Coronavirus

Corona-Infizierte: „Es könnte sein, dass Leute mich meiden“

Eine Schmallenbergerin hat sich mit dem Coronavirus infiziert - und steht zwei Wochen unter häuslicher Quarantäne (Symbolfoto).

Eine Schmallenbergerin hat sich mit dem Coronavirus infiziert - und steht zwei Wochen unter häuslicher Quarantäne (Symbolfoto).

Foto: mia takahara / plainpicture

Schmallenberg.  Kurz nach dem Urlaub die Gewissheit: Der Coronavirus-Test ist positiv. Eine Infizierte erzählt, wie sie die Situation erlebt und warnt vor Panik.

Als eine Schmallenbergerin am vergangenen Samstag aus Südtirol aus dem Urlaub zurückkommt hat sie ein unwohles Gefühl. Nicht, weil sie sich gesundheitlich schlecht fühlt, sondern weil sie ein komisches Bauchgefühl hat. Sie entscheidet für sich selbst, vorerst zuhause zu bleiben. Am Sonntag meldet sie sich beim Gesundheitsamt, kurz später lässt sie einen Abstrich beim Hausarzt machen. Am Mittwoch kommt dann die Nachricht: Sie wurde positiv auf Corona getestet. Seitdem klingelt ihr Telefon unaufhörlich. Die Schmallenbergerin erzählt im Interview, wie sie die Situation erlebt, wie es ihr geht - und warnt davor, in Panik zu verfallen.

Wie geht es Ihnen aktuell?

Mir geht es gut! Ich habe keine Beschwerden und fühle mich fit. Vom Gefühl her könnte ich sogar Arbeiten gehen. Von der Virusinfektion merke ich fast überhaupt nichts.

Wenn Sie keine Symptome haben, wie kamen Sie dann dazu, sich auf Corona testen zu lassen?

Ich wollte das für mich machen, weil mich das einfach nach meinem Skiurlaub in Südtirol beschäftigt hat. Außerdem geht es dabei ja nicht nur um mich, sondern auch um meine Mitmenschen. Ich arbeite im Gesundheitswesen - und wollte es einfach nicht riskieren, jemanden anzustecken. Ich habe mir deswegen nach der Rückkehr vorsorglich selbst Quarantäne verordnet.

Wie läuft so ein Test ab?

Am Sonntag habe ich mich über die Hotline des Gesundheitsamtes (0291/942202) informiert, wie ich mich verhalten soll und meine Situation geschildert. Nach Rücksprache mit meinem Arbeitgeber habe ich mich dann dazu entschieden, sicherheitshalber einen Abstrich machen zu lassen. Den Test habe ich zuhause gemacht, mein Schwiegersohn hatte ihn bei meinem Hausarzt besorgt und vor die Tür gelegt. Der Test wurde dann eingeschickt. Nach dem Befund hat das Gesundheitsamt sich bei mir gemeldet - mit der überraschenden Nachricht, dass ich positiv getestet wurde.

Wie haben Sie sich gefühlt, als Sie das Ergebnis bekommen haben?

Ich war sehr überrascht und hätte nicht damit gerechnet. Aber für mich brach keine Welt zusammen. Ich hatte mich vorher schon mit der Situation beschäftigt und hatte keine Angst davor. Zumal ich nicht zur Risikogruppe für schwere Verläufe gehöre.

Hatten Sie denn im Urlaub in manchen Situationen ein ungutes Gefühl - oder die Vermutung, dass jemand im Umfeld erkrankt sein könnte?

Nein! Deswegen kam das Ergebnis für mich auch so überraschend. Ich wäre ja auch nie in den Urlaub nach Südtirol gefahren, wenn es sich dabei um ein Risikogebiet handeln würde. Auch vor Ort wurden ab Donnerstag Vorsichtsmaßnahmen getroffen: Beispielsweise durften in die großen 10er-Lifte dann nur noch vier oder fünf Personen. Gelebt haben wir in einer Wohnung mit Frühstück. Ich wüsste keine Situation, in der ich mich angesteckt haben könnte.

Wie haben Freunde und Bekannte auf die Nachricht reagiert?

Mein Telefon steht seit Mittwoch nicht mehr still, die Nachricht ging hier rum wie ein Lauffeuer! Schon zwei Stunden, nachdem ich das Testergebnisse bekommen hatte, kam der erste Anruf. Die Leute sorgen sich zum einen um meine Gesundheit, sind zum Teil natürlich aber auch eher besorgt um ihre eigene. Die Leute haben Panik. Für mich ist das nicht nachvollziehbar - für eine Panik gibt es auch keinen Grund. Mir geht es gesundheitlich super. Und wie gesagt: ich gehöre nicht zur Risikogruppe. Über Hamsterkäufe oder Diebstähle von Desinfektionsmitteln kann ich nur den Kopf schütteln. Man muss die Situation natürlich trotzdem ernst nehmen, gerade mit Bedacht auf ältere oder gesundheitlich vorbelastete Menschen.

Aktuell hat das Gesundheitsamt für Sie Quarantäne angeordnet - Sie müssen also zwei Wochen lang zuhause bleiben. Wie ist das für Sie? Und wie kommen Sie an Lebensmittel?

Das ist für mich wirklich das Schlimmste an der ganzen Situation. Ich bin normalerweise ein sehr aktiver Mensch und bin viel und gerne an der frischen Luft. Ich mache außerdem viel Sport und bin in einigen Gruppen aktiv und gehe super gerne zur Arbeit. Das fehlt mir total und ist für mich schon heftig. Zwei Wochen können sehr, sehr lang sein.

Die Lebensmittelversorgung läuft total unproblematisch. Ich habe tolle Freundinnen, die mir etwas vor die Haustür stellen, wenn ich es brauche. Ich gebe ihnen einfach kurz über das Handy Bescheid.

Wie verbringen Sie die Zeit zuhause?

Ich lese viel. Außerdem nutzen mein Mann und ich die Zeit, um unser Haus aufzuräumen. Der Dachboden ist schon erledigt (lacht). Aber wir haben noch genug im Haus zu tun, wofür man sonst keine Zeit findet. Man muss jetzt einfach das Beste aus der Situation machen.

Wie geht es denn jetzt weiter?

Ich stehe in täglichem Kontakt mit dem Gesundheitsamt. Dort wird protokolliert wie es mir geht, wie ich mich fühle und ich muss täglich meine Temperatur messen. Soweit ich weiß wird mit Ablauf der Quarantäne noch einmal ein Test stattfinden. Wenn dieser negativ ausfällt, dann ist die Quarantäne aufgehoben und ich kann wieder arbeiten gehen.

Haben Sie Angst davor, dass Sie die Leute danach meiden werden?

Es könnte durchaus sein, dass einige Leute mich meiden. Angst habe ich davor nicht, aber ich fände es schade. Denn Ansteckungsgefahr besteht dann ja nicht mehr! Ich gehe aber mit der Situation offen um und stehe auch dazu! Für mich ist das kein Problem. Man ist ja nach einer ausgestandenen Corona-Infektion genauso wieder gesund wie nach einer Grippe.

* Name und Alter wurden zum Schutz der Betroffenen nicht genannt.

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