Sportförderung

Geldnot: Kreissportbund Wesel befürchtet die Insolvenz

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„Sicher unterwegs - mit Rollstuhl und Rollator"  – eine von zahlreichen Aktivitäten des Kreissportbundes.

„Sicher unterwegs - mit Rollstuhl und Rollator" – eine von zahlreichen Aktivitäten des Kreissportbundes.

Foto: Oleksandr Voskresenskyi / FFS

Kreis Wesel.  Mit seinen Angeboten ist der Kreis Wesel nicht nur in Sportvereinen und Schulen gefragt wie nie. Warum er dennoch vor der Pleite steht.

Jahresbericht Kreissportbund – das ist Standard um diese Jahreszeit im Fachausschuss des Kreistages. Diesmal wurde es ein eindringlicher Hilferuf: Der Verein steht finanziell mit dem Rücken zur Wand. Spätestens im kommenden Sommer sei er zahlungsunfähig, so der Vorsitzende und Kassenwart Gustav Hensel. 467 Vereine mit rund 120.000 Sportlern aller Altersgruppen gehören zum Kreissportbund (KSB). „Die Prognose für 2023 ist düster“, sagt Hensel. Im Jahr 2022 schließt er mit 12.490 Miese, für 2023 rechnet er mit einem Minus von 65.000 Euro.

Minus bei der Seniorenarbeit, Stellen sind in Gefahr

Wie konnte es so weit kommen? Während die Ausgaben stabil blieben, hapert es auf der Einnahmenseite. Einige Fördermittel des Landessportbundes laufen in diesem und im kommenden Jahr aus, ohne Anschlussfinanzierung. Besonders davon betroffen seien die Bereiche Kinder- und Jugendsport und Gesundheit sowie Senioren. Der Landessportbund setze andere Schwerpunkte. Somit ist besonders die Erwachsenenarbeit im Defizit, Projektgelder in Höhe von 16.400 Euro werden gestrichen. Alle Projekte und die Personalkosten müsste der KSB allein tragen – das kann er nicht. Anders als der Landessportbund, sieht der KSB gerade im Kreis Wesel mit seinem vergleichsweise sehr hohen Altersdurchschnitt einen Bedarf an Angeboten für Senioren in Vereinen, aber auch in Alten- und Pflegeheimen. „Ziel muss es daher sein, die Gesundheitsangebote wie Rollator-Kurse und freie Sportangebote wie ‘Sport im Park’ zu erhalten und auszubauen“, so der KSB. Dafür fehlt das Geld und die halbe Stelle einer Fachkraft müsste gestrichen werden.

Im Bereich Kinder und Jugendliche sieht es laut Hensel nicht besser aus. 30.000 Euro fehlen dort im kommenden Jahr, wenn die Finanzierung im Sommer ausläuft. Eine weitere halbe Stelle fiele weg. Sie war erst zur Vollzeit aufgestockt worden, was mehr Aktionen und Projekte möglich machte. Ende 2023 läuft zudem die Stelle des Landessportbundes „NRW bewegt seine Kinder“ aus. „Der Landessportbund gibt die Anschubfinanzierung, danach geht er davon aus, dass wir selbst das Geld akquirieren“, so Hensel. Doch woher nehmen? Sieben Mitarbeitende beschäftigt der KSB, zwei davon in Vollzeit. Man beteilige sich an Wettbewerben der Discounter, spreche mit Banken und Sparkassen – die aber haben ihren Fokus auf die örtlichen Vereine gesetzt. 1000 Euro gibt die Nispa im Jahr für die Jugendarbeit, „mehr ist nicht drin“.

Wenn der KSB zu wenig Geld hat, warum erhöht er nicht die Mitgliedsbeiträge? „Das können wir nicht“, sagt Hensel. 15 Cent pro Mitglied im örtlichen Sportverein gehen an den KSB. Zu mehr seien die Vereine nicht bereit.

Positive Signale aus der Politik, der Hilferuf ist angekommen

Ob der Kreis komplett in die Bresche springen kann, ist unklar. Richard Stanczyk (SPD) signalisierte ein offenes Ohr für den zu erwartenden Antrag des KSB. „Ich bin mir sicher, dass wir eine Lösung finden. Der Kreistag wird Sie nicht im Stich lassen.“ Frank Berger (CDU) sagte, dass die Bedeutung des Kreissportbundes für Vereine und Schulen in der Coronazeit greifbarer geworden sei. „Wie die Kultur, ist auch der Sport ein Kitt der Gesellschaft.“ Es sei an der Zeit, dass der Ausschuss sich mit der Frage einer dauerhaft sicheren Finanzierung auseinandersetze. Aber: „Wir können das Geld nicht einfach verteilen. Wenn aber der Landessportbund kürzt, ändert sich die Statik.“

Günther Wagner (Linke) regte an, dass die Politik ihren Einfluss auf das Sponsoring der Sparkassen geltend machen, außerdem an Politik und Verwaltung der Kommunen herantreten solle: Die müssten ein lebhaftes Interesse daran haben, dass die Angebote in ihren Städten, beispielsweise Sport im Park, weiter gehen.

Der Kreissport wünscht sich eine „Neuauflegung des ‘Pakts für den Sport’, indem Verbindlichkeiten für alle Vertragspartner geschaffen werden. Es müssen kurz-, mittel- und langfristige Ziele verankert werden, so dass eine Sicherheit für den Sport im Kreis Wesel geschaffen wird.“ Doch an welche Tür auch immer der KSB klopft, bekomme er zu hören: „Ihr habt doch den Kreis im Namen, wendet euch doch an den.“ Das hat der Vorstand getan. Mit welchem Erfolg, das muss sich nun zeigen.

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