Einzelhandel

Warum Mode am Markt in Olpe die Pforten schließt

Ursula Hoffmann (links) und Angela Nieder.

Ursula Hoffmann (links) und Angela Nieder.

Foto: Verena Hallermann / WP

Olpe.  Mode am Markt in Olpe macht zu. Ursula Hoffmann und Angela Nieder erklären, warum sie sich zu diesem Schritt entschieden haben.

Wenn doch nur die Wände reden könnten. Sie würden von den Damen erzählen, die in das Geschäft am Olper Marktplatz kamen, auf der Suche nach einer Karottenhose oder einer Bluse mit Puffärmeln. Eben das, was die Frauen damals getragen haben. Sie würden auch erzählen, wie sich die Trends über die Jahrzehnte verändert haben. Doch jetzt schließt „Mode am Markt“. Ursula Hoffmann und Angela Nieder, die das Geschäft in den vergangenen vier Jahren betrieben haben, gehen neue Wege. Im Gespräch mit unserer Zeitung blicken sie zurück und erklären, warum sie sich zu diesem Schritt entschieden haben.

Angela Nieder ist 61 Jahre alt und gelernte Einzelhandelskauffrau. Seit ihrem 14. Lebensjahr verkauft sie Mode. Die gebürtige Olperin kennt „Mode am Markt“ schon sehr lange. Vor zehn Jahren hat sie angefangen, dort als Angestellte zu arbeiten. Ursula Hoffmann ist nicht nur eine Kollegin. Die beiden kennen sich schon aus dem Kindergarten. Als dann die damalige Inhaberin bekannt gab, dass sie aufhört, schmiedeten die beiden einen Plan. „Wir haben uns gesagt, das können wir auch“, erzählt Hoffmann. „Das war immer unser großer Traum.“

Hunderte Strümpfe verkauft

Am 1. Oktober 2015 war dann die Eröffnung. Die beiden Inhaberinnen erinnern sich noch gut. Es war ein toller Tag. Ein bisschen hektisch vielleicht, aber voller Freude. „Wir sind erst auf den letzten Drücker fertig geworden“, erzählt Hoffmann. „Mittags wurde noch die Glastür eingebaut.“ Doch kaum waren die ersten Getränke ausgeschenkt, die Menschen plauderten an den Stehtischen, fiel auch langsam die Anspannung ab. „Ich war total aufgeregt“, weiß Angela Nieder noch. „Aber natürlich auch super glücklich und stolz. Das war ein absolutes Erfolgserlebnis.“

Es sind nicht die ersten schönen Momente innerhalb der Mauern des Gebäudes der Gemeinnützige Gesellschaft der Franziskanerinnen zu Olpe (GFO) am Marktplatz. Ganz früher war dort Raumausstatter Ludwig Harnischmacher beheimatet. Angela Nieder erinnert sich noch an die Möbel, die in dem Schaufenster zu sehen waren. Später übernahmen Tony Lörke und Agnes Nies das Geschäft. Sie verkauften Strümpfe. Hunderte davon. Damals hatten die noch einen richtigen Wert, keine Discounter-Ware. Seidenstrümpfe wurden zum reparieren vorbeigebracht. Die Stützstrümpfe hatten ungefähr einen Status wie heute die Prada-Handtaschen.

Danach übernahm Existenzgründerin und Quereinsteigerin Mechthild Rumpff das Ruder. Sie hat noch jede Menge Strümpfe übernommen, diese ausverkauft und hat dann in den Textilbereich gewechselt. „Sie war damals eine echte Institution hier“, erzählt Angela Nieder. „Hier war richtig viel los. Im Büro wurde Wein getrunken, Zigaretten geraucht. Wie das eben damals so war.“

Kaffeetrinken mit dem Postboten

Ursula Hoffmann und Angela Nieder blicken gerne zurück. Sie denken an die vielen Events, die sie veranstaltet haben. Die Modenschauen mit den hiesigen Models Iris Dahlke und Kathrin Althaus, die italienischen Tage mit den Einzelhändlern zusammen. Sie denken an die vielen (Stamm-) Kunden, die sie über die Jahre begleitet haben, die Unterhaltungen an der Kasse, auf der Straße vor der Eingangstür. Und sie denken an den Postboten, der morgens erstmal einen Kaffee getrunken mit den beiden getrunken hat. „Er war ganz entsetzt, als er hörte, dass wir aufhören“, erzählt Angela Nieder.

Doch warum dann die Schließung? Die beiden Olperinnen erzählen, dass die ersten Jahre richtig gut gelaufen seien. Aber das Kaufverhalten hat sich zunehmend verändert. Es wird weniger gekauft, vor allem weniger lokal gekauft. „Die Menschen reisen heute viel und kaufen überall ein“, erklärt Ursula Hoffmann. „Es gibt nicht mehr diese Regelmäßigkeit wie früher. Die Balance fehlt. Das merkt natürlich der heimische Einzelhändler.“ Vor allem in den letzten zwei Jahren habe sich das bemerkbar gemacht. Nicht nur in der Textilbranche. Akute Probleme gebe es noch nicht. Die beiden Freundinnen finden aber, dass jetzt ein guter Zeitpunkt ist, sich zurückzuziehen.

Jeden Morgen die Strecke zur Arbeit, das Aufschließen der Eingangstür, die Kunden – das wird den Frauen am meisten fehlen. Während sich Ursula Hoffmann dem Familienleben widmet (zwei Töchter, zwei Enkel) wird Angela Nieder, ebenfalls zweifache Mutter, wieder auf Jobsuche gehen.

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