Nachbarschaftshilfe

Cafe Sonnenblick: Hier hat man Zeit füreinander

Foto: Waz FotoPool

Vor einem Jahr eröffneten Ehrenamtler die Begegnungsstätte an der Moselstraße. Die Bilanz ist ermütigend.

Moers. „Bringst du uns bitte zwei Wasser aus dem Kühlschrank, aber nicht zu kalt?” Walter Brosche nickt den älteren Damen zu, die beim Frühstück sitzen. Mittwochs hat er alle Hände voll zu tun. In dem kleinen, sonnig-gelb gestrichen Cafe an der Moselstraße bringt er Brötchen an die Tische, Butter und Marmelade. Walter Brosche ist 84 Jahre alt und seit Jahren allein zu Haus. Im Cafe´ Sonnenblick hat er nicht nur Kontakt zu anderen, sondern auch eine neue Aufgabe gefunden.

Rührei kostet extra

Seit einem Jahr hat das kleine Cafe´ geöffnet. An den beiden Markttagen - mittwochs und samstags - gibt's morgens Frühstück, das kleine für 1,80, das große für 3,50 Euro, Rührei kostet extra: 50 Cent. Dienstags, donnerstags und freitags ist nachmittags geöffnet. Dann locken Kaffee und selbst gebackener Kuchen. Die Preise sind erstaunlich und erklären sich dadurch, dass das Team ehrenamtlich arbeitet - 17 fest, weitere fünf von Fall zu Fall.

Günter Feist, eines der vier Vorstandsmitglieder, wirft zum Einjährigen einen Blick zurück auf jene kirchlichen Hauskreis-Abende, an denen die Idee geboren wurde. „Eigentlich wollten wir eine solche Begegnungsstätte in Hochstraß, insbesondere für ältere Menschen. Über Monate haben wir ein passendes Ladenlokal gesucht. Ohne Erfolg: Die angebotenen Räumlichkeiten waren entweder marode oder zu teuer.” In Meerbeck hatten sie schließlich Glück - gleich in zweifacher Hinsicht. „Das Haus gehört der katholischen Kirche und in den Räumen gab es zuvor schon ein Frühstückscafe.

Erst einmal haben sie kräftig renoviert und all die Voraussetzungen geschaffen, die für das Führen eines gemeinnützigen Cafe´s notwendig sind - von der Anmeldung des Gewerbes bis zur Belehrung der Mitarbeiter über den richtigen Umgang mit frischen Lebensmitteln. Es wurden Dienstpläne geschrieben, Einkaufsteams zusammengestellt, Vereinbarungen mit einer Bäckerei getroffen. Und dann ging es los: Am 20. September 2008 öffnete das Cafe´ Sonnenblick. „An den Frühstückstagen haben wir heute eine große Stammkundschaft”, sagt Günter Feist. Die Nachmittage seien in den Sommermonaten etwas ruhiger gewesen, was dem ehrenamtlichen Team, zu dem eine gelernte Hauswirtschafterin, Lehrer, kaufmännische Angestellte und eine Ärztin gehören, Gelegenheit bietet, sich zu den Gästen zu setzen und zuzuhören. Gut möglich, dass das Geschäft nun wieder anzieht - auch weil sich die Aktiven neue Angebote ausdenken: Am heutigen Feiertag gibt es eine niederrheinische Kaffeetafel, in der Adventszeit Lesungen. Und alle 14 Tage werden Waffeln gebacken.

Kleines Plus in der Kasse

Erreicht haben die Ehrenamtler mittlerweile, dass die Einnahmen die Ausgaben decken. Auch kann der eine oder andere Euro zurückgelegt werden, beispielsweise für die Anschaffung eines Profi-Herdes für die Küche.

Das alles macht eine Menge Arbeit. Gefragt nach dem Grund für das Engagement, sagt Günter Feist: „Wir wollen etwas zurückgeben von dem Guten, das uns widerfahren ist.” Auch wolle man Kirche zu den Leuten bringen - ganz ohne missionarischen Eifer. Ziel bleibe die offene Begegnung eines auch vom Alter her gemischten Publikums.

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