Kiesabbau

Bürger fordern in Kamp-Lintfort den Klageweg gegen Kiespläne

Im Dialog: Bürger und Politik diskutierten Dienstagabend zum Thema Kiesabbau im Rathaus.

Im Dialog: Bürger und Politik diskutierten Dienstagabend zum Thema Kiesabbau im Rathaus.

Foto: Arnulf Stoffel / FUNKE Foto Services

Kamp-Lintfort.  Experten zeigen in Kamp-Lintfort die Gefahren weiterer Abbauflächen auf. Landscheidt und Müller suchen ein letztes Mal das Gespräch mit dem Land.

Für die Bürger am Niederrhein ist das Fass in Sachen Kiesabbau bis zum Rand gefüllt. Das wurde auf dem Bürgerdialog, den Bürgermeister Christoph Lanscheidt und das Aktionsbündnis Niederrheinappell als Gegenentwurf zur Abgrabungskonferenz in Wesel initiiert hatten, deutlich.

Mehr als einmal forderten sie am Dienstagabend Landscheidt und Landrat Ansgar Müller auf, an ihrer Klage gegen den Landesentwicklungsplan festzuhalten. Zuvor hatten mehrere Experten und Aktivisten die Gefahren bei weiterem Kiesabbau genannt. So zerpflückte der Geschäftsführer des Wasserverbundes Niederrhein (WNV), Andreas Kaudelka, den Vorschlag der Kiesindustrie, mit der Abgrabung in Wasserschutzgebiete vorzudringen.

Die im Kreis Wesel verbliebenen Flächen seien unter anderem extrem wichtig für die Trinkwasserversorgung am linken Niederrhein, sagte Kaudelka. Hebe man diese Schutzgebiete zugunsten der Kiesindustrie auf, gelangten Keime und Bakterien in das Wasser, das bislang durch die Kiesschicht gefiltert werde. Falle diese Schicht weg, werde das Wasser verunreinigt. Der Wasserpreis werde durch die Nitrataufbereitung steigen. Dabei besage die EU-Wasserrahmenrichtlinie, dass die Wasserqualität sich nicht mehr verschlechtern dürfe.

Bringt ein letzter Gesprächsversuch nichts, möchten Stadt und Kreis klagen

Dazu passend gab der Landrat an, dass die Zahl der Wasserflächen im Kreis allein zwischen 2012 und 2017 um 300 Hektar angestiegen sei. Ansgar Müller und Bürgermeister Christoph Landscheidt betonten gleichsam, dass sie nicht mehr bereit sind, den grenzenlosen Kiesabbau zu tolerieren. Sie wollen vor allem genaue Zahlen zum tatsächlichen Bedarf hören. „Wir sind nicht mehr bereit, den Anteil am Kies über das verträgliche Maß hinaus zu leisten“, so Müller. Zumal es bereits Alternativen gibt. So erklärte Bergbauingenieur und Umweltexperte Helmut Spoo, wie man mit recyceltem Beton bis zu 45 Prozent des Kiesanteils ersetzen kann, „ohne Qualitätsverlust“. Allein, es werde nicht getan.

Dass weder Land noch RVR über solche Dinge sprechen wollten und der Landesentwicklungsplan durchgedrückt wurde, ohne zuvor die betroffenen Kommunen zu hören, empörte am Dienstag Bürger und Politiker. Für sie ist das Ende erreicht.

„Düsseldorf kann jetzt nicht mehr die Augen verschließen“, sagte Denise Cleve von Niederrheinappell. Das hoffen auch Bürgermeister Christoph Landscheidt und Landrat Ansgar Müller, die einen letzten Gesprächsversuch mit der Landesregierung starten wollen. Nur mit dem Land. Man werde weder mit der Kiesindustrie noch mit dem RVR sprechen, machte Christoph Landscheidt deutlich. Beide wollen nun über Wasserschutzgebiete, Naturschutz, den Flächenverbrauch, eine generelle Reduzierung des Kiesabbaus und außerdem über ein Ausstiegsszenario sprechen, das den kompletten Kiesabbau am Niederrhein abwickeln würde.

Mit diesem Katalog werde man das Gespräch suchen, sagte Christoph Landscheidt. Und: Führe dieses Gespräch zu nichts, „dann werden wir die Klage führen“.

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