Mitmenschlichkeit

Ärzte im St. Josef in Moers retten Afghanin Bibi das Leben

Bibi aus Afghanistan ist im Moerser St. Josef-Hospital operiert worden.

Bibi aus Afghanistan ist im Moerser St. Josef-Hospital operiert worden.

Foto: Arnulf Stoffel / FUNKE Foto Services

Moers.  Bibi aus Afghanistan wird auf Vermittlung des Vereins „Kinder brauchen uns“ im St. Josef in Moers operiert. Sie hatte eine Knochenentzündung.

Bibi kann schon wieder lachen und Witze machen, sie kann sitzen und sogar von einem Bett aufs andere klettern. Selbstverständlich ist das nicht. Die Achtjährige ist vor zehn Tagen – vermittelt von der humanitären Organisation „Kinder brauchen uns“ – im St. Josef-Krankenhaus aufgenommen und drei Tage später an einem Beinbruch und einer gefährlichen Knochenentzündung operiert worden. Sämtliche Behandlungskosten übernimmt das Moerser Hospital. Und Bibi geht’s schon deutlich besser.

„Kinder brauchen uns“ (KBU) organisiert seit 2003 die medizinische Behandlung von verletzten und kranken Kindern aus Afghanistan in Deutschland, wenn dies in ihrem bitterarmen Heimatland nicht möglich ist. So war es auch bei Bibi. Der Arzt einer Kinderklinik in der Hauptstadt Kabul, zu der KBU-Vorstand Markus Dewender Kontakt hält, stellte das Mädchen dem Helfer aus Mülheim vor. Auf Dewenders Bittbrief an mehrere Krankenhäuser in Deutschland meldete sich schließlich das St. Josef-Hospital.

Was der Arzt sieht, ist schlimm

Was Dr. Michael Jonas, Chefarzt der Klinik für Orthopädie und Traumatologie zu sehen bekam, als Bibi erstmals untersuchte, war schlimm: ein neun Monate alter, nicht verheilter Oberschenkelbruch, den Dr. Jonas als „wüst“ umschreibt, eine zehn Zentimeter lange, „lieblos genähte Wunde“ sowie eine gefährliche Knochenentzündung.

Die Keime waren schon fast bis zur Hüfte hinauf gezogen. In Afghanistan hätte Bibi wohl bald eine Amputation gedroht, vielleicht sogar der Tod. Jonas und sein Team richteten und stabilisierten das Bein, und sie spülten wegen der Entzündung den Knochen. Dies wird noch einmal wiederholt werden müssen, sagt der Chefarzt. Er ist zuversichtlich: „Wir haben das jetzt im Griff, Bibis Prognose ist gut, wir werden sie heilen.“

Auf eine Sache hat Bibi ganz besonders großen Hunger

Einige Wochen werde es aber noch dauern, vielleicht sogar Monate, jedenfalls so lange, bis man sie in ihrer Heimat angemessen versorgen kann. Die Krankenschwestern auf der Station hätte sie ins Herz geschlossen, berichtet Jonas und fügt schmunzelnd hinzu, dass Bibi großen Geschmack an Nutella-Brötchen gefunden habe.

Der Verein KBU regelt in der Zeit des Aufenthaltes der Kinder alles außerhalb der Klinik und bringt sie bei Gastfamilien unter. In Bibis Fall ist es Kader Deniz, die bei Aachen lebt und Lehrerin ist. Klar habe sie anfangs Bammel gehabt, gibt sie zu. Auf der anderen Seite stand die Zuversicht: „Das werde ich schon schaffen!“ Tatsächlich habe sie das Gefühl, das sich die Kleine bei ihr und ihren Eltern wohl fühlt: „Ich mach’ ihr die Haare, und über meine Versuche, etwas in ihrer Sprache zu sagen, lacht sie sich gerne kaputt.“

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Der Verein KBU ist gemeinnützig. Doch die Kosten für eine Operation und die anschließende Behandlung könne man aber nicht durch Spenden begleichen. Da sei man auf das Entgegenkommen der Krankenhäuser angewiesen, wie es jetzt das St. Josef-Hospital macht, sagt der Vorsitzende Markus Dewender.

KBU hat seit 2003 in mehr als 85 Hilfsflügen über 650 Kindern aus Afghanistan eine meist lebensrettende Behandlung in Deutschland ermöglicht. Für die Zeit des Aufenthaltes werden ständig Gastfamilien gesucht.

facebook.com/kinder.afg; info@kinder-brauchen-uns.de

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