Omnibusbahnhof nur mit den Schultern: „Mir ist das schnuppe, ob die Leute vorne einsteigen.“

Update, 19. März: Inzwischen haben die VWS auf die Kritik reagiert. Der vordere Einstieg bleibt ab sofort geschlossen.

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