Schausteller und Kirche

Was einen Puppenspieler in Letmathe in die Messe führt

Bettina Aust (li.), Dominic Tränkler und Aleksandra Reichert haben zusammengearbeitet, um dem „Grüffelo“ und der Maus zu einem Auftritt im Familiengottesdienst zu verhelfen.

Bettina Aust (li.), Dominic Tränkler und Aleksandra Reichert haben zusammengearbeitet, um dem „Grüffelo“ und der Maus zu einem Auftritt im Familiengottesdienst zu verhelfen.

Foto: Alexander Barth / IKZ

Letmathe.  Mit Puppentheater zum Familiengottesdienst geht der Pastoralverbund Letmathe in der Krise neue Wege.

Vor der Corona-Krise schwer vorstellbar: Ein Puppenspieler führt im Kiliansdom ein Stück auf, das ganze wird auf Video aufgenommen und im Anschluss an den Messe-Livestream auf Youtube hochgeladen. Hinter der Aktion stecken Dominic Tränkler, Schausteller in der vierten Generation, und Pfarrer Frank D. Niemeier – der ein offenes Ohr hat für die verzweifelte Situation der Familienbetriebe, die sonst davon leben andere zu unterhalten, seit dem Verbot von Großveranstaltungen aber versuchen müssen von Luft und Liebe zu existieren.

Der christliche Glaube lehrt die Hoffnung, aber damit tut sich Dominic Tränkler inzwischen schwer. „Jetzt schon werden die ersten Weihnachtsmärkte abgesagt. Wie lange soll das noch so gehen?“, klagt der 33-Jährige. Seine Eltern sind genau so wie er selbst und seine eigenen Kinder auf die Einkünfte des Schaustellergeschäfts angewiesen und die staatlichen Hilfen für Betriebe in der Krise sind längst aufgebraucht. Seinen Beruf und den damit verbundenen Lebensstil an den Nagel zu hängen kann er sich nicht vorstellen. „Das Schaustellerdasein liegt mir in den Genen. Ich kann nicht einfach so etwas anderes machen“, erklärt er. Dazu müsste er eine feste Wohnung beziehen, was ihm nicht behagt, denn das nomadische Leben ist ihm in Fleisch und Blut übergegangen.

Schausteller ist nicht nur einBeruf, sondern eine Lebensart

Die Familie ist normalerweise überall in Deutschland unterwegs, auch in Österreich ist Dominic Tränkler schon aufgetreten. Das Hauptgeschäft besteht darin, mit liebevoll gestalteten Handpuppen Geschichten zu erzählen, die Jung und Alt gleichermaßen zu fesseln vermögen. „Ältere Kinder tun anfangs manchmal desinteressiert, aber wenn der Vorhang aufgeht, gucken die genau so gebannt zu wie die jüngeren“, lautet seine Erfahrung. Für Senioren biete die Puppenbühne nicht nur Unterhaltung, sondern auch geistiges Fitnessprogramm: „Theater bleibt im Kopf.“

Das Stück „Der Grüffelo“ basiert auf einem Kinderbuch der britischen Autorin Julia Donaldson aus dem Jahr 1999 und wird im live übertragenen Familiengottesdienst am Sonntag, 9. August, um 14 Uhr gezeigt, danach soll es im Youtube-Kanal des Pastoralverbunds verfügbar sein. Für die religionspädagogische Vermittlung sind die Gemeindereferentinnen Bettina Aust und Aleksandra Reichert zuständig. „Wir stellen die Maus dabei in den Mittelpunkt“, erklärt letztere. Der kleine Nager begegnet im Verlauf der Handlung nämlich dem „Grüffelo“ – ein monstergleiches Wesen, das sie eigentlich nur erfunden hat, um sich Gestalten wie den Fuchs vom Leib zu halten.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben