Tiere

Was passiert, wenn die Katze das Haus anzündet

Katzen sind neugierig und geschickt. Manchmal kann das ziemlich gefährlich sein, wie ein Fall aus Eslohe in di

Katzen sind neugierig und geschickt. Manchmal kann das ziemlich gefährlich sein, wie ein Fall aus Eslohe in di

Foto: Julian Stratenschulte

Eslohe.   Eine Katze löst in Eslohe einen Großeinsatz der Feuerwehr aus. Wie gefährlich ist das Leben mit Katzen im Haus? Und wer zahlt am Ende eigentlich?

Eine Katze, die einen Herd einschaltet, auf dem noch Essen vom Vorabend steht, und damit einen Großeinsatz der Feuerwehr auslöst - die ungewöhnliche Meldung aus Eslohe hat in dieser Woche für Gesprächsstoff gesorgt. Ist das Leben mit einer Katze im Haus wirklich so gefährlich? Das wollten wir von Marion Hofer von der Katzenhilfe Hochsauerland wissen.

Ihre klare Antwort: Nein! „Zumindest nicht gefährlicher als mit einem Hund oder einem kleinen Kind im Haus“, sagt sie. Im Prinzip gelte: Wer eine Katze in der Wohnung hält, muss denken, als lebe ein kleines Kind dort. „Wenn man sich daran hält, kann eigentlich nicht allzu viel passieren“, betont sie. Auch wenn das Einschalten des Herdes in Eslohe vermutlich eher auf einen Zufall zurückzuführen ist, müsse man sich immer bewusst sein, dass Katzen neugierig und sehr geschickt sind.

Kippschalter und Klospülung

„Der Kippschalter einer altmodischen Kaffeemaschine oder der leichte Wippschalter eines Heißwasserkochers stellen für eine Katze grundsätzlich kein Problem dar“, sagt die Katzenexpertin. Schwergängige Schalter, die seitlich an Geräten angebracht sind, seien da schon eine größere Herausforderung.

Auch die Klospülung sei für Samtpfoten kein Problem. Nicht wenige Tiere lieben das Rauschen des Wassers und kommen nach dem ersten Erfolg auf den Geschmack. „Problematisch wird das in der Regel aber erst, wenn zum Beispiel eine heruntergefallene Toilettenpapierrolle die Toilette verstopft“, weiß Hofer. Auch Türklinken sind für viele Tiere kein Hindernis - für einige auch dann nicht, wenn die Klinke hochgestellt ist. „Zur Not muss man die Türklinke mit einer kleinen Kette sichern, wenn man verhindern möchte, dass die Katze in den Raum kommt.“

Kein Ausweg mehr

Wer Tiere im Haus hält, muss sich darauf einstellen. „Wer etwa Kaninchen hat, muss wissen, dass sie auch mal ein Kabel durchnagen.“ Meistens seien solche Missgeschicke deutlich gefährlicher für das Tier als für den Menschen. Beispiele dafür gibt es reichlich: Hofer erinnert sich an einen Notfall, zu dem die Katzenhilfe ausrücken musste, weil sich ein Stubentiger durch einen kleinen Spalt hinter eine Küchenzeile gequetscht hat, hinter der es keinen Ausweg mehr gab.

In der Waschmaschine

Das Ende vom Lied: Der Besitzer musste die komplette Küchenzeile auseinanderbauen, um das Tier zu befreien. Bei einem weiteren Fall war eine Katze in einer Heizungsanlage gefangen. Auch hier war die Katzenhilfe gefordert - allerdings mit weniger Aufwand. Hier reichten zwei Regenschirme aus, um das Tier aus seiner misslichen Lage zu führen. Und der dritte Fall, den Hofer parat hat, ist ihr selbst passiert.

Es ist der Klassiker: Ohne es zu bemerken, hatte sich ihre acht Wochen alte Katze in der Wäsche verkrochen, die Hofer in die Waschmaschine gepackt hatte. Glück im Unglück: Bereits nach wenigen Minuten entdeckte ihr Freund das Tier in der Maschine. „Die Katze war wohlauf, aber sie hat 14 Tage nach Waschmittel gerochen“, sagt Hofer und lacht.

Katze löst verhängnisvolle Kettenreaktion aus

Vorfälle wie der in Eslohe sind keine Seltenheit. Meistens gehen sie halbwegs glimpflich aus. Allerdings nicht immer, wie zwei Beispiele belegen.

2016 löst eine Katze in Nord-Brandenburg durch eine verhängnisvolle Kettenreaktion eine Explosion aus. Das Tier hatte wie in Eslohe den Herd angeschaltet, dadurch geriet eine darauf abgestellte Plastikschüssel in Brand und erhitzte eine nebenstehende Spraydose so sehr, dass sie explodierte. 31 Menschen mussten zeitweise ihre Wohnungen verlassen. Sachschaden: Eine halbe Million Euro.

Ebenfalls 2016 setzt eine Katze in Hagen eine Wohnung unter Wasser. Offensichtlich hatte sie den Einarmhebel der Küchenspüle hochgedrückt, oder sich ihren Rücken daran gerieben. Weil der schwenkbare Wasserhahn nicht über dem Becken stand, ergoss sich das Wasser über den Fußboden der dritten Etage und sickerte bei den Nachbarn darunter durch die Decke. Dort lief es die Wände herunter und löste einen Stromausfall aus. Sachschaden: 16.500 Euro.

„Von einer Fahrlässigkeit kann man hier nicht sprechen“

Der Schaden, den die Katze durch ihren Sprung auf den Herd in Eslohe verursacht hat, hält sich glücklicherweise in Grenzen. Mit einer verkokelten Pfanne und einem ordentlichen Schrecken sind die Hauseigentümer glimpflich davongekommen - möglicherweise auch dank des Rauchmelders, der rechtzeitig Alarm geschlagen hat.

Aber was wäre eigentlich gewesen, wenn es tatsächlich zu einem Feuer gekommen wäre? Das wollten wir von Patrick Habbel, Generalvertreter der Allianz in Eslohe wissen. „Dann wäre es ein Fall für die Gebäude- beziehungsweise Hausratversicherung“, sagt er und ergänzt: „Dafür sind diese Versicherungen schließlich da.“ Dabei sei es unerheblich, dass noch eine Pfanne auf dem Herd stand, ohne die das Induktionsfeld gar keine Hitze hätte entwickeln können. Von einer Fahrlässigkeit könne man in einem solchen Fall nicht sprechen, sagt Habbel.

Eine Seltenheit

Versicherungsfälle mit Katzen seien bei ihm eine absolute Ausnahme. An einen einzigen Fall kann er sich erinnern und der sei schon eine Ewigkeit her. „Da soll eine Katze ein Autodach verbeult haben“, sagt er und muss immer noch schmunzeln. Versuchter Versicherungsbetrug. Hunde, die gebissen haben oder ausgebüxte Pferde, die einen Schaden angerichtet haben, kommen hingegen öfter vor. In diesem Fall greift die Tierhalterhaftpflicht, die in Eslohe wie in vielen anderen Kommunen inzwischen Pflicht ist.

Für Katzenhalter ist eine solche Versicherung nicht erforderlich. Ihr Tier ist über die Privathaftpflicht mitversichert. Allerdings kommt sie nicht für jeden Schaden auf. Langfristige Schäden wie Kratzspuren auf dem Holzbelag einer Mietwohnung werden in der Regel nicht übernommen. Grund: Ein Haftpflichtschaden muss „plötzlich und spontan“ entstanden sein, damit die Versicherung zahlt. „Abnutzung, Verschleiß und übermäßige Beanspruchung“ seien meist vom Schutz ausgeschlossen, so Habbel. Auch Mäuse, Ratten, Hamster, Meerschweinchen, Kaninchen, Hasen, Vögel und Fische sind übrigens über die Privathaftpflicht abgedeckt.

Hohe Kosten

Zusätzlich gibt es Tierkrankenversicherungen, zu denen Habbel rät. Ebenso wie Marion Hofer bestätigt auch er, dass bei Unfällen meistens die Tiere selbst die Leidtragenden sind. „Hier können bei den heutigen medizinischen Möglichkeiten oft hohe Kosten entstehen, die dann komplett oder zum großen Teil von der Versicherung abgedeckt sind“, so Habbel.

Folgen Sie der WP Meschede auf Facebook

Hier finden Sie noch mehr Nachrichten, Fotos und Videos aus Meschede und dem Umland.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben