Kreis Wesel. Kinder, die Gewalt erfahren oder vernachlässigt werden, müssen geschützt werden. Der ASD im Kreis Wesel hat von seiner Arbeit berichtet.

Der Allgemeine Soziale Dienst (ASD) im Kreis Wesel stellt einen steigenden Trend bei den Gefährdungseinschätzungen zur Kindeswohlgefährdung fest. Das haben Doris Christ und Oliver Teuber kürzlich im Ausschuss für Kinder- und Jugendhilfe mitgeteilt. Zum Oktober 2022 verzeichnete der ASD demnach 439 Fälle, zum gleichen Zeitpunkt ein Jahr später waren es 516.

Oliver Teuber, Koordinationsbereichsleiter für Alpen, Sonsbeck und Xanten ordnet das beispielhaft für seinen Zuständigkeitsbereich ein: Er hat hier in diesem Jahr mindestens 172 Gefährdungseinschätzungen registriert, „so viel wie noch nie in den vergangenen sieben Jahren“. In den meisten Fällen sei an den Hinweisen auch etwas dran sei, nicht immer müssten die Kinder in Obhut genommen werden, mindestens werde aber ein Hilfe- oder Unterstützungsbedarf festgestellt. Angesprochen auf mögliche Gründe für steigende Fallzahlen nennt Doris Christ die Pandemielage und in dieser Zeit fehlende betreuende Institutionen. Oliver Teuber sieht zudem eine „höhere Sensibilität in der Gesellschaft“, sowie vermehrt Möglichkeiten, mit den entsprechenden Stellen Kontakt aufzunehmen, auch ließen sich mehr Fachkräfte in den Kindertageseinrichtungen ausbilden und seien entsprechend sensibilisiert.

Laut Beschluss des Bundesgerichtshofs im September 2022 liegt eine Kindeswohlgefährdung vor, „wenn eine gegenwärtige, in einem solchen Maß vorhandene Gefahr festgestellt wird, dass bei der weiteren Entwicklung der Dinge eine erhebliche Schädigung des geistigen oder leiblichen Wohls des Kindes mit hinreichender Wahrscheinlichkeit zu erwarten ist“. Indikatoren sind laut Christ und Teuber Vernachlässigung (etwa des Bedürfnisses nach Nahrung, Kleidung oder Sicherheit), körperliche Gewalt, seelische und emotionale Vernachlässigung (etwa die ausbleibende Förderung der Sprache oder Motorik) sowie sexualisierte Gewalt.

Der ASD ist als Abteilung des Jugendamtes in diesen Fällen zuständig, im Kreis Wesel teilt er sich in drei Regionen auf. Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die sozialpädagogische Beratung und Unterstützung wünschen oder Hinweise geben möchten, können sich an die jeweilige Fachkraft des ASD wenden. Infos: www.kreis-wesel.de/de/themen/allgemeiner-sozialer-dienst/