Natur

Bienen brummen auf dem Moerser Rathaus

Ratsfrau Julia Zupancic und Imker Carsten Cebulla neben dem neuen Bienenstock auf dem Dach des Rathauses.

Ratsfrau Julia Zupancic und Imker Carsten Cebulla neben dem neuen Bienenstock auf dem Dach des Rathauses.

Foto: Volker Herold

Moers.   Auf dem Dach des Verwaltungsgebäudes ist ein Bienenvolk heimisch geworden. Imker freut sich auf den ersten Rathaushonig.

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Flugverkehr auf dem Rathausdach? Keine Sorge: Fluglärm muss niemand fürchten. Vielmehr summen dort Bienen.

Beim Pressetermin geht es hoch hinaus: Über eine lange Leiter erreicht man das Rathausdach. Hier oben, in 15 Metern Höhe, fühlen sich die schwarz-gelben Flugtierchen wohl. „Es ist eine schöne Überraschung, dass der Standort so gut angenommen wird“, sagt Ratsmitglied Julia Zupancic. Vor gut zwei Jahren reifte aus der Idee der CDU-Politikerin ein politischer Antrag. Und das aus einem aktuellen Grund: „Das Bienensterben beschäftigt die Menschen und die Politik“, sagt Zupancic.

Was für den Bienenerhalt vor Ort tun

Klar, denn rund ein Drittel der Nahrungsmittel wächst, weil sie von Bienen fleißig bestäubt werden. Ohne Bestäubung ist die Pflanzen- und Tierwelt in Gefahr. Und letztlich auch der Mensch. Um was vor Ort für den Bienenerhalt zu tun, suchte man nach Möglichkeiten: „Urban Beekeeping“, zu Deutsch „Bienenhalten in der Stadt“, war ein wichtiges Stichwort. An runden Tischen diskutierten Politiker mit Landwirten, Imkern und Biologen. Bei der Suche nach Standorten für Bienenvölker wurde man auf dem Rathaus schnell fündig. Das Zentrale Gebäudemanagement der Stadt Moers (ZGM) installierte einen Bienenkasten. Carsten Cebulla vom Imkerverein Moers winterte die Bienen Anfang Juni auf dem Rathausdach aus.

Verhältnisse auf dem Rathausdach sind optimal

Cebulla öffnet den Deckel der Ablegerkiste. 7000 Jungbienen samt Königin bahnen sich ihren Weg durch die Waben. Mit einer festen Folie bedeckt, lassen sie sich auch ohne Schutzanzug anschauen. „Bis zum nächsten Frühjahr wachsen die Bienen zum Wirtschaftsvolk heran“, erklärt der Fachmann.

Die Verhältnisse auf dem Rathausdach seien optimal: „Im Schlosspark gibt es viele Spätblüher“, erklärte Cebulla. Zudem bieten umliegende Wohngebiete mit Gärten und Balkonen viele zu bestäubende Pflanzen. Die Linde, der Lavendel und das Efeu zählen dazu. Auch die Lage des Kastens auf dem Rathaus ist perfekt: „Durch die Südausrichtung scheint die Sonne morgens auf Dach, wodurch die Bienen Wärme speichern können.“

Hobbygärtner können Bienen unterstützen

Wichtige Anflugstellen seien auch umliegende Rapsfelder, die ohne Pestizide auskommen -- immerhin fliegen die kleinen Tiere bis zu drei Kilometer weit. Dabei haben sie viel zu tun: „Eine Erdbeere benötigt 20 Bienenanflüge, um bestäubt zu werden“, erklärte Imker Cebulla.

Umso wichtiger ist es, dass jeder Hobbygärtner die Bienen in ihrer Arbeit unterstützen kann. So kann eine Tränke, gefüllt mit Wasser und Steinen, den Bienen das sichere Trinken erleichtern. „Es hilft auch, beim Kauf neuer Pflanzen auf den Nektar- und Pollenwert zu achten, der oftmals auf einem Schild vermerkt ist“, so Julia Zupancic. Pflanzen wie den Klee könne man etwas länger stehen lassen, um Bienen anzulocken.

Projekt ist auch auf andern Dächern denkbar

Thorsten Schröder, Pressesprecher der Stadt Moers, sieht in der Aktion einen Beitrag mit Symbolwert: „Wir wollen für Naturschutz und Arterhalt sensibilisieren. Solche Projekte sind auch auf anderen Dächern der Stadt denkbar“, sagte er. Und: Vielleicht gibt es schon bald Rathaushonig. „Ab Mai könnte sich die erste Ernte einstellen“, sagt Carsten Cebulla. „Wir suchen auch noch Interessierte, die selbst in der Imkerei aktiv werden möchten und das Rathausbienenvolk begleiten.“

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