Halden im Ruhrgebiet

Ausflug zur Halde Rheinpreußen in Moers

Die grüne Halde Rheinpreußen in Moers.

Die grüne Halde Rheinpreußen in Moers.

Moers.  Mitten im Ruhrgebiet liegt ein Gebirge, das es vor einigen Jahrzehnten noch gar nicht gab: Die Halden und Deponien mit den Abfällen der Montanindustrie bilden mittlerweile eine beachtliche Bergwelt. Ein Ausflug zur Halde Rheinpreußen in Moers.

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Von weitem sieht die Halde Rheinpreußen aus, als hätte dort der Scheinriese Herr Tur Tur mal für einen Moment seine Lampe stehengelassen, um eine Tasse Tee zu trinken. Jener Herr Tur Tur, den Jim Knopf und Lukas in der Wüste aufgabelten und mit nach Lummerland nahmen. Damit er sich dort als lebender Leuchtturm nützlich mache.

Nähert man sich der Halde, wird die Grubenlampe aber nicht kleiner, wie bei Scheinriesen üblich, sondern immer größer. Wenn man dann knapp vor ihr steht, sind es etwa 30 Meter Grubenlampe inklusive Sockel und Bügel. Eine überdimensionale Grubenlampe als Leuchtturm des Ruhrgebiets nach Westen raus? Doch! Und es wirkt absolut nicht peinlich oder platt, wie man befürchten könnte.

Schließlich stammt diese Installation von Otto Piene, der sich internationaler Anerkennung und Wertschätzung erfreuen darf und für Rheinpreußen auf die Form der klassischen Davy-Lampe der Bergleute im 19. Jahrhundert zurückgriff. Diese konstruierte und inszenierte er mit Stahl, Licht, Farbe und Umfeld. Das z.B. ist „gespickt“ mit 35 Leuchtmasten, die abends Halde und Landmarke in rotes Licht tauchen.

[kein Linktext vorhanden] Und die Lampe strahlt natürlich auch, mit 49 Leuchtkörpern, die im und am Geleucht verbaut wurden. Aber auch ohne Grubenlampe würde die Halde Rheinpreußen zu den ausgesprochen bemerkenswerten Erhebungen des Ruhrgebiets gehören. Zeugt sie doch unübersehbar von der Existenz eines Bergbaus links des Rheins (und das nicht zu knapp!).

Haldengelände war früher ein Baggersee 

Nachdem Franz Haniel 1851 bewiesen hatte, dass entgegen allgemeiner Auffassung auch jenseits des Rheins Kohle zu finden war, gründeten sich hier im Laufe der Folgejahre mehr als 60 Zechen. Das heutige Haldengelände war noch vor etwa 50 Jahren ein Baggersee. Ab 1963 wurde in ihn der Abraum aus verschiedenen Schächten der Zeche Rheinpreußen hineingekippt.

Vom Baggersee blieb nur noch im Norden ein Teil übrig, im Süden wuchs die Halde bis ins Jahr 1990. Das Bergwerk wurde stillgelegt und die Halde systematisch begrünt. Das Resultat ist ein abwechslungsreicher und angenehmer Mix aus Bäumen, geordnetem Buschwerk und sehr viel Rasenflächen, die im Winter zum Rodeln und im Sommer zum Drachensteigenlassen, Spielen, Picknicken oder Chillen (gepflegter Müßiggang) einladen.

Obwohl sich die Halde etwa 75 Meter über ihre Umgebung erhebt (ca. 100 m über NN), lässt sie sich bequem hochradeln und -laufen. Die Steigung der breiten Wege ist moderat, die wassergebundene Decke hält auch bei Regen, sodass sich die vielen Besucher optimaler Bedingungen erfreuen können. Zumal sie vom Gipfelplateau einen fantastischen Blick genießen: über den Vater aller deutschen Flüsse und über das westliche Ruhrgebiet samt Niederrhein.

Privatleute finanzieren Beleuchtung

Wer auf die knapp zehn Meter hohe Aussichtsebene des Geleuchts steigt, setzt diesem herrlichen Ausblick noch ein Sahnehäubchen auf. Allerdings sollten Sie darauf achten, dass Sie nicht vor verschlossenen Türen stehen: Von April bis Oktober ist die Plattform mittwochs, donnerstags und an den Wochenenden von 14 bis 18 Uhr geöffnet, im Winter nur samtags und sonntags von 13 bis 16 Uhr.

[kein Linktext vorhanden] Bevor Sie sich über diese Einschränkungen ärgern, sollten Sie wissen, dass der Betrieb des Geleuchts ebenso wie der Strom für die allabendliche Beleuchtung von Privatleuten organisiert und finanziert wird: den Mitgliedern des Förderkreises Landmarke Grubenlampe. Und wo wir gerade dabei sind: Illuminiert werden Geleucht und Hang im Sommer etwa von 21 bis 23 Uhr und im Winter zwischen 19 und 21 Uhr. Danach hat Herr Tur Tur Feierabend ...

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