Interview

Sascha Wagner führt Die Linke in NRW – aber wohin?

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Sascha Wagner bei seiner Bewerbungsrede auf dem Landesparteitag der Linkspartei NRW in Kamen.

Sascha Wagner bei seiner Bewerbungsrede auf dem Landesparteitag der Linkspartei NRW in Kamen.

Foto: Bernd Thissen / dpa

Kreis Wesel.  Seit dem Landesparteitag ist Sascha Wagner, führender Linker im Kreis Wesel, auch an der Spitze in NRW. Wie er die heikle Aufgabe meistern will.

Am vergangenen Wochenende hat Die Linke NRW auf ihrem Parteitag in Kamen ein neues Führungsduo gewählt: Kathrin Vogler und der Dinslakener Sascha Wagner, Fraktionschef der Linkspartei im Kreistag Wesel, führen die Partei in NRW an. Susanne Zimmermann und Tobias Kaluza haben dem 42-Jährigen einige Fragen zu seiner neuen Aufgabe gestellt.

Herr Wagner, Sie haben sich sehenden Auges um eine Aufgabe beworben, um die sich die Parteigenossen angesichts der desolaten Lage der Linkspartei nicht gerissen haben. Warum?

Das ist eine schöne Frage. Ich habe mich beworben, weil ich die Notwendigkeit sehe, in einer solchen Situation Verantwortung zu übernehmen und die verschiedenen Strömungsansätze zusammenzuführen. Ich kenne den Landesverband ja sehr gut aus meiner achtjährigen Zeit als Landesgeschäftsführer, da hat man eine gewisse Bindung an eine Organisation.

Die Linke ist gespalten. Der Wagenknecht-Flügel, der öffentlich oft als populistisch wahrgenommen wird, und der moderate Flügel stehen einander gegenüber. Wagenknecht war bei der letzten Bundestagswahl Spitzenkandidatin in NRW, daher fällt dem Landesverband bei diesen Flügeldebatten eine zentrale Rolle zu. Wagenknecht fiel auch Monate nach Beginn des russischen Überfalls auf die Ukraine mit Forderungen zur Öffnung von Nord Stream 2 auf. Welchem der Flügel ordnen Sie sich zu?

Ich teile nicht jede Äußerung von Sahra Wagenknecht, die eine unserer Bundestagsabgeordneten aus NRW ist. Für mich sind die Beschlüsse der Partei bindend. Der neue Vorstand hat gleichwohl die Aufgabe, die unterschiedlichen Einschätzungen zusammenzubringen. Die Beschlusslagen zu den von Ihnen gestellten Fragen wurden in Erfurt auf dem Bundesparteitag sehr deutlich gefasst.

Dann möchten Sie sich keinem Flügel zuordnen lassen?

Als Co-Sprecher der Linkspartei NRW habe ich eine andere Rolle. Ich selbst komme aus der antikapitalistischen Linken, es gibt weitaus mehr als nur die beiden bekannteren Strömungen in der Linken. Aber unsere Aufgabe als Landesvorstand ist es nun, eine Strategie zu finden, um die Partei im Inneren zusammenzuführen und dadurch mehr Rückhalt in der Bevölkerung zu bekommen.

… und Nordstream 2?

Der Krieg Russlands gegen die Ukraine hat nochmals die Dringlichkeit des Ausstiegs aus den fossilen Energien Kohle, Öl und Gas deutlich gemacht. Dennoch werden jetzt Stimmen laut, die statt auf Erneuerbare Energien weiter auf Kohle und Atom setzen. Als Linke sagen wir: Hundertprozentige Versorgung mit erneuerbaren Energien bis 2035 ist notwendig und machbar. Unsere Perspektive einer regionalen Energiewende in öffentlicher oder genossenschaftlicher Hand ist der beste Weg dahin. Privatisierte Energieunternehmen, die von der Preistreiberei auf den fossilen Energiemärkten profitieren, wollen wir rekommunalisieren und in neue demokratisch verwaltete, kommunale Unternehmen überführen, die die Energie- und Wärmewende vorantreiben.

Nach der Wahl zum Landesvorsitz haben Sie im NRZ-Gespräch gesagt, dass Sie in die Partei, in die Basis hineinhorchen wollen und für mehr Transparenz stehen. Sie haben vor der Wahl gesagt, Stichwort Heizung, Brot, Frieden und Klima, dass jetzt nicht die Zeit für Die Linke sei, sich mit sich selbst zu beschäftigen. Bleibt der Linkspartei NRW bei all den innerparteilichen Hürden Luft, sich um die Nöte der Menschen zu kümmern?

Es ist ein klares Signal zu diesen Fragen aus dem Landesparteitag hervorgegangen. Fast einstimmig ist der Leitantrag beschlossen worden: Inhaltliche Fragen und ihre Analyse sind unstrittig, Differenzen gibt es eher in parteiinternen und strategischen Fragen. Hinzu kommt das Dilemma auf der Bundesebene. Wir müssen beide Bereiche getrennt und sachlich betrachten und differenziert angehen. Das heißt: Das eine tun ohne das andere zu lassen, uns an der Basis organisieren und die sozialen Themen angehen.

Wo sehen Sie Die Linke NRW bei der Landtagswahl im Frühjahr 2027?

Soweit denke ich noch nicht. Wir sind für zwei Jahre gewählt, werden in dieser Zeit die Europawahlen vorbereiten und uns reorganisieren. Es ist unsere Aufgabe, die schwarz-grüne Landesregierung anzugreifen mit den Schwerpunkten: Erhalt von Lützerath, bessere Kita-Betreuung, kostenlose Bildung, kostenloses Mittagessen in Schulen und Kitas. Und mit der Frage, wie durch die Energiekrise kommen? Es darf keine Energiesperrungen in den Kommunen geben.

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