Wirtschaft

Welche Unternehmen im Kreis den Inflationsbonus zahlen

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Bis Ende 2024 können Arbeitgeber ihren Beschäftigten bis zu 3000 Euro Inflationsausgleichsprämie steuerfrei auszahlen.

Bis Ende 2024 können Arbeitgeber ihren Beschäftigten bis zu 3000 Euro Inflationsausgleichsprämie steuerfrei auszahlen.

Foto: Christin Klose / dpa-tmn

Kreis Wesel.  Große Unternehmen im Kreis Wesel möchten ihren Beschäftigten eine Inflationsausgleichsprämie zahlen, manche haben es auch bereits getan.

Überall explodieren die Preise, der Kostendruck hat längst den Normalverbraucher erreicht. Viele Familien wissen weder, was auf sie zukommt, noch wie sie ihre Rechnungen bezahlen sollen. Mit der freiwilligen Inflationsprämie will die Bundesregierung jetzt den negativen Effekt der derzeit extremen Teuerungsrate auf die Bevölkerung abschwächen. Die Betriebe können ihren Angestellten rückwirkend ab Oktober und bis Ende 2024 bis zu 3000 Euro steuer- und beitragsfrei überweisen.

Verpflichtend ist die Zahlung also nicht. Doch wie viele große Arbeitgeber in der Region auch nutzen große Unternehmen im Kreis Wesel das Instrument zur Entlastung ihrer Beschäftigten. Das ergibt eine Abfrage der Redaktion bei den größten Arbeitgebern im Kreis. Art und Höhe der Prämienzahlung variieren dabei.

„Selbstverständlich sorgen wir für eine entsprechende Entlastung unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“, heißt es beim Weseler Chemiekonzern Altana. Man richte sich bei der Zahlung nach dem Tarifvertrag der chemischen Industrie und werde zwei Einmalzahlungen von je 1500 Euro bis Ende Januar 2023 und Januar 2024 auszahlen. „Hinzu kommen entsprechende Gehaltssteigerungen in den kommenden beiden Jahren.“

Die Trox GmbH in Neukirchen-Vluyn ist ebenfalls tarifgebunden, der Spezialist auf dem Gebiet der Lüftungs- und Klimatechnik bezahlt den Großteil der Beschäftigten nach eigener Aussage nach den Tarifverträgen der Metall- und Elektroindustrie. In der vergangenen Woche haben sich die Tarifvertragsparteien der Branche bekanntlich auf einen neuen Abschluss geeinigt. Neben einer Lohnerhöhung um 5,2 Prozent in 2023 und 3,3 Prozent in 2024 sowie erhöhte tarifliche Einmalzahlungen enthält der Tarifvertrag zwei Inflationsausgleichsprämien für 2023 und 2024, die jeweils € 1500 (für Beschäftigte in Vollzeit) beziehungsweise € 550 (für Auszubildende) betragen.

Neben Preissteigerungen bei Rohstoffen, Energie und Logistikkosten sowie bei Zulieferern sei dieser Tarifabschluss mit weiteren hohen Mehrkosten verbunden, so Trox. „Trotzdem sehen wir die Inflationsausgleichsprämien, die ohne Abzüge für Steuer und Sozialversicherung ausgezahlt werden, als ein geeignetes und schnelles Instrument zur Unterstützung unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.“ Man sei daher froh, diese Möglichkeit nutzen zu können.

Inflationsausgleichsprämie im Kreis Wesel: Nicht jede Firma kann es sich leisten

Die Bäckerei Büsch aus Kamp-Lintfort hat laut eigener Aussage bereits Teilsummen aus dem Inflationsausgleich an ihre Mitarbeiter gezahlt. Wie es weitergeht, müssen auch hier kommende Verhandlungen zeigen. „Aktuell befindet sich das Bäckerhandwerk in Tarifgesprächen“, so Büsch weiter. Man werde das Ergebnis der Gespräche abwarten, „ob und welche Teile des Inflationsausgleiches in den Tarifvertrag einfließen werden“.

Das Dienstleistungsunternehmen Aktiv FM-Solution aus Kamp-Lintfort hat laut eigener Aussage bereits im Oktober „unseren Berechtigten“ einen Inflationsausgleich zwischen 200 und 2000 Euro netto gezahlt. Und auch die Hellmich-Unternehmensgruppe aus Dinslaken teilt mit, „dass wir an unsere Mitarbeiter/-innen einen Inflationsausgleich zahlen“, allerdings ohne die Höhe zu nennen. Das Alpener Landtechnikunternehmen Lemken möchte sich nicht dazu äußern, wenngleich man sich mit dem Thema „selbstverständlich“ beschäftige. Genauso wie die Flender GmbH, die mit ihrem Unternehmen Winergy in Voerde sitzt.

Klar ist auch, dass sich nicht jede Firma, jeder Betrieb die Inflationsausgleichsprämie leisten kann. „Diese Inflationsausgleichsprämie bezahlt nicht der Staat, sondern die Firmen – und die müssen das Geld erst einmal erwirtschaften“, sagt der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Unternehmerverbandes Ruhr-Niederrhein, Martin Jonetzko, im Gespräch mit der Redaktion.

Jonetzko nennt den Tarifabschluss der Metall- und Elektroindustrie „am Rande der Vertretbarkeit“. Die Höhe des Abschlusses erreiche die Schmerzgrenze vieler Betriebe in der Region Ruhr-Niederrhein, so Jonetzko, „für manche geht sie auch darüber hinaus. Sie stehen durch die vielfältigen Krisen unter enormem wirtschaftlichen Druck, viele kämpfen darum, Arbeitsplätze zu erhalten“. Und die Krisen seien nicht vorbei, „2023 wird ein extrem schwieriges Jahr, allen Prognosen zufolge ohne Wachstum“.

Arbeitgeber und Beschäftigtenzahlen im Kreis Wesel

Die zehn größten Arbeitgeber im Kreis Wesel, gemessen an der Zahl der Beschäftigten im Kreis, ausgenommen sind Verwaltungen und Krankenhäuser:

  • Amazon.de GmbH Rheinberg 2000 Beschäftigte
  • TROX GmbH Neukirchen-Vluyn 1495
  • aktiv fm-solutions GmbH Kamp-Lintfort 1400
  • Walter Hellmich GmbH Dinslaken 1300
  • Büsch GmbH Kamp-Lintfort 952
  • Lemken GmbH & Co. KG Alpen 900
  • ALTANA AG (mit BYK Chemie) Wesel 900
  • Solvay Chemicals GmbH Rheinberg 800
  • Norgren GmbH Alpen 600
  • Winergy AG Voerde 600

(Quelle: Kreis Wesel)

Norgren, Solvay und Amazon wurden ebenfalls gefragt, haben sich aber nicht zur Inflationsausgleichsprämie geäußert.

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