Bestattungskultur

Architekten zeichnen Kamp-Lintforter Kolumbarium aus

Das Kolumbarium in der ehemaligen St. Barbara-Kirche.

Foto: Oleksandr Voskresenskyi

Das Kolumbarium in der ehemaligen St. Barbara-Kirche. Foto: Oleksandr Voskresenskyi

Kamp-Lintfort.   Die zum Kolumbarium umgebaute ehemalige St. Barbara-Kirche bekommt viel Lob. Viele Trauernde fühlen sich dort sicherer als auf dem Friedhof.

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Eine Kirche abzureißen ist schmerzhaft. Das haben die Kamp-Lintforter vor neun Jahren mit St. Paulus erleben müssen. So etwas wollte Dechant Karl Rieger, als er als Pfarrer nach Kamp-Lintfort kam, nie wieder miterleben müssen. Mittlerweile ist Kamp-Lintfort mit der zur Kita umgebauten ehemaligen Marienkirche und der zum Kolumbarium umgebauten St. Barbara-Kirche ein Vorreiter am Niederrhein, was die Nachnutzung von Kirchengebäuden angeht.

Für das Kolumbarium erhielt die St. Josef-Kirchengemeinde als Bauherr gemeinsam mit dem Klever Architekturbüro Herrmanns Architekten jetzt die „Auszeichnung guter Bauten 2017“ vom Bund Deutscher Architekten Linker Niederrhein.

Es ist eine besondere Atmosphäre

Die Architektur des Kolumbariums überzeuge durch Liebe zum Detail, heißt es in der Begründung der Jury. Und weiter: „Alle Materialien sind angemessen ausgewählt, gut aufeinander abgestimmt und handwerklich auf hohem Niveau gefügt.

Die eingefügten, neuen Elemente des Kolumbariums zeugen sowohl von einem würdigen und respektvollen Umgang mit der ehemaligen Kirche als auch mit den Toten, die hier beigesetzt sind. Es entsteht eine besondere Atmosphäre, die dem Ort und dem Thema gerecht werden.“

Vieles aus der alten Kirche ist geblieben

Wenn die Sonne durch die bunten Kirchenfenster auf die Urnenwände scheint, flirrt buntes Licht über die Kammern in den großen Raum. Für Rieger symbolisiert das Wechselspiel des Lichtes nicht nur die Einmaligkeit von Momenten, sondern auch die Einzigartigkeit des Menschen über den Tod hinaus.

Vieles aus der ehemaligen Kirche ist geblieben, hat einen neuen Platz oder eine neue Funktion bekommen. Noch ist hier nicht alles restlos fertig, aber im ersten Jahr haben schon 30 Menschen hier ihre letzte Ruhestätte gefunden. „Und noch mal so viele haben sich hier bereits ein Grab reserviert“, sagt Rieger, der auch Anfragen aus Duisburg, Moers oder Krefeld hat.

Drei Mal in der Woche regulär geöffnet

Für viele Menschen sei die Bestattung in einer ehemaligen Kirche etwas Besonderes, weiß Rieger. „Viele, deren ehemalige Pfarrkirche es ist, finden den Gedanken wunderbar, hier auch ihre letzte Ruhestätte zu finden.“ Andere schätzten aber auch, dass hier alles barrierefrei sei und fühlten sich, gerade im Alter, sicherer als auf einem Friedhof.

Drei Mal in der Woche ist das Kolumbarium regulär geöffnet. Ein Team aus Ehrenamtlichen ist in dieser Zeit vor Ort und fungiert zugleich auf Wunsch auch als Ansprechpartner für Trauernde. „Sie vermitteln auch schon mal ein Trauergespräch“, sagt Rieger. Wer außerhalb der Öffnungszeiten kommen möchte, kann sich den Schlüssel im Pfarrheim holen.

Eine Konkurrenz zu den beiden anderen Friedhöfen der Gemeinde in Kamp und in Eyll sei das Kolumbarium nicht, sagt Rieger: „Aber die meisten, die eine Urnenbestattung wollen, wählen das Kolumbarium.“

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