Gerichtsverhandlung

Azubi schläft am Lenkrad ein und fährt mit Lkw vor Laterne

01. Oktober 2017, Hagen. Feuerwehr Hagen Blaulicht Einsatz Feuerwehreinsatz Polizei. WP-Foto: Michael Kleinrensing

01. Oktober 2017, Hagen. Feuerwehr Hagen Blaulicht Einsatz Feuerwehreinsatz Polizei. WP-Foto: Michael Kleinrensing

Foto: Michael Kleinrensing

Menden.   Trotz Stromausfalls im Amtsgericht kommt es zum Urteil: Drei Monate Fahrverbot, aber kein Entzug der Fahrerlaubnis für einen 19-Jährigen.

Den Ausfall der Elektrik im Mendener Amtsgericht kommentierte Richter Hennemann: „Heute arbeiten wir rustikal ohne Strom!“ Ein Urteil konnte das aber nicht verhindern. Protokolliert wurde althergebracht mit Stift auf Papier.

Vor Gericht stand ein 19 Jahre alter Mendener, der nachts auf der Hönnetalstraße in Oberrödinghausen hinter dem Lenkrad seines Lasters mit Anhänger eingeschlafen war. Erst durch den Aufprall an einer Straßenlaterne auf der gegenüberliegenden Straßenseite erwachten der Fahrer und sein vermutlich ebenfalls eingeschlafener Bruder wieder. Am Ende standen 750 Euro Geldstrafe und ein dreimonatiges Fahrverbot.

Unfall passierte knapp vor dem Ziel

Intensiv versuchte Richter Hennemann das Geschehen zu rekonstruieren und das Erinnerungsvermögen des jungen Mannes zu wecken. „Das ist mir vorher noch nicht passiert“, sagte der. Er habe sich eigentlich noch fit gefühlt. Ziel der Befragung: Hätte der Fahrer die Müdigkeit vorher bemerken können oder müssen?

Angesichts des Tagesablaufs und der Rückfahrt von Münster mit Pause in Hamm-Werne nahmen ihm Richter und Staatsanwalt es nicht ganz ab, sich fit gefühlt zu haben. „Wenn Sie nicht an einer Krankheit leiden, müssen Sie doch ihre Müdigkeit bemerkt haben“, so Hennemann. Bereits morgens um 5.30 Uhr waren die Brüder zu einem Bauernhof bei Münster gefahren. Dort verbrachten beide den Tag. Erst gegen 23 Uhr seien sie wieder aufgebrochen, um nach Hause zu fahren.

„In Werne haben wir eine Pause gemacht, weil wir Hunger hatten“, berichtete der Unglücksfahrer. „Haben Sie nicht vielleicht nach schon so kurzer Zeit die Fahrt unterbrochen, weil sie einen Kaffee oder eine Cola brauchten?“, spekulierte der Staatsanwalt. Diese Pause deute immerhin an, dass vielleicht doch schon Müdigkeit verspürt wurde. Da der Unfall nur wenige Kilometer vor zu Hause passierte, hakte Richter Hennemann nach: „Haben Sie nicht vielleicht gedacht, dass Sie die kurze Strecke noch schaffen?“

Familiäres Umfeld sehr positiv

Der Vertreter der Jugendgerichtshilfe beurteilte den jungen Mann sehr positiv. Er habe keinerlei Auffälligkeiten gezeigt, es gebe keine Straftaten im Vorfeld. Er mache in einer Mendener Firma eine Ausbildung zum Industriemechaniker. Das familiäre Umfeld sei sehr positiv. Der Jugendgerichtshelfer gab zu bedenken, dass es für den Azubi sehr schwierig würde, ohne Auto von seinem Wohnort ans andere Ende von Menden zum Arbeitsplatz zu kommen. „Ich halte ein Urteil aus erzieherischen Gründen für nicht erforderlich“, schloss er seine Ausführungen. Auch die Verteidigung hätte am liebsten die Einstellung des Verfahrens gesehen.

„Man muss die Gefährdungslage im Blick behalten“, konterte der Staatsanwalt und erinnerte den Angeklagten daran, dass er auch das Leben seines Bruders gefährdet habe. So erging das Urteil nach Erwachsenenrecht. „Man würde Ihnen Unrecht tun, Sie nicht als Erwachsenen zu sehen. Ich spreche Ihnen die charakterliche Eignung zum Führen von Kraftfahrzeugen nicht ab“, verdeutlichte Hennemann. Die Kosten des Verfahrens muss der Azubi übernehmen. Am Ende war er aber sichtlich erleichtert, am Entzug der Fahrerlaubnis vorbeigekommen zu sein.

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