Kreis Wesel. Das Ehrenamt ist keine Selbstverständlichkeit. Deswegen ehrte die AWO im Kreis Wesel ihre Mitglieder für ihre Arbeit. Was der Vorstand bemängelt.

Zum Internationalen Tag des Ehrenamts am 5. Dezember hat der Awo-Kreisverband Wesel ehrenamtlichen Mitgliedern Urkunden überreicht und sie für ihre Arbeit geehrt. Dafür besuchten der Präsident Ibrahim Yetim sowie der Vorstandsvorsitzende Jochen Gottke gemeinsam mit Regina Nolden, die für die Verbandsentwicklung zuständig ist, die Awo-Standorte im Kreis. Der Vorstand startete in Moers. Gegen Mittag ging es nach Kamp-Lintfort und als letzte Station stand Dinslaken auf dem Programm. Leider konnten aus Krankheitsgründen nicht alle Mitglieder an der Veranstaltung teilnehmen.

Mit diesem Gedenktag möchte der Vorstand „zeigen, dass das Ehrenamt sehr wichtig ist“, sagte Yetim. Von insgesamt 1800 Mitgliedern, die die AWO hat, sind 500 ehrenamtlich dabei. Deutschlandweit seien 50 Prozent der Bevölkerung ehrenamtlich tätig, so der Präsident. Das Entgelt für die Arbeit dieser ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer liege im zweistelligen Milliardenbereich, wenn der Staat dafür zahlen würde, verdeutlichte Gottke den Aufwand der Helfer. „Deswegen ist der Tag des Ehrenamtes so wichtig, um genau das hervorzuheben“, so Yetim.

AWO-Vorstand kritisiert die Politik

Trotz der vielen ehrenamtlichen Helfer im Land und bei der AWO sagte der Präsident: „In der Gesamtbetrachtung ist das so, dass es zu wenige sind.“ Vor allem junge Ehrenamtliche fehlen dem Wohlfahrtsverband. In Neukirchen-Vluyn sei die älteste Aktive 86 Jahre alt. Gerade während der Pandemie habe man gesehen, dass die Jugend sich gerne ehrenamtlich betätige. So haben die jungen Helfer beispielsweise für die älteren Bürgerinnen und Bürger Einkäufe erledigt. Gründe für das Nachwuchsproblem sieht die Awo darin, dass der Verband sich in den letzten Jahren zu wenig in der Öffentlichkeit präsentiert habe, so Nolden. Aus diesem Grund sei in nächster Zeit eine Kampagne geplant, mit der sich die Awo vorstellen und ihre verschiedenen Tätigkeitsbereiche erklären will.

Ehrenamtliche Hilfe für betagte Menschen ist nur ein Bereich. In Alpen sollen beispielsweise gemeinsam mit dem Naturschutzbund (Nabu) Nistkästen aufgebaut werden. Ibrahim Yetim könne sich auch gut vorstellen, beispielsweise Medizinstudierende ehrenamtlich zu beschäftigen, wodurch ihnen dann ein Wartesemester angerechnet werden könne. Das sei jedoch nur eine Idee, um mehr junge Menschen für das Ehrenamt zu gewinnen.

Einen weiteren Punkt, den der Vorstand ansprach, ist die aus seiner Sicht mangelnde Unterstützung von Seiten der Politik. Der Wohlfahrtsverband müsse Gebühren und Steuern zahlen, obwohl seine Einnahmen sehr gering seien. „Wir sind als ehrenamtlicher Verein von nichts befreit“, so der Vorstandsvorsitzende. „Man darf unsere Arbeit nicht hemmen, wenn man sie schon nicht fördert.“