Krankenhaus

„Nachfolge ist in guten Händen“

Prof. Dr. Dieter Köhler, ärztlicher Leiter Fachkrankenhaus Kloster Grafschaft, geht zum 30. Juni 2013 in den Ruhestand.

Prof. Dr. Dieter Köhler, ärztlicher Leiter Fachkrankenhaus Kloster Grafschaft, geht zum 30. Juni 2013 in den Ruhestand.

Foto: WP

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Grafschaft.  Die Entwicklung des Fachkrankenhauses Kloster Grafschaft hat er nicht nur miterlebt, er hat sie maßgeblich geprägt. Seit 1986 ist Prof. Dr. Dieter Köhler ärztlicher Leiter der Klinik. Zum 1. Juli geht der 65-Jährige – vor wenigen Tagen hat er seinen Geburtstag gefeiert – in den Ruhestand. Viel reisen möchte er nicht, das ist für ihn schon klar.

Frage: Sie scheinen aber nicht der Typ Mensch zu sein, der jetzt die Füße hochlegt. Was haben Sie sich für den Ruhestand vorgenommen?

Prof. Dr. Dieter Köhler: Ich werde auch reisen, aber eben nicht besonders viel. Nachholen kann man im Leben sowieso nichts. Außerdem bin ich beruflich so viel unterwegs gewesen, dass ich mich freue, einfach zu Hause zu sein. Ich werde mich als Präsident des Golfclubs Schmallenberg weiter engagieren. Und ich restauriere alte Radios. Dafür hatte ich bislang immer viel zu wenig Zeit. Es macht mir Spaß, Probleme zu lösen. „Alles Leben ist Problemlösen“, dieser Satz des Philosophen Karl Popper hat auch mein Arbeiten immer geprägt.

Werden Sie denn das Krankenhaus ganz verlassen?

Ich werde keinen Beratervertrag abschließen. Ich bekomme allerdings ein Zimmer im Obergeschoss, weil ich weiterhin Forschung betreibe und auch noch Doktoranden betreue. Aktuell schreibe ich außerdem an der zweiten Auflage meines Lehrbuchs „Pneumologie“. Die erste Auflage ist 2010 erschienen und nach drei Jahren bereits vergriffen. Aus dem operativen Geschäft ziehe ich mich aber ganz heraus – und das kann ich auch.

Weil Sie einen guten Nachfolger haben?

Genau. Die Leitung der halben Klinik habe ich sogar schon 2007 an Dr. Peter Haidl abgegeben, er wird mein Nachfolger. Ich kann gut abgeben. Es ist natürlich auch beruhigend zu wissen, dass der Nachfolger aus dem eigenen Haus kommt und die Klinik in guten Händen ist. Das ist ja schon mein Kind.

Bleibt die Klinik mit Ihrem Weggang denn weiterhin Lehrkrankenhaus der Uni Marburg?

Ja, denn Dr. Dominic Dellweg, der meine Nachfolge in dem Fachbereich Intensiv- und Schlafmedizin antritt, habilitiert zurzeit in Marburg und sichert damit den Status als Lehrkrankenhaus.

Sie haben die fachliche Ausrichtung der Klinik maßgeblich mitgeprägt. Gab es den Schwerpunkt Lunge vor 1986 nicht?

Doch. Mit den Bergleuten, die hier untergebracht wurden, gab es das Thema schon, aber eher allgemein. Die Fachrichtung Lungenheilkunde haben wir erst nach 1986 installiert.

Wie sind Sie eigentlich nach Grafschaft gekommen?

Das war eher eine Bewerbung aus Versehen. Ich wollte erst gar nicht hierher. Ich habe 1985 in Freiburg habilitiert und die Anzeige des Grafschafter Krankenhauses gesehen. Auf dem Weg in die Heimat, nach Marburg, bin ich in Grafschaft vorbeigefahren. Werner Ernst war gerade Geschäftsführer geworden – er ist extra noch mal nach Freiburg gekommen, um mich zu überreden. Damals hat die Klinik rote Zahlen geschrieben, 1987 sollte sie geschlossen werden. Seit 1988 schreiben wir schwarze Zahlen. Die Entwicklung ist schon beeindruckend: 400 Mitarbeiter beschäftigt die Klinik aktuell, als ich anfing waren es 150.

Ist das Krankenhaus gut aufgestellt für die Zukunft?

Ich denke schon. Wir haben derzeit eine mehr als hundertprozentige Auslastung. Wir bauen an. Wir haben viele Fachrichtungen und sind personell gut besetzt – auch weil wir viele Studenten haben. In Teilbereichen zählen wir in der Pneumologie zu den führenden Kliniken in Deutschland. Im Weaning (Entwöhnung nach Langzeitbeatmung) sind wir das größte und älteste Zentrum in Deutschland.

Was sind aus Ihrer Sicht wichtige Faktoren für den langfristigen Erfolg der Klinik?

Entscheidend ist ein gutes Miteinander, ein ehrlicher Dialog zwischen Verwaltung, Ärzten und Trägern. Jeder Einzelne, vom Arzt über den Pfleger bis zur Reinigungskraft, trägt zum Erfolg der Klinik und zur Zufriedenheit der Patienten bei – auch das muss immer präsent sein. Ganz wichtig sind außerdem enge Feedback-Mechanismen. Wenn man Probleme direkt angeht, können sie in 90 Prozent der Fälle auf dem kleinen Dienstweg gelöst werden.

Hintergrund:

- Prof. Dr. Dieter Köhler ist am 23. Juni 1948 in Marburg geboren.

- Er wohnt in Winkhausen, ist verheiratet und hat zwei Kinder sowie drei Enkelkinder.

- Nach einer Lehre zum Radio- und Fernsehelektriker schloss sich ein Fachhochschul-Studium zum Ingenieur an.

- Zwei Jahre entwickelte Köhler als Ingenieur bei ITT in Freiburg u.a. elektromedizinische Geräte.

- 1972 begann er sein Medizinstudium in Freiburg. Nebenbei arbeitete er als Fernsehtechniker.

- 1985 habilitierte er in Freiburg.

- Seit 1986 ist er ärztlicher Leiter des Fachkrankenhauses Kloster Grafschaft, nachdem er kurze Zeit Oberarzt dort war.

- Seine letzte Vorlesung an der Uni Marburg hielt er Mitte Juni.

- Köhler ist u.a. Präsident des Verbandes der pneumologischen Kliniken. Dieses Amt will er im Herbst abgeben.

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