Gericht

28-Jähriger Kamp-Lintforter soll Terror geplant haben

Am 11. Mai 2017 hatte die Polizei unter anderem die Wohnung des 28-Jährigen in der Kamp-Lintforter Altsiedlung durchsucht. Der Mieter wurde damals verhaftet und jetzt angeklagt.

Foto: Roland Weihrauch

Am 11. Mai 2017 hatte die Polizei unter anderem die Wohnung des 28-Jährigen in der Kamp-Lintforter Altsiedlung durchsucht. Der Mieter wurde damals verhaftet und jetzt angeklagt. Foto: Roland Weihrauch

Kamp-Lintfort/Neukirchen-Vluyn.   Prozess beginnt. Der Mann war verhaftet worden, nachdem die Polizei in einer Neukirchen-Vluyner Garage bombenfähiges Material entdeckt hatte.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Der Fall sorgte im Mai 2017 für Aufregung: In einer Garage der Alten Kolonie in Neukirchen-Vluyn beschlagnahmten Ermittler Material, das sich potenziell zum Bombenbau eignet. Zwar wurden binnen weniger Tage drei Personen verhaftet, dennoch schien die Sache zeitweise harmloser, als zunächst vermutet. Um so überraschender war am gestrigen Freitag der Paukenschlag: In zweieinhalb Wochen wird einem der damals Beteiligten vor dem Düsseldorfer Landgericht der Prozess gemacht. Der 28-jähriger Türke aus Kamp-Lintfort soll einen islamistischen Terroranschlag in Deutschland vorbereitet haben.

Angeklagt ist der Mann „wegen Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat“, teilte eine Gerichtssprecherin der Deutschen Presse-Agentur (dpa) mit. Die Ermittler gehen von einer islamistischen Radikalisierung des Angeklagten aus. Er habe Kontakt zu islamistischen Terroristen gehabt, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Die Zugehörigkeit zu einer islamistischen Terrorgruppe sei ihm allerdings nicht nachzuweisen gewesen.

Der Angeklagte schweigt zu den Vorwürfen

Der 28-Jährige hat zu den Vorwürfen gegenüber den Ermittlern bislang geschwiegen. „Er bestreitet die Tat und wird im Prozess dazu aussagen“, kündigte sein Verteidiger Erol Keskin in Duisburg gegenüber der dpa an.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 28-Jährigen vor, fest entschlossen gewesen zu sein, durch die geplante Explosion möglichst viele Menschen zu töten und das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung zu erschüttern. Ein konkretes Ziel habe er aber offensichtlich noch nicht ausgesucht, sagte Oberstaatsanwalt Ralf Herrenbrück auf Anfrage der NRZ.

Telefonnummern von Islamisten im Handy gespeichert

In seinem Handy seien die Telefonnummern von Islamisten entdeckt worden, berichtet dpa weiter. Es handele sich um die Nummern der so genannten Lohberger Brigade – einer Gruppe von Islamisten aus Dinslaken-Lohberg, die sich in Syrien islamistischen Terrorgruppen angeschlossen hatten.

Einer der Dinslakener war dadurch bekannt geworden, dass er mit einem abgetrennten menschlichen Kopf in der Hand in Syrien für ein Foto posiert hatte. Genau dessen Telefonnummer sei im Handy des Angeklagten gespeichert gewesen, hieß es.

Zeitweise in islamischer Kleidung und mit Vollbart

Den Ermittlern zufolge hatte sich der 28-Jährige zeitweise in islamischer Kleidung und mit Vollbart in der Öffentlichkeit gezeigt. Die Moschee und die Islamschule, die er besucht habe, seien allerdings als gemäßigt eingestuft.

Die Garage an der Weddigestraße in Neukirchen-Vluyn war auf der Suche nach Diebesgut aus Einbrüchen am Abend des 10. Mai durchsucht worden – dabei hatte der Fall eine überraschende Wendung genommen, denn die Beamten fanden statt Diebesgut Chemikalien in großen Mengen. Dass all dies zum Bau mehrerer Rohrbomben „mit hoher detonativer Wirkung“ gereicht hätte, wurde aber offenbar erst Monate später durch einen Gutachter für Chemie- und Sprengstoffkunde klar, so Oberstaatsanwalt Herrenbrück.

Material für verheerende Sprengwirkung

Auch Utensilien für den Zünderbau, „Sprengmatten“ und Stahlkugeln für eine noch verheerendere Sprengwirkung waren sichergestellt worden. Die Nachbarn in der Zechensiedlung waren aufgefordert worden, so lange in ihren Häusern zu bleiben und sich von den Fenstern fernzuhalten. Dem damals 24 Jahre Neukirchen-Vluyner, der die Garage gemietet und dem Kamp-Lintforter zur Verfügung gestellt hatte, scheint die Brisanz des Materials nicht bewusst gewesen zu sein. Gegen ihn war, wie berichtet, bereits im August 2017 der Terrorverdacht fallen gelassen worden. Dasselbe gilt für einen dritten Mann, der seinerzeit verhaftet worden war.

Für den Prozess ab 26. Februar gegen den 28-jährigen Kamp-Lintforter hat das Gericht acht Verhandlungstage angesetzt.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik