Ukraine-Krieg

Wo ist der nächste Bunker im Kreis Wesel? Anfragen nehmen zu

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Eine ehemalige Bunkeranlage im Ruhrgebiet.

Eine ehemalige Bunkeranlage im Ruhrgebiet.

Foto: André Hirtz / FUNKE Foto Services

Kreis Wesel.  Immer mehr Menschen im Kreis Wesel wollen wissen, wo sich der nächste Bunker befindet. Verwaltung klärt über Schutzeinrichtungen auf.

Wo ist im Ernstfall der nächste Bunker? Während Krieg in Europa lange undenkbar schienen, fehlen Konzepte für einen solchen Fall – auch im Kreis Wesel. Doch das Thema treibt viele Menschen um: Frank Brändel von der Kreisverwaltung berichtete dem Ausschuss Gesundheit, Bevölkerungs- und Verbraucherschutz, dass es in diesem Jahr verstärkt Anfragen aus der Bevölkerung in der Kreisverwaltung gebe. Wo sind die Schutzräume und welcher davon wäre der nächste für mich? Die Antworten muss der Kreis schuldig bleiben.

Die AfD-Gruppe Kreis Wesel wollte jetzt wissen: „Über welche Schutzeinrichtungen für die Zivilbevölkerung – insbesondere Schutzeinrichtung gegen radioaktive Umgebungsstrahlung – verfügt der Kreis Wesel im Falle eines Angriffs, etwa eines Vergeltungsangriffs der russischen Streitkräfte?“ Die Fragesteller beziehen sich auf Aussagen des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), nach denen die ursprünglich öffentlichen Schutzraumanlagen sich im Eigentum von Kommunen oder Privater befinden.

Kreis Wesel: Schutzraumkonzept ist bereits 2007 aufgegeben worden

Brändel vom zuständigen Fachdienst informierte darüber, dass es solche Räume im Kreis Wesel nicht gebe und auch nicht gegeben habe, inklusive der Altkreise. Bereits im Jahr 2007 habe das Innenministerium NRW darüber informiert, dass sich die Arbeitsgemeinschaft Gefährdungslage aus Bund und Ländern darüber einig sei, das flächendeckend orientierte Schutzraumkonzept aufzugeben. In der Folge habe es einen schrittweisen Abbau der Hochbunker im Ruhrgebiet gegeben.

Allerdings habe die Verwaltung jetzt an Ina Scharrenbach, NRW-Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung geschrieben und um Informationen über mögliche Fördermittel des Landes für Schutzräume gebeten. Die Antwort kam aus dem Innenministerium und war wenig konkret. Aktuell sei man dabei, die Bedrohungslage neu zu bewerten. Dem Kreis wurde empfohlen, die aktuelle Lage vor Ort zu ermitteln und dem Innenministerium mitzuteilen. Inzwischen ist der Fachdienst 33 tätig geworden und arbeite mit den Kommunen zusammen an dem Thema.

Öffentliche Schutzräume waren in der Bundesrepublik seit Mitte der 60er Jahre errichtet worden, allerdings vor allem in Ballungszentren, informiert das BBK. „Grund dafür war die im Kalten Krieg als realistisch bewertete Gefahr eines Krieges mit Flächenbombardierungen und dem Einsatz chemischer und nuklearer Waffen“, heißt es dort.

Bundesanstalt für Immobilienaufgaben wickelt Bunker ab

War man seinerzeit noch von einem „klassischen Kriegsszenario“ mit mehreren Eskalationsstufen und entsprechender Vorwarnzeit ausgegangen, die es ermöglicht hätte, die Schutzräume zu aktivieren, änderte sich die Bewertung. „Experten gehen heute von einem Schadenszenario ohne Vorwarnzeit aus, daher können Schutzräume der Bevölkerung keine ausreichende Sicherheit bieten“, heißt es auf der Seite des BBK. Daher habe man das Konzept 2007 aufgegeben und die öffentlichen Schutzräume aus der Zivilschutzbindung entlassen. Seit September ist die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) für Bewirtschaftung und Abwicklung der öffentlichen Schutzräume zuständig. Jetzt beginnt ein Nachdenken.

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