Schule

Vorm Unterricht müssen Schüler jetzt ihr Handy abgeben

Roberto Hesener und Finn Hutter (rechts) "parken" ihre Smartphons  in der "Handygarage", seit Beginn des neuen Schuljahres gehört dies am Gymnasium Maria Königin zum Ritual vor jeder Unterrichtsstunde.  

Roberto Hesener und Finn Hutter (rechts) "parken" ihre Smartphons  in der "Handygarage", seit Beginn des neuen Schuljahres gehört dies am Gymnasium Maria Königin zum Ritual vor jeder Unterrichtsstunde.  

Foto: Volker Eberts

Lennestadt/Kreis Olpe.  Neues Konzept am Klostergymnasium in Lennestadt. Mobiltelefone werden während des Unterrichts in einer speziellen Tasche aufbewahrt.

Die Ähnlichkeit der sogenannten „Handygaragen“ mit einem textilen „Adventskalender“ ist verblüffend. Einziger Unterschied: Es gibt 30 statt 24 Fächer. Seit Beginn des neuen Schuljahrs müssen die Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Maria Königin ihre „Smartphones“ vor Unterrichtsbeginn ausschalten und in den Fächern neben der Eingangstür in den 20 Klassenräumen ablegen. Das sieht das neue „Konzept zur Nutzung von Mobilen Endgeräten“ an der Schule vor.

Nach einer Testphase in den 8-er-Klassen Ende des letzten Schuljahrs wurde das neue Konzept jetzt grundsätzlich für alle Jahrgangsstufen eingeführt. Während des Unterrichts bleibt das Handy in der „Garage“ und auch beim Raumwechsel sowie beim Gang in die Pausen ist das Ding tabu. Nur während der Pausen darf das Gerät in der unteren Pausenhalle genutzt werden, anschließend wandert es wieder in die Aufbewahrungstasche. Lediglich Oberstufenschüler dürfen das Handy auch in Freistunden nutzen.

Schüler sollen mitmachen

Sinn und Zweck des Konzepts, das von der gesamten Schulkonferenz getragen wird, ist, die Jugendlichen nicht nur durch Unterrichtsinhalte über die Mediennutzung, sondern durch aktive Mitarbeit zu einem verantwortungsbewussten Umgang mit dem Mobiltelefon zu bringen und den Gefahren wie schwindende Konzentration oder Cybermobbing etc. vorzubeugen.

„Die Schüler sollen beim Lernprozess nicht abgelenkt werden“, so der stellvertretende Schulleiter Christoph Tebrügge. Aber es gehe auch um „ein bewusstes Loslassen vom Handy“, so Schulleiter Jan Fabian Borys. Das Konzept verfolge einen pädagogischen und keinen sanktionalen Ansatz. Bisher funktioniere die neue Regel „überraschend geschmeidig“, sagt Tebrügge. Die ersten Eindrücke seien positiv und in der zur Handyzone deklarierten Pausenhalle würden sich nicht mehr Schüler tummeln als vorher auch. Eine genauere Bilanz will die Schule nach sechs Monaten ziehen.

Stichprobe in den Schulen

Die meisten weiterführenden Schulen im Kreis Olpe, das ergab eine Stichprobe unserer Zeitung, hat sich mit der Handy- und Mediennutzung ihrer Schüler schon beschäftigt, allerdings mit teilweise unterschiedlichen Ergebnissen:

Am Städtischen Gymnasium in Lennestadt darf nur die Oberstufe in ihren Räumen das Smartphone nutzen, in den Klassen 5 bis 9 ist das Handy tabu, begründete Ausnahmen müssen genehmigt werden. „Wir empfehlen den Eltern in der Unter- und Mittelstufe, das Handy erst gar nicht mit in die Schule zu geben“, so Hubertus Schultze, stv. Schulleiter. Schulkonferenz und Schülermitverwaltung würden das mittragen. Wer gegen die Regelung verstößt, muss sein Handy bis Unterrichtsende abgeben. In jedem Schuljahr werden die Schüler über das Wie und Warum informiert. Schultze: „Man kann das Handy nicht einfach verbieten“, sondern müsse die Schüler über Chancen und Gefahren des Mediums aufklären.

Handyverbot auf gesamtem Gelände

An der St. Franziskus Schule in Olpe gibt es eine ähnliche Regelung: Insgesamt gilt ein Handyverbot auf dem gesamten Schulgelände. Nur die Oberstufenschüler dürfen ihre Handys in Freistunden in den entsprechenden Oberstufenräumen benutzen, weil das Smartphone für die Hausaufgaben benötigt werde, erklärt Schulleiterin Dr. Gerlis Görg. In der Sekundarstufe 1 bleiben die Handys ausgeschaltet im Schulrucksack, sofern es nicht unter Aufsicht des Lehrers im Unterricht genutzt werde.

Smarte Pause am SGO

Am städtischen Gymnasium in Olpe gibt es seit drei Jahren die „smarte Pause“. Dort dürfen alle Schüler in einem abgesonderten Raum in einer Pause ihre Handys oder Tablets so benutzen, wie sie es außerhalb der Schule auch tun: Musik hören, chatten, spielen oder auch mal etwas für die nächste Stunde recherchieren. Um an der „smarten Pause“ teilnehmen zu dürfen, benötigen die Schüler einen „Surfschein“. Diesen können die Schüler im Medien- und Methodenunterricht erwerben und lernen dort zum Beispiel, welche Persönlichkeitsrechte es auf Foto-und Filmmaterial gibt.

„Im Unterricht können die digitalen Geräte der Schüler genauso genutzt werden, wie Buch und Heft auch“, sagt Sonja Henning, Medienbeauftragte des städtischen Gymnasiums. Dort müssen die Geräte dann stumm geschaltet werden und kommen zum Einsatz, wenn es für den Unterricht sinnvoll erscheint. Für die Schüler der „Digi-Klasse“, in der alle mit Tablets ausgestattet sind, ist das digitale Gerät ein selbstverständlicher Begleiter im Schulalltag.

Nur für den Bus

Auch an der Gesamtschule Wenden gilt eigentlich ein Handyverbot für alle Jahrgangsstufen in der Schule. Weil fast alle Schüler auf den Schulbusverkehr angewiesen sind, ist es aber erlaubt, bei Unregelmäßigkeiten im Busverkehr das Handy zu nutzen. „So können die Schüler Bescheid geben, falls es zu Busausfällen oder -verspätungen kommt“, erklärt der stellvertretende Schulleiter Dieter Karrasch.

An der Hanseschule in Attendorn gilt ebenfalls ein komplettes Handyverbot in der Schule. Dies betrifft alle Jahrgangsstufen ohne jegliche Ausnahmen. Die Handys der Schüler müssen vor Schulbeginn ausgeschaltet sein und dürfen erst ab Schulschluss wieder benutzt werden. In seltenen Fällen wird die Handynutzung im Unterricht erlaubt. Da die Schule nur über zwei Computerräume verfügt, komme die Handynutzung im Unterricht vor allem für Recherchezwecke zum Einsatz, teilte die Schule mit.

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