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Serkenrode: Die Angst vor der Windrad-Umzingelung

Rege Diskussion in der Schützenhalle: Mehr als 30 Serkenroder sprechen am Dienstagabend mit WP-Redakteur Flemming Krause (links am Stehtisch) über die aktuellen Themen des Dorfes.

Rege Diskussion in der Schützenhalle: Mehr als 30 Serkenroder sprechen am Dienstagabend mit WP-Redakteur Flemming Krause (links am Stehtisch) über die aktuellen Themen des Dorfes.

Foto: Dominik Brendel

Serkenrode.  Beim Besuch des WP-Mobils in Serkenrode ist die Windkraft das beherrschende Thema. Wie lange sich der Lebensmittelladen noch hält, ist offen.

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Wären wir bei der Zeugnisübergabe in der Schule, dann würde das 700-Seelen-Dörfchen Serkenrode im Fach „Vereinsleben“ eine Eins bekommen. Zu Recht sind die Anwohner im Frettertal an der Grenze zu Eslohe stolz auf ihr vielfältiges Freizeitangebot. Mehr als 20 Vereine in so einem kleinen Ort. Nicht schlecht. Nur, bleibt das so? Stichwort demografischer Wandel. Wie können die Serkenroder ihr Vereinsleben nachhaltig sichern?

„Indem wir Kinder machen“, weiß Elisabeth Jostes die treffende Antwort. Kurze Pause, dann macht sich in der Schützenhalle Gelächter breit. Die Stimmung ist ausgelassen, die mehr als 30 Anwohner sind in Redelaune, und wir bekommen im Rahmen unserer WP-Mobil-Tour einen Einblick in all die Themen, die die Bewohner des Finnentroper Dorfes umtreibt.

Was Serkenrode ausmacht

„Fast jeder dritte Einwohner aus Serkenrode ist in einem unserer Vereine, das hält unsere Gemeinschaft richtig am Leben“, unterstreicht Raimund Schulte als Beweis unsere These, dass Serkenrode ein Ort der Vereine ist. Vom Kleinkind bis zu den Senioren, keiner nehme sich aus der Verantwortung heraus.

Auch Zugezogene hätten es einfach, sich zu integrieren, wenn sie denn wollten, ergänzt Matthias Schmidt-Holthöfer: „Jeder kann am Sonntag mit zum Sportplatz kommen, da lernt man sich doch bestens kennen“, betont er.

Darüber hinaus, auch da sind sich die WP-Mobil-Besucher einig, sei Serkenrode ein idyllischer Ort, der zwar als LKW-Durchfahrtsort zwischen dem Hochsauerlandkreis und Finnentrop gelte, dafür aber nicht vom Tourismus überlaufen sei. Und dann habe man mit dem Landgasthof Schmidt-Degenhardt eine ausgezeichnete Küche im eigenen Dorf.

Was Serkenrode braucht

Die schlechte Anbindung an den ÖPNV ist vielen Serkenrodern ein Dorn im Auge – vor allem den Älteren, die nicht mehr mit dem Auto unterwegs sind. „Eigentlich fährt nur der Schulbus bei uns durch“, sagt uns eine Bürgerin. Wenn man beispielsweise am Nachmittag aus Eslohe einmal über den Kopf nach Serkenrode wolle, dann gehe das ausschließlich mit dem Auto. Deshalb wirbt die Dorfgemeinschaft dafür, das Angebot des Bürgerbusses auszuweiten und Serkenrode in den „Fahrplan“ mitaufzunehmen.

Verfügbare Baugrundstücke gibt es zwar noch, allerdings auch nur noch deren drei. „Leerstände haben wir hier im Prinzip keine“, sagte Alfons Henke. Dafür seien die Kosten für einen Quadratmeter Baufläche extrem angestiegen. „Mittlerweile zahlen wir 90 Euro, das waren mal 60“, ärgert sich Bianca Schmidt.

Die aktuellen Themen

Noch haben die Serkenroder mit dem Lebensmittelgeschäft Schulte einen Nahversorger im Ort. Wichtig vor allem für die älteren Einwohner, die bei Bedarf sogar beliefert werden. Doch ewig wird Inhaber Bernd Schulte Wurst, Brot, Getränke und mehr nicht mehr verkaufen. Aus Altersgründen. Der Erhalt ist eine Aufgabe, der sich die Dorfgemeinschaft stellen will, stellen muss. „Wir müssen gemeinsam darüber nachdenken, welche Modelle es geben kann, dass wir zumindest diesen einen Einzelhändler im Ort behalten“, regt ein Teilnehmer an. Wie so eine Lösung allerdings aussehen könnte, diese Frage bleibt unbeantwortet.

„Ende gut, alles gut“ – so kommentierte Alfons Henke die Umgestaltung des Dorfplatzes an der Kirche, der auch für die Jugendlichen ein Treffpunkt werden soll. „Ich habe schon gesehen, dass sich die Jugend dort trifft und Döner bestellt.“ Bislang glich der Dorfplatz eher einem Schandfleck mit wenig Aufenthaltsqualität. Längst Vergangenheit.

Und natürlich bewegt die Windkraft-Diskussion die Menschen in Serkenrode. Viele Anwohner fürchten vor gesundheitlichen Auswirkungen und wollen nicht, wie es eine Teilnehmerin ausdrückt, von Windrädern umzingelt werden. „Manchmal habe ich das Gefühl, dass mehr über den Artenschutz als über den Schutz von uns Anwohnern geredet wird“, ärgert sich ein weiterer Bürger. Alfons Henke brachte es schließlich mit folgenden Worten auf den Punkt: „Wir haben nichts gegen Windkraft, aber sie muss weiter weg stattfinden.“ Weit weg von ihrem Dorf.

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