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Klima: 2022 im Kreis Wesel extrem für Grundwasser und Flüsse

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Das Extremniedrigwasser des Rheins – bei Götterswickerhamm im August –  hat das Grundwasser der Region beeinträchtigt. Das Klima zeigt seine Auswirkungen.

Das Extremniedrigwasser des Rheins – bei Götterswickerhamm im August – hat das Grundwasser der Region beeinträchtigt. Das Klima zeigt seine Auswirkungen.

Foto: Lars Fröhlich / FUNKE Foto Services

Kreis Wesel.  Ende Oktober zieht die Wasserwirtschaft im Kreis Wesel traditionell ihre Jahresbilanz. Für 2022 bleibt sie im Klimatrend und fällt nicht gut aus,

Für die Wasserwirtschaft steht schon jetzt der Jahreswechsel an: Am 31. Oktober endet das Jahr 2022, Neujahr ist der 1. November. Weil sich nun die Vegetation zurückzieht und der Regen kommen soll – die Branche hat halt ihren eigenen Kalender. Und sie bilanziert ein besonderes Jahr, in dem das Klima sich einmal mehr bemerkbar gemacht hat.

Warm, trocken, extrem

Gesa Amstutz, Geschäftsbereichsleiterin Wasserwirtschaft der Lineg, fasst das knapp zusammen: „Warm, trocken, extrem“. Dem stimmt Ilias Abawi, Sprecher von Lippeverband und Emschergenossenschaft zu: „Das bisherige Wasserwirtschaftsjahr 2022 (November 2021 bis einschließlich September 2022) fällt als sechstes Jahr in Folge zu trocken aus. Es fiel zirka etwa 25 Prozent weniger Niederschlag als im langjährigen Mittel“, sagt er auf Anfrage.

Nicht, dass diese Bilanz überraschte. Schwarz auf weiß gesehen, beeindruckt sie und macht klar: 2022 lag noch unter dem Trockenjahr 2018, der Trend setzt sich auch im Kreis Wesel fort. Die Region wird sich darauf einstellen müssen.

Im August beispielsweise, demonstrierte Gesa Amstutz jetzt, sind weniger als fünf Millimeter Regen gefallen, unter fünf Liter pro Quadratmeter also in einem ganzen Monat. Das, so Amstutz, war so wenig wie zuletzt Anfang 1913. Mit Ausnahme des Septembers, in dem es mit mehr als 120 Millimetern mal ordentlich gegossen hat, sind alle Monate unter dem Durchschnitt geblieben. Das hat in Landwirtschaft und Natur deutlich spürbare Auswirkungen hinterlassen.

Der Rhein führt Regie über das Grundwasser in der Region

Für das Grundwasser im Kreis Wesel ein besonderer Verlust war der März mit 17,2 Millimetern Niederschlag – normalerweise ist das mit 55,9 Millimetern ein Monat, in dem das Grundwasser vor dem Sommer noch einmal richtig auftankt. 2022 Fehlanzeige. Und obwohl noch nicht 31. Oktober ist: Auch dieser letzte Monat des Wasserwirtschaftsjahres ist relativ trocken. 206 Millimeter Defizit in einem ganzen Jahr sind somit registriert. „Das wird sich auch bis Montag wohl nicht ändern“, sagt Amstutz.

Auf der rechten Rheinseite sieht das naturgemäß nicht anders aus. Ilias Abawi vom Lippeverband und Emschergenossenschaft: „Damit ist das bisherige Wasserwirtschaftsjahr sogar noch trockener als die Jahre 2018 und 2019. Trotz hoher Niederschlagssummen im Februar ist für das Winterhalbjahr ein deutliches Niederschlagsdefizit zu verzeichnen.“ In den Jahren 2018 bis 2022 hat sich das Defizit auf 466 Millimeter summiert.

Und die Temperatur? Am 19. Juli kletterte das Thermometer in der Region auf 40,7 Grad, sechs mehr als die Höchsttemperatur vom Vorjahr und vor wenigen Jahren noch kaum vorstellbar.

21 Tage mit 30 Grad plus verzeichnet

70 Sommertage zählte die Statistik im Kreis Wesel - gemeint sind Tage, an denen die Spitzentemperatur von 25 Grad erreicht war. Und 21 sogenannte heiße Tage – schweißtreibende 30 Grad plus. Zudem 48 Frosttage, zehn weniger als im Schnitt, und kein einziger Eistag: Damit bezeichnet sind Tage, an denen rund um die Uhr die Null Grad nicht erreicht werden, im Kreis Wesel ohnehin eher selten.

Was das mit dem Grundwasser gemacht hat, ist erwartbar. Der Rheinpegel hat die Werte von 2018 noch unterschritten, ein Negativrekord. Wie viel Wasser der Strom führt, ist entscheidend für die Region, denn er beeinflusst den Grundwasserhaushalt auch noch Kilometer vom Fluss entfernt.

Suche nach Lösungen in der Wasserwirtschaft

„Gewässer und Grundwasser müssen klimaresilienter werden“, sagt Gesa Amstutz. Für das Pumpensystem der Lineg ist ein Ansatz, es mit künstlicher Intelligenz zu steuern: Als Folge des Bergbaus befördern Pumpen kontinuierlich Grundwasser in die umliegenden Gewässer. Ein Ansatz: Wird starker Regen erwartet, könnte man diese Geräte stoppen, um Platz für das Regenwasser zu schaffen. „Das wäre kein Problem, das Grundwasser reagiert sehr träge“, so Amstutz.

Bei extremer Trockenheit könnten die Pumpen langsamer laufen, um zwar eine reduzierte, dennoch stetige Versorgung der Gewässer zu gewährleisten, wichtig für das Leben an und in den Gewässern. Das läuft unter dem Stichwort „Digitale Gewässerbewirtschaftung“.

Zum „Jahresende“ ist die heimische Wasserwirtschaft also in Bewegung, Klimaanpassung ist die Devise. Und wie geht es weiter? „Eine Prognose ist aktuell aufgrund der schwer vorhersehbaren Klimaschwankungen eher schwierig“, sagt Ilias Abawi. Amstutz nimmt es lakonisch: „Wir freuen uns auf das neue Jahr.“

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