Kirche

Akustischer Feinschliff für sanierte Reister Kirchenorgel

Intonation der sanierten Kirchen-Orgel in Eslohe-Reiste

Johannes Adler intoniert die sanierte Kirchen-Orgel in Eslohe-Reiste

Johannes Adler intoniert die sanierte Kirchen-Orgel in Eslohe-Reiste

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Reiste.   Seit Wochen intonieren zwei Experten die Reister Kirchenorgel. Damit ist die Kirchengemeinde nach drei Jahren endlich auf der Zielgeraden.

Die Reister Kirchengemeinde ist auf der Zielgeraden angekommen: Die sanierte Kirchenorgel steht nach drei Jahren endlich wieder komplett auf der Empore. Ende des Monats findet die feierliche Weihe des Instrumentes statt.

Jetzt fehlt nur noch der gute Ton - und für den sind Johannes Adler und Hannes Kunath aus Bautzen zuständig. Bereits seit Wochen sind die beiden Intonateure damit beschäftigt, den Klang der rund 2000 Orgelpfeifen in ihrer Klangfarbe zu gestalten und aufeinander abzustimmen. Schließlich sollen alle Pfeifen eines Registers gut miteinander harmonieren.

Eine Wohltat für ungeübte Ohren ist es nicht gerade, was zwischenzeitlich in der Reister Kirche zu hören ist. Der anhaltende hohe Ton, den die beiden Intonateure gerade angeschlagen haben, hat mit Orgelmusik wenig zu tun. Ja, auch ihnen schmerze es manchmal in den Ohren, sagt Johannes Adler. Aber während der Laie hier vom „fiesen Piepen“ spreche, sehen die Profis das mit anderen Augen - oder besser gesagt, hören es mit anderen Ohren. „Für uns zerfällt ein Ton“, sagt Adler und spricht von Wellen und akustischen Knoten.

Tücher statt Kirchenbesucher

Bei der Arbeit der beiden geht es vor allem darum, den Klang der Orgel an den Raum anzupassen. Deswegen habe er bereits in Bautzen anhand von Fotos versucht, eine Vorstellung für das zu entwickeln, was ihn in der Reister Kirche erwartet.

Jetzt perfektionieren Adler und Kunath mit Spezialwerkzeugen nach und

nach den Klang der einzelnen Pfeifen - mal müssen sie hierfür die Mundöffnung einer Pfeife ändern, mal justieren sie das Fußloch und bestimmen so, wieviel Wind beim Spielen in die Pfeife geblasen wird. Arbeiten müssen sie auf ein hundertstel Millimeter genau. „Dabei finden wir die Arbeit vieler Generationen vor, die zurückgeführt werden muss“, sagt Adler.

Elektronische Geräte helfen bei tiefen Pfeifen

Elektronische Geräte zur Kontrolle gibt es zwar und sie kommen auch zum Einsatz. Vor allem bei den tiefen Pfeifen seien sie eine große Hilfe. „In erster Linie verlassen wir uns aber auf unser Gehör“, so der Intonateur. Schließlich, sagt er, spiele beim Hören die Seele eine Rolle. „Später sitzen ja auch keine Stimmgeräte, sondern Menschen in der Kirche“, fügt er hinzu und lächelt.

Momentan werden die Kirchenbesucher noch durch blaue und gelbe Tücher simuliert, die lang über den Kirchenbänken liegen und den Schall schlucken. Warum blau und gelb? Adler muss lachen. Das sind die Farben der Stadt Bautzen. „Ich glaube, der Stoff ist mal bei einem Stadtfest übrig geblieben“, erklärt er. Immerhin haben Adler und sein Kollege Kunath so ein Stückchen Heimat mit ins Sauerland bringen können. Die sehen sie seit Wochen nämlich nur selten - alle 14 Tage am Wochenende. Dazwischen seien sie „von morgens dreiviertel Acht bis abends dreiviertel Acht“ in der Reister St.-Pankratius-Kirche. Der größte Teil ihrer Arbeit sei inzwischen allerdings getan, sagt Adler.

Dem näher rückenden Termin der Orgelweihe am 30. September sehen er und seine Kollege gelassen entgegen. „Da sind wir ganz entspannt“, sagt Adler. „Bis dahin schaffen wir das locker.“

Entspannung und Dankbarkeit

Entspannt sind auch die Kirchenvorstands-Vorsitzende Martina Nolte sowie Alfons Plett und Elmar Habbel vom Orgelbauverein. Sie freuen sich, dass Ende des Monats die Weihe der Orgel stattfinden kann.

Probleme habe es in der Sanierungszeit nicht gegeben. Zumindest keine, die nicht auf kurzem Wege hätten geklärt werden können, sagt Elmar Habbel. Martina Nolte lobt vor allem auch die gute Zusammenarbeit der einzelnen Unternehmen, die an diesem Projekt beteiligt gewesen seien. So hätten zum Beispiel auch die Restauratorin Uta Scholand und die Handwerker Hand in Hand gearbeitet und sich bei ihrer Arbeit auf der engen Empore nicht etwa gegenseitig behindert.

Aufbereitet worden ist im Zuge der Sanierung auch der alte Boden der Orgelempore. Der sichtbare Bereich des Podestes hat sogar neue Eichenplanken bekommen. „Eine private Spende“, wie Alfons Plett betont. Ebenso wie er freuen sich auch Nolte und Habbel über den vielfachen Rat, die finanzielle Hilfe und den Zuspruch, den der Verein in den vergangenen Jahren erfahren durfte. Sie rechnen fest damit, dass es bei der Festmesse keinen einzigen freien Platz in der Pankratius-Kirche geben wird. Wer möchte sich schon entgehen lassen, wenn nach drei Jahren Pause im Gottesdienst endlich wieder die große Orgel erklingt...

Ins rechte Licht rücken

Der Verein „Projekt Reister Orgel“ hat zur Finanzierung der insgesamt 700 000 Euro teuren Restaurierung noch Pfeifen-Patenschaften im Wert von rund 13 400 Euro zu vergeben. Das entspricht laut Alfons Plett rund 130 Pfeifen.

Bei der Orgelweihe am Sonntag, 30. September, wird es auch eine 80-seitige Festschrift geben, die im Entwurf bereits fertig ist und in Kürze in den Druck geht. Unter www.projekt-reister-orgel.de kann die Chronik später für zehn Euro auch bestellt werden.

Im Zuge des Projektes hatten sich die Reister auch entschieden, die Orgel auf der Empore 50 Zentimeter höher zu setzen, damit sie von unten besser zu sehen ist und so künftig perfekt zur Geltung kommt. So sind auch bereits zwei Hängelampen in der Blickachse abmontiert worden.

Künftig werden zwei LED-Strahler die Orgel ins rechte Licht rücken und Schattenwurf verhindern.

Am Freitag vor der Orgeleinweihung - also am 28. September - findet ab 16 Uhr eine große Putzaktion in der Kirche statt. Der Verein „Projekt Reister Orgel“ würde sich über viele fleißige Helfer freuen. An diesem Tag werden auch bereits die Zelte für die Feierlichkeiten am 30. September aufgebaut.

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