Ukraine-Krieg

Kreis Wesel: Warum viele Geflüchtete nicht arbeiten können

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Das Jobcenter Kreis Wesel kann Ukrainerinnen nicht so schnell vermitteln, wie es möglich wäre.

Das Jobcenter Kreis Wesel kann Ukrainerinnen nicht so schnell vermitteln, wie es möglich wäre.

Foto: Markus Weissenfels / FFS

Kreis Wesel.  Viele Geflüchtete aus der Ukraine im Kreis Wesel sind gut ausgebildet. Doch damit die Frauen arbeiten können, fehlt es an den Voraussetzungen.

Sprachkurse und die Betreuung von kleinen Kindern sind ein Problem für Geflüchtete aus der Ukraine im Kreis Wesel. Ganze neun Monate müssen sie auf einen Platz in einem Sprachkurs warten, so Michael Müller, Geschäftsführer des Kreis-Weseler Jobcenters. In Köln oder Düsseldorf hingegen seien es lediglich bis zu acht Wochen, berichtete er dem Sozialausschuss des Kreistages Wesel.

Sprachkurse mit Kinderbetreuung seien im Kreis Wesel nicht vorhanden und eine Lösung kaum in Sicht. Das frustriert, denn die Menschen sind hoch motiviert, viele von ihnen gut ausgebildet und sie wollen arbeiten. Zwar erhalten die Geflüchteten Kurse, gehalten von Ehrenamtlern, in denen sie mehr von der deutschen Kultur erfahren und auch Sprachunterricht erhalten. Aber Zertifikate können sie auf diese Weise nicht erwerben. Es mangelt an qualifizierten Dozenten, Müller rechnet damit, dass viele Geflüchtete vermutlich demnächst in andere Regionen ausweichen werden, in denen sie bessere Chancen haben und schneller gefördert werden. Die Ukrainer sind nicht einer Stadt zugeordnet, sondern dem Land NRW, in dem sie sich frei bewegen und niederlassen können.

2033 Geflüchtete aus der Ukraine in 1251 sogenannten Bedarfsgemeinschaften, also Familien, beziehen aktuell Leistungen des Jobcenters. Anders als im Jahr 2015, als Menschen aus Syrien zu uns geflohen sind, kommen aus der Ukraine vornehmlich Frauen und Kinder: 1412 weibliche und 621 männliche Geflüchtete zählt das Jobcenter, darunter 889 Kinder unter 14 Jahren.

Gefragte Fachkräfte müssen ihre Kinder betreuen

Ein Drittel der zumeist Frauen sind gut ausgebildete Fachkräfte, zum Teil in Berufen, die bei uns eher Männern vorbehalten sind. Schweißerinnen beispielsweise sind darunter. Fachkräfte, die eigentlich von den Unternehmen sehr gefragt sind. Allerdings scheitert ihre Vermittlung in den Arbeitsmarkt häufig an dem Problem der fehlenden Betreuung vor allem für Vorschulkinder. 97 sind davon betroffen, sie könnten arbeiten, müssen sich aber um ihre Kinder kümmern. Die Zahlen sind auf dem Stand Oktober. 72 Menschen, die vor dem Krieg geflohen sind, haben bereits Arbeit gefunden. Viele der Geflüchteten können ihre Qualifikation nachweisen, bei der Anerkennung allerdings gebe es noch Luft nach oben, sagt Müller, alles dauert lang.

Aktuell verzeichnet das Jobcenter nur wenige Neuanträge. Michael Müller rechnet aber mit einer Welle im Winter, wenn es in der Ukraine klirrend kalt wird und die Menschen keinen Schutz finden.

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