Kreis Wesel. Um präventiv vorzugehen, gibt es auch bei der Kreispolizei Wesel eine Einheit, die sich mit Personen mit Risikopotenzial befasst. Was sie tut.

2018 fährt ein Mann in Münster mit einem Campingbus in eine Menschenmenge, vier Personen sterben. Zwei Jahre später: Im hessischen Volkmarsen werden rund 100 Menschen verletzt, darunter zahlreiche Kinder, nachdem ein Mann sein Fahrzeug in einen Karnevalsumzug steuert. Im Dezember desselben Jahres ereignet sich eine weitere Amokfahrt in Trier, bei der ein Mann fünf Menschen, darunter ein Baby, tötet. Was war zuvor über die Täter bekannt? Wie hätten diese schrecklichen Taten verhindert werden können? Um das Risiko für solch schwere Gewalttaten zu reduzieren, gibt es seit Mai 2022 eine Einheit bei der Kreispolizei Wesel. Zwei Vertreter, die dem Bereich Kriminalprävention und Opferschutz angehören, erläuterten ihre Arbeit kürzlich im Ausschuss für Kinder- und Jugendhilfe.

Dahinter verbirgt sich „PeRiskoP“, ein Konzept zur Früherkennung von und zum Umgang mit Personen mit Risikopotenzial, welches NRW-Innenminister Herbert Reul 2021 ins Leben gerufen hat. Zunächst gestartet als Pilotprojekt in drei Polizeibehörden, unter anderem im Kreis Kleve, ist es im vergangenen Jahr auf alle 47 Kreispolizeibehörden ausgeweitet worden. Dabei geht es um Personen, die aufgrund ihres Verhaltens Anhaltspunkte für eine erhebliche Gefahrenlage darstellen, etwa in Form eines Amoklaufs oder Anschlags.

„PeRiskoP“: Polizei vernetzt sich mit anderen Behörden

Die Personen seien klar abzugrenzen von Gefährdern, betont der zuständige Kriminaloberkommissar, der seinen Namen aus Sicherheitsgründen nicht in der Zeitung lesen will, „also von politisch motivierter Kriminalität“. Im Blick hat die Polizei hierbei Menschen, die sich gewaltbereit oder waffenaffin zeigen, in Verbindung mit einem psychisch auffälligen Verhalten, führt er aus, betont aber auch: Das heiße nicht, dass die Polizei per se psychisch erkrankte Menschen im Blick habe.

„In der Regel machen Amokläufer bereits vor der Tat Andeutungen – manchmal mündlich, manchmal schriftlich. PeRiskoP nimmt aber nicht einfach Menschen mit psychischen Erkrankungen oder Auffälligkeiten ins Visier. Neben Risikofaktoren werden deshalb bei der Bewertung auch Schutzfaktoren und stabilisierende Aspekte berücksichtigt“, so Innenminister Reul zum Start der Ausweitung. Eine Stigmatisierung solle so ausgeschlossen werden.

In der Regel machen Amokläufer bereits vor der Tat Andeutungen – manchmal mündlich, manchmal schriftlich. PeRiskoP nimmt aber nicht einfach Menschen mit psychischen Erkrankungen oder Auffälligkeiten ins Visier.
Herbert Reul, Innenminister

Wie geht die Einheit der Kreispolizei vor? Es geht ihr darum, möglichst viele Informationen zusammenzuführen. Dabei vernetzt sie sich mit verschiedenen Stellen, etwa Justiz, Ordnungsamt, Gesundheitsamt oder Jobcenter. Es müsse keine Straftat vorliegen, das Ziel sei es, schwere Gewalttaten zu verhindern, heißt es im Ausschuss. Die Altersspanne der Personen sei weit gefasst, es kann sich auch um Jugendliche oder junge Erwachsene handeln.

Polizei im Kreis Wesel prüft, was hinter den Hinweisen steckt

Verglichen wird die Arbeit bei diesem Projekt mit einem Puzzle. Das Team erhalte einen Hinweis, entweder extern aus der Bevölkerung. Oder es ergebe sich intern ein Verdacht, beispielsweise, wenn jemand bei der Polizei auffällig werde. Wöchentlich gehen Hinweise ein. Nicht selten kommen diese aus dem Schulumfeld.

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Datenschutz ist natürlich ein sensibles Feld. Der behörden- und institutionsübergreifende Austausch erfolge immer im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben, insbesondere des Datenschutzes, heißt es zur Ausweitung des Projekts vom Innenministerium. Es sei einzelfallabhängig, auch die Voraussetzungen der einbezogenen Behörden seien unterschiedlich, so der zuständige Kriminaloberkommissar, der auch auf die Zuständigkeit der Polizei bei der Gefahrenabwehr verweist.

Es geht dann darum, zu prüfen, was genau hinter den Hinweisen steckt: War es möglicherweise nur eine Aussage im Affekt? Das lasse sich beispielsweise direkt im Gespräch mit der betroffenen Person klären, schildert er das weitere Vorgehen. Die Polizei beschäftigt sich mit den Risikofaktoren, möglicherweise komme es zu einer Fallkonferenz, dann gehe es auch darum, Hilfsangebote zu vermitteln, den Kontakt etwa zur Drogenberatungsstelle oder in eine Klinik herzustellen. „Lieber ist uns ein Hinweis mehr als einer zu wenig“, heißt es im Ausschuss.