Kreis Wesel. Der FDP-Bundestagsabgeordnete spricht zum Jahresabschluss über politische Herausforderungen. Ein Ziel: Olympia 2036 in der Rhein-Ruhr-Region.

In vielerlei Hinsicht war das Jahr 2022 kein gewöhnliches. Besonders politisch. „Ein wildes Jahr“ nennt der Kreis Weseler FDP-Bundestagsabgeordnete Bernd Reuther gar die zurückliegenden zwölf Monate. Die Effekte der Corona-Krise und die umfangreichen Folgen des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine hätten die Diskussionen in der vorhergehenden Legislaturperiode 2017 bis 2021 beinahe „wie Petitessen“ erscheinen lassen, so Reuther. Man habe quasi nur „im Ausnahmezustand agiert“.

Dieser Ausnahmezustand hat einige Regierungsentscheidungen hervorgerufen, die Bernd Reuther alles andere als behagen. Den Langfristvertrag über Gaslieferungen mit Katar etwa „sehe ich äußerst kritisch“. Stattdessen plädiert er dafür, das Thema Fracking neu zu bewerten.

Bernd Reuther möchte die olympischen Spieler in die Rhein-Ruhr-Region holen

Am Niederrhein und im Kreis Wesel werden große Gasvorkommen vermutet. Und aus Sicht von Bernd Reuther muss sich die Haltung dazu ändern. Er nennt die Debatte darüber „scheinheilig“, weil hier Klimaschutz gefordert, aber gleichzeitig Gas aus dem Ausland gekauft werde. „Wir importieren Gas aus Katar, USA, Kanada, wollen aber selbst keines fördern.“ Das sei ein Vorgehen nach dem Prinzip „wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass“. Zumal Reuther überzeugt ist, dass die Förderverfahren von Schiefergas mittlerweile umweltschonend seien.

Dass sich die Bundesregierung der Planungsbeschleunigung angenommen hat, wertet Reuther als sehr positiv. Das Ziel: den Neubau von Brücken auf fünf Jahre und den Bau von Windrädern auf ein Jahr zu verkürzen. Ambitioniert nennt der FDP-Abgeordnete die Pläne, allerdings sieht er gerade beim Bau neuer Brücken Chancen, um das Tempo zu erhöhen. Zum Beispiel müsse man sich die Frage stellen, „ob wir eine neue Umweltverträglichkeitsprüfung und ein neues Planfeststellungsverfahren brauchen, wenn wir an derselben Stelle eine neue Brücke bauen, an der die alte Brücke bereits gestanden hat“. Damit befindet sich Reuther auf einer Linie mit dem scheidenden IHK-Präsidenten. Burkhard Landers hat im Gespräch mit der Redaktion selbst ein deutlich höheres Tempo bei der Genehmigung gefordert.

Eine Sitzungswoche gibt es noch vor Weihnachten im Bundestag. Danach geht es in die Winterpause, ehe der Sitzungszyklus am 16. Januar 2023 wieder beginnt. Und dann möchte sich Bernd Reuther besonders für ein Herzensprojekt einsetzen: die Bewerbung der Rhein-Ruhr-Region für die Olympischen Spiele 2036.

Die Infrastruktur mit tollen Sportstätten sei in vielen Fällen bereits vorhanden. Man sei in der Lage, eine solche Großveranstaltung umzusetzen, sagt Reuther klar, „und wir wollen das auch“.