Bergbau und Tradition

Anton Pastoors aus Moers: Ein Leben für den Bergbau

Anton Pastoors (Mitte) mit seiner Tochter Ulrike Grahl im Haus für Jung und Alt. Einrichtungsleiter Andreas Blinzler (l.) hat dafür gesorgt, dass der Bergbau und Meerbeck eine zentrale Rolle in dem neuen Haus spielen.

Anton Pastoors (Mitte) mit seiner Tochter Ulrike Grahl im Haus für Jung und Alt. Einrichtungsleiter Andreas Blinzler (l.) hat dafür gesorgt, dass der Bergbau und Meerbeck eine zentrale Rolle in dem neuen Haus spielen.

Foto: Arnulf Stoffel

Moers.   Dieses Jahr wird Weihnachten für Anton Pastoors (81) ganz anders und doch vertraut. Das liegt auch daran, dass jemand eine gute Idee hatte.

Dieses Jahr wird Weihnachten für Anton Pastoors (81) ganz anders. Zum ersten Mal seit Jahrzehnten wird der Meerbecker Bergmann das Fest nicht in seiner Wohnung in der Straße Auf dem Hügel verbringen. Anton Pastoors wohnt jetzt im Haus für Jung und Alt.

Die Grafschafter Diakonie hat an der Blücherstraße in Meerbeck ein Haus hingestellt, das in der Umgebung seinesgleichen sucht. Es ist ein Heim für Senioren und gleichzeitig eine Kindertagesstätte. Im Oktober war die Eröffnung und Anton Pastoors, dessen Ehefrau Franziska Josefine verstorben ist, gehörte zu den Ersten, die sich für das Haus für Jung und Alt entschieden haben. Seine Tochter Ulrike Grahl hat sich für ihren Vater eingesetzt, auch weil sich bei ihm eine leichte Demenz eingestellt hat.

Jetzt weiß sie ihren Vater im Haus für Jung und Alt gut aufgehoben. Das sieht Anton Pastoors selbst so: „Ich bin ja eigentlich nur ein paar Straßen weiter gezogen und lebe noch immer in Meerbeck.“ Meerbeck ist wichtig für Pastoors, denn sein Leben und die Geschichte des Bergbaus in Moers sind untrennbar miteinander verbunden.

In 240 Meter lange Strebe gekrochen

Geboren wurde Anton Pastoors in Straelen, gelernt hat er Gärtner. Doch irgendwann in den 50er Jahren ergab sich die Möglichkeit, im gut bezahlten Bergbau zu arbeiten. Auf Schacht 5 und Schacht 6 fährt er ein, jahrelang. In bis zu 240 Meter lange Strebe kriecht er, Schoner an den Ellenbogen machen die harte Arbeit etwas erträglicher. Ganz am Ende ist der Streb gerade einmal 80 Zentimeter hoch, es gibt reichlich Wasser am Boden.

Sein Einsatz für den Bergbau und seine Umsicht unter Tage sprechen sich herum, er wird Sprengmeister. „Das war eine gefährliche Arbeit“, erinnert sich Pastoors. Bei einem Unfall in 450 Meter Tiefe erleidet er mehrere Brüche. „Kameraden haben mich zum Heildiener getragen“, sagt Pastoors. Dass er bis heute Schmerzen im Bein verspürt, berichtet er erst auf Nachfrage. Tochter Ulrike ergänzt: „Mein Vater hat bei einem anderen Unfall einem Kameraden das Leben gerettet. Er hat einen Stempel gestützt, der einzubrechen drohte, während der Kamerad geborgen wurde.“

400 Lehrlinge

Sein immenses Wissen und seine Erfahrung im Bergbau kann er schließlich an Jüngere weitergeben, er wird Ausbilder. Rund 400 Lehrlinge, so schätzt er, erfahren von ihm, worauf es unter Tage ankommt, die meisten von ihnen kommen aus Meerbeck. In den 80er Jahren geht er in den Ruhestand. Heute sagt Anton Pastoors: „Der Bergbau war mein Leben. Ich war ein Malocher.“ Der Umzug in das Haus für Jung und Alt ist ihm leicht gefallen, und das liegt auch an einer Idee von Andreas Blinzler. Der Leiter der Einrichtung rief im Sommer dazu auf, Stücke, die die Bergbau-Tradition in Meerbeck belegen, in das neue Haus zu bringen. Blinzler: „Viele Bewohner kommen hier aus Meerbeck. Die Resonanz auf den Aufruf war unglaublich, 30 Leute haben sich gemeldet.“ Einer, berichtet Blinzler, habe seine Uniform unter Tränen abgegeben.

Vieles von dem, was die Meerbecker im Haus für Jung und Alt abgegeben haben, ziert jetzt die Flure und das Treppenhaus. Die Exponate, die noch keine Verwendung gefunden haben, will Blinzler noch zur Geltung bringen.

Arschleder uund Wetterlampe mitgebracht

Anton Pastoors hat Heckel, Arschleder, Wetterlampe und vieles mehr mit ins Haus für Jung und Alt gebracht. So bleibt ihm die Bergbau-Tradition in seiner neuen Umgebung erhalten. Tochter Ulrike: „Die Wetterlampe hing erst im Flur, aber Vater hat sie dann wieder mit ins Zimmer genommen.“ Dort steht Pastoors jetzt am Fenster und blickt unter anderem auf den Friedhof in Meerbeck. Dort liegt Franziska Josefine.

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