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Postfilialenschließung in Bödefeld: Fehlt Lebensqualität?

Ein Bödefelder wirft einen Brief in den Briefkasten

Ein Bödefelder wirft einen Brief in den Briefkasten

Foto: Philipp Wegener

Bödefeld.  Wie geht es den Bödefeldern und dem Verkehrsverein seit der Schließung der Postfiliale? Ein Blick auf die aktuelle Situation und Schwierigkeiten.

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Nachdem die Bödefelder Postfiliale im Januar des vorigen Jahres geschlossen wurde, stellt sich die Frage ob, und wenn ja, in welchem Umfang die Bödefelder ihre Post vermissen. Fehlt wirklich ein Stückchen „Lebensqualität“? Oder lässt es sich auch ohne Poststelle im Ort ganz gut leben?

Der Hintergrund

Die deutsche Post AG kündigte ihre eigene Poststelle in Bödefeld bereits 2004. Schon seit 2003 versuchte die Post in Bödefeld eine Agentur zu organisieren. Einen Bödefelder Geschäftsmann zu finden, der bereit war, eine Postfiliale in seinen Geschäftsräumen zu errichten, stellte sich aber als schwierig heraus. Vor allem, da die Post zu dieser Zeit noch ein Filiale mit Postbank in Bödefeld favorisierte. Die zusätzlichen Kosten für die Pacht eines Großtresors und die Versicherung des Bargeldes schreckten viele ab.

Nach Umwegen über einen Getränkemarkt und ein Lebensmittelgeschäft fand die Postagentur schließlich ihrem Platz beim Bödefelder Verkehrsverein. Schlussendlich auch ohne Postbank. Der Verkehrsverein als letzter Betreiber der Poststelle ist froh, die Postfiliale nicht mehr betreiben zu müssen. „Die Post hat uns jeden Monat viel Geld gekostet“, erklärt Inga Klauke vom Verkehrsverein. Dieser schloss nicht nur die Poststelle sondern auch gleich das komplette Verkehrsbüro, wodurch nicht nur Personalkosten, sondern auch die Miete eingespart wurde.

„Dass Gäste in das Bödefelder Verkehrsbüro kamen und nach einer Unterkunft fragten gab es praktisch nicht mehr“, erläuterte Inga Klauke. „Daher stört auch das Fehlen des Verkehrsbüro kaum. Im Zeitalter von Smartphone und Internet hat sich jeder Gast bereits vorher informiert und gegebenenfalls eine Unterkunft online oder telefonisch gebucht.“

Gemischte Sicht auf Schließung

Bei der Bödefelder Bevölkerung gibt es hingegen ein gemischtes Bild, was das Fehlen der Poststelle angeht. Viele Bödefelder haben sich mit der neuen Situation arrangiert. Da es in Bödefeld ja weiterhin einen Briefkasten gibt, bei dem man Briefe abgeben kann, fehlt den Bödefeldern seit dem Wegfall der Post in erster Linie ein Ort, um Pakete aufzugeben und gegebenenfalls Briefmarken zu kaufen. Ein Großteil der Bürger wickelt diese Postgeschäfte jetzt in den Nachbargemeinden ab.

Martin Birkhölzer (44) Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Fachhochschule Meschede:„Ich vermisse die Post kaum. Seit dem Wegfall der Bödefelder Post nutze ich die Poststellen in Meschede. Ich komme täglich morgens und abends an der Mescheder Postfiliale vorbei. Ich nutzte, wenn ich weiß das niemand bei mir Zuhause ist, auch die Packstation dort für ankommende Pakete.“

Viele kommen auf dem Weg zur Arbeit oder beim wöchentlichem Einkauf an Postfilialen vorbei und geben ihre Pakete dann dort ab. Auch Teile der älteren Mitbürger haben scheinbar wenig Probleme ohne die Post. Wer nicht mehr mobil ist oder kein Auto besitzt, gibt die Postsendungen den arbeitenden Kindern oder Enkeln mit auf den Weg. Oder nimmt die Dienste des Briefträgers in Anspruch. Wer den Briefträger beim ausstellen der Post abfängt kann bei ihm z.B. Briefmarken kaufen oder Pakete aufgeben. Auch die Postbotin bestätigt, dass sich die Anzahl der Pakete, die direkt beim Postboten abgegeben werden seit der Schließung der Bödefelder Postfiliale stark erhöht hat. „Vor allem die Retouren werden jetzt vermehrt bei uns abgegeben.“ erklärt eine Postbotin.

Weitere Wege sind nötig

Natürlich wird die Postfiliale auch von einigen Bürgern vermisst. Generell ist es für alle etwas komplizierter geworden. Die Leute müssen jetzt fahren, um ihre Pakete und Päckchen aufzugeben. Für Bürger ohne Auto und ohne Angehörige (mit Auto) ist das ein Problem. Doch man wird damit leben müssen. Die Wahrscheinlichkeit, das es wieder einmal eine Post-Filiale in Bödefeld geben wird ist äußerst gering.

Monika van der Sanden (70) Hausfrau:„Ich vermisse die Post schon. Seit dem die Post geschlossen ist verschicke ich keine Pakete mehr. Wir haben kein Auto und unsere Kinder wohnen alle außerhalb von Bödefeld. Bisher haben ich den Kindern immer an Weihnachten Pakete geschickt aber damit ist jetzt Schluss. Den ganzen Vormittag am Fenster zu sitzen um den Postboten zu erwischen mache ich auch nicht.“

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