Blogger4Charity

Blogger4Charity ist ein Herzensprojekt von Natalie aus Moers

Natalie Sauermann (rechts) hat Blogger4Charity ins Leben gerufen. Das Bild zeigt sie und Mitbloggerinnen beim jüngsten Festival in Duisburg-Wedau.

Natalie Sauermann (rechts) hat Blogger4Charity ins Leben gerufen. Das Bild zeigt sie und Mitbloggerinnen beim jüngsten Festival in Duisburg-Wedau.

Foto: Hallo Ella

Moers.   Natalie Sauermann aus Moers hat Blogger4Charity ins Leben gerufen. Auf der Plattform tauschen sich sehr viele junge Menschen über #Krebs aus.

Es wird oft über die sozialen Netzwerke geschimpft. In vielen Fällen zu recht, weil die Inhalte von Kommentaren zuweilen arg grenzwertig sind oder Grenzen gar überschreiten. Für Natalie Sauermann hat sich die Plattform Instagram aber als Glücksfall herausgestellt.

Die junge Frau aus Moers hat dort mit einem wichtigen Thema eine riesige Fangemeinde (Follower) mit einem gigantischen Austausch aufgebaut. Blogger4Charity heißt das Projekt. Dabei ist der Anlass für ihr enormes Engagement fürwahr kein schöner. Im Alter von 21 Jahren ist die jetzt 30-Jährige zum ersten Mal an Gebärmutterhalskrebs erkrankt, vier Jahre später keimte die Krankheit erneut auf. Das war keine einfache Zeit für sie, wie man sich vorstellen kann. „Ich hatte Infos von Selbsthilfegruppen bekommen“, sagt sie.

Hier kommt Instagram ins Spiel

Aber wie sehr hilft es einer Frau Anfang 20, sich mit Frauen auszutauschen, die 50 Jahre und älter sind, deren Lebenswirklichkeit eine ganz andere ist? Und hier kommt Instagram ins Spiel. Dort hatte eine Frau namens Kim unter dem Account Kimspiriert von ihrer Krebserkrankung erzählt. „Ich fand das so mutig“, sagt Natalie Sauermann.

Also hat sie sich an die Arbeit gemacht, hat auf der Plattform nach den einschlägigen Hashtags wie #Krebs und #Cancer gesucht, hat Kontakt zu den Bloggerinnen aufgenommen. „Das war ein Mammutprojekt“, sagt sie heute, wenn sie an den Sommer 2017 zurückdenkt. Schließlich hatte sie ein Team aus zwölf Frauen zusammen: die Crew.

Erst der Erfolg, dann der Schock

Und dann ging es los mit Blogger4Charity. Schon bald wurde für den September des gleichen Jahres ein erstes Event in Düsseldorf geplant. Mit Live-Musik von Gesangsschülerinnen. Essen, Trinken, Chillen. Abschalten, einen schönen Tag ohne Gedanken an den Krebs verbringen. Dazu war auch die Crew angereist.

„Ich habe mir gedacht: Wenn nur hundert Leute kommen, ist das gut“, sagt Natalie Sauermann. Es kamen: 800 Menschen. Ein irrer Erfolg für das junge Team. Anfang 2018 ist Kim, die hinter Kimspiriert steht, gestorben. Ein Schock. Ihr widmete die Crew das zweite Event, das für den April 2018 geplant wurde, auch dieses Mal in Düsseldorf. Zu einem dritten Treffen in Berlin kamen 890 Menschen. Anfang Juni gab es ein Festival in Duisburg.

Krebs geht nicht nur ältere Menschen an

Währenddessen wuchs die Community. Heute hat der Account etwa 17.000 Follower, monatlich wird die Seite rund 770.000 Mal aufgerufen. 95 Prozent derer, die bei Blogger4Charity unterwegs sind und ihre Geschichten und Sorgen teilen, sind Frauen. Und rund 80 Prozent sind zwischen 18 und 34 Jahren alt.

Das zeigt: Die Krankheit geht nicht nur ältere Menschen an. Jüngere suchen sich ihre eigenen Wege, mit der Situation umzugehen. Es gebe viel Unwissenheit, ärgert sich Natalie Sauermann und erzählt von zum Teil fragwürdigen Diagnosen.

Sie will mit ihrem Einsatz auch wachrütteln, möchte auch Ärzte speziell für die Bedürfnisse junger Frauen sensibilisieren. Dann erzählt sie von einer Aktion ihres Hauptsponsors Rossmann, der am Weltkrebstag zu einer Aktion aufgefordert hat, in 24 Stunden gestaffelt bis zu 10.000 virtuelle Herzen auf Instagram zu sammeln. „Die hatten wir in 57 Minuten“, sagt Natalie Sauermann. Ergebnis: eine Spende von 25.000 Euro.

Die junge Frau aus Moers hat für ihr Herzensprojekt mittlerweile ihren Managerjob gekündigt und einen kleinen Deko-Laden in Vluyn eröffnet – was ihr durch die Unterstützung ihrer ganzen Familie mehr Flexibilität gibt. „Ohne meinen Mann Tim wäre das alles nicht möglich“, sagt sie dankbar.

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