Rückblick

Ein Jahr der abgerissenen Brücken in Letmathe

Der Abriss der Lasbecker Brücke markiert die zweite Phase eines mehrjährigen Projekts. Der Neubau wird planmäßig erst im Jahr 2022 fertig sein.

Der Abriss der Lasbecker Brücke markiert die zweite Phase eines mehrjährigen Projekts. Der Neubau wird planmäßig erst im Jahr 2022 fertig sein.

Foto: Alexander Barth / IKZ

Lasbeck/Letmathe  2020 werden die Überführung nach Lasbeck und die alte Gleisbrücke über die Lenne abgebrochen. Mit letzterer stirbt ein Design-Traum.

Im Jahr 2020 werden in Letmathe Brücken abgerissen. Nicht im übertragenen Sinne, sondern ganz buchstäblich. Das erste von zwei Projekten dieser Art ist die Straßenüberführung der Ruhr-Sieg-Bahnstrecke bei Lasbeck. Die Betonkonstruktion stammt aus den 1960er Jahren und ist schon seit geraumer Zeit baufällig. Das Gesamtprojekt besteht aus drei Teilen: Bereits im Oktober 2019 haben Spezialkräne neben der alten Brücke eine Behelfskonstruktion aus Stahlträgern angebracht, die den Zugang ins Dorf in der Übergangszeit zwischen den Phasen zwei und drei – Abriss und Neubau – ermöglichen soll. Geplant ist die Fertigstellung der neuen Überführung im Jahr 2022.

Im Februar 2020 befasst sich zunächst der Finanzausschuss der Stadt Iserlohn mit einem kuriosen Problem: Die Verwaltung hat viel zu wenig Geld aus dem Haushalt vorgesehen, eine Million Euro fehlen. Ein „Versehen“, erklärt Pressesprecherin Christine Schulte-Hofmann. Damit die Arbeiten nicht zum Erliegen kommen, werden die Mittel überplanmäßig bereitgestellt – eine gute Nachricht für die Lasbecker, eine Hiobsbotschaft angesichts der ohnehin schon angespannten Finanzsituation der Kommune.

Im April ist die Behelfsbrücke betriebsbereit, die Verkehrsführung wird an die neue Situation angepasst. Davon sind auch die Busse der MVG betroffen, die ab sofort nur noch bis zur Wendeanlage am Stenglingser Weg fahren können. Im Weiteren beginnen Vorbereitungen für den Abriss, unter anderem wird eine Baustraße auf Gleisniveau angelegt. Ende Juni bis Mitte Juli wird die Bahnstrecke gesperrt, Zugreisende zwischen Letmathe und Werdohl werden in diesem Zeitraum mit Bussen befördert.

Der eigentliche Abriss beginnt Anfang Juli: Zwei Bagger mit speziellen Zangenköpfen rücken an und brechen den Beton nach und nach bis aufs stählerne Skelett ab. Mit Wasserwerfern wird die Staubwolke eingedämmt, die sich nichtsdestotrotz weithin sichtbar in die Luft erhebt. Eine eigens konstruierte Holzhülle schützt die Oberleitungen der Bahnstrecke vor herabfallendem Schutt. Der Abriss geht schneller voran als geplant, anschließend wird eine solide Grundlage für die neue Brücke errichtet: Pfeiler werden mit tief in den felsigen Untergrund gebohrten Löcher verankert. Die letzte Bauphase wird für September 2021 angekündigt.

Im Oktober verschwindet ein zweiter Brücken-Methusalem: Die Gleisbrücke über die Lenne an der Oeger Straße, im Bereich des ehemaligen Hoesch-Geländes. Ein fahrbarer Großkran hebt den Stahlfachwerkbau aus dem Jahr 1921 aus seiner Verankerung an Land, zerkleinert ihn und transportiert in ab. Der Abriss, der technisch interessierte Schaulustige an die Lenne lockt, ist Teil der Vorbereitungen für den Ausbau der Lenneroute, den Radfahrer seit Jahren fordern.

Mit besonderer Wehmut verfolgt der Designer Frank Haase die Beseitigung der Gleisbrücke – nicht nur wegen seiner Kindheitserinnerungen, sondern weil er vor einigen Jahren dort einziehen wollte. Sein Traum vom Brückenhaus über der Lenne hat sich damit endgültig zerschlagen, nachdem ihm die Bürokratie bereits einen Strich durch die Rechnung gemacht hat: Frank Haase hält sein Konzept nach wie vor für technisch umsetzbar, ökologisch sinnvoll und auch finanzierbar, hat sich mit Blick auf die Dauer der dafür notwendigen Genehmigungsverfahren aber zwischenzeitlich für den Kauf eines konventionellen Hauses entschieden – und ist auch damit glücklich geworden.

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