Immobilien

So sind die Immobilienpreise im Kreis Wesel explodiert

| Lesedauer: 5 Minuten
Die Immobilienpreise im Kreis Wesel, hier ein Bild vom Neubaugebiet Dicksche Heide in Neukirchen-Vluyn, sind in den vergangenen zehn Jahren extrem gestiegen.

Die Immobilienpreise im Kreis Wesel, hier ein Bild vom Neubaugebiet Dicksche Heide in Neukirchen-Vluyn, sind in den vergangenen zehn Jahren extrem gestiegen.

Foto: Hans Blossey / FUNKE Foto Services

Kreis Wesel.  Die Immobilienpreise im Kreis Wesel stiegen in den letzten zehn Jahren drastisch an. Wie sie sich verändert haben und was Experten jetzt erwarten.

Der Traum vom Eigenheim ist immer noch nicht ausgeträumt. Für einige wird er aber immer schwieriger zu erreichen sein. Anders als noch in den vergangenen Jahren, als die andauernde Niedrigzinsphase einen Nachfrageboom auslöste. Und das trotz einer Preislage, die sich in allen Segmenten steil nach oben entwickelte, wie die Tabelle des Vermittlungsportals Immobilienscout24 für den Kreis Wesel zeigt. Demnach haben sich die Kauf- und Mietpreise für alle Objektarten in den vergangenen zehn Jahren drastisch erhöht und in einigen Bereichen sogar mehr als verdoppelt.

Immobilien im Kreis Wesel: So stark sind die Preise in zehn Jahren gestiegen

Wurden für Wohnungen mit 80 Quadratmetern Wohnfläche im ersten Quartal 2013 noch durchschnittlich 1094 Euro pro Quadratmeter als Kaufpreis verlangt, lag der Preis Ende 2022 bei 2228 Euro. Für eine Neubauwohnung gleicher Größe wurden statt 2139 Euro dann 3716 Euro fällig. Die Durchschnittsmieten stiegen im selben Zeitraum von 5,24 Euro bei Bestandswohnungen und 6,80 Euro bei Neubauwohnungen auf 7,08 Euro beziehungsweise 10,41 Euro pro Quadratmeter an.

Bei Einfamilienhäusern mit einer durchschnittlichen Größe von 140 Quadratmetern und mit einem 600- Quadratmeter-Grundstück lag der Kaufpreis 2013 noch bei 1587 Euro. Zehn Jahre später kletterte der Quadratmeterpreis auf 2951 Euro. Bei Neubauten vergleichbarer Größe zahlte man plötzlich mehr als das Doppelte, dort stieg der Quadratmeterpreis innerhalb einer Dekade von 1870 Euro auf 3901 Euro an. Dass die Nachfrage trotz der massiven Preisanstiege weiterhin groß war, lag an den extrem niedrigen Zinsen, vor allem die Nullzinsphase vor rund fünf Jahren sei ein großer Preistreiber gewesen, sagt Christian Schröder von der LBS West. Dies habe auch dazu geführt, dass manche Hausbauer oder -käufer über ihre Verhältnisse kauften.

Experten rechnen mit sinkenden Immobilienpreisen und steigendem Kaufinteresse

„In Zeiten, in denen das geliehene Geld nichts kostete, war die Versuchung groß, sich mehr zu gönnen, als man sich leisten konnte“, so Schröder, der davon ausgeht, dass einige Hauseigentümer die gestiegene Zinslast nicht mehr stemmen können. Und das, obwohl der derzeitige Kreditzins bei rund vier Prozent und damit noch immer unter dem langjährigen Mittel von etwa sechs Prozent liegt. Die LBS liefert eine Beispielrechnung: „Wer vor einem Jahr 300.000 Euro aufnahm, zahlte bei 1 Prozent Zinsen und 2 Prozent Tilgung monatlich 750 Euro. Heute werden für einen Kredit in derselben Höhe bei 4 Prozent Zinsen und 2 Prozent Tilgung 1500 Euro fällig – das kostet aber oft auch fast die Kaltmiete eines vergleichbaren Objektes.“ Darum sei der Kauf einer Immobilie noch immer eine Alternative – trotz gestiegener Hypothekenzinsen.

Grundsätzlich sei der Immobilienkauf keine Kleinigkeit und immer auch ein persönlicher Kraftakt, mal mit mehr, mal mit weniger Belastung, sagt LBS-Sprecher Christian Schröder. Wer aber schon immer den großen Traum vom Eigenheim gehabt habe und nicht blauäugig vorgehe, könne es auch schaffen. Dazu passt, dass die Preise sich laut LBS langsam dem Zinsniveau anpassen, also sinken.

Roland Hustert, Geschäftsführer der LBS Immobilien NordWest, rechnet mit einem Rückgang im laufenden Jahr um insgesamt zehn Prozent – „bei energetisch schlechteren Objekten auch deutlich mehr.“ Das werde sich auch auf das Kaufinteresse auswirken. In einigen Märkten ist das bereits zu merken.

Warum die Mieten im Kreis Wesel weiter steigen könnten

Anders sieht es bei den Mieten aus. „Wir werden uns darauf einstellen müssen, dass die Wohnkosten generell steigen werden“, sagt Christian Schröder, mit Folgen für die Mietpreise. Die gestiegenen Energie- und Baumaterialkosten sind die größten Preistreiber.

Auch Immoscout24 geht auf dem Mietsektor nicht von einer Beruhigung aus – im Gegenteil. „Aufgrund der hohen Baukosten rechnen wir auch für 2023 nicht mit einer deutlichen Preisreduktion im Neubau – bei den Mieten sogar mit steigenden Raten.“ Eine ähnliche Entwicklung sehe man bei den Bestandsmietobjekten, da viele Interessenten vom möglichen Hauskauf auf die Miete umschwenkten. „Es ist damit zu rechnen, dass sich die Schere zwischen Kauf- und Mietpreisentwicklung weiter schließen wird.“

>>> Kaufinteresse zieht wieder leicht an<<<
Gegenüber den Metropolregionen seien die Preise im Kreis Wesel noch als moderat zu bezeichnen, heißt es bei Immoscout24. Im letzten Jahr seien insbesondere die Zinsen gestiegen, sodass die Finanzierung einer Immobilie für viele zu teuer geworden und die Nachfrage zurückgegangen sei. Das Angebot an Kaufimmobilien habe dementsprechend zugenommen. Das habe sich auch auf die Preise ausgewirkt. „Versuchten Verkäufer und Verkäuferinnen die Preise erst noch zu halten, gaben die Angebotspreise für Kaufimmobilien dann nach. Gleichzeitig zog die Nachfrage nach Mietobjekten an und die Angebotsmieten stiegen weiter“, so Immoscout. Im vierten Quartal habe man aber beobachtet, dass sich die Kauf-Nachfrage stabilisiere beziehungsweise wieder leicht anziehe.

Eine Webseite der FUNKE Mediengruppe