Bürgerpreis

Dank an die Helden des Alltags

Großer Bahnhof bei der Verleihung des Niederrheinischen Bürgerpreises in der Sparkasse in Neukirchen-Vluyn

Großer Bahnhof bei der Verleihung des Niederrheinischen Bürgerpreises in der Sparkasse in Neukirchen-Vluyn

Foto: WAZ Fotopool

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Neukirchen-Vluyn/Am Niederrhein. Morgens um drei hob David Behre ab. Das Flugzeug brachte den Ausnahmeläufer, Europameister und Teilnehmer der Paralympics ins türkische Antalya, wo sich der 28-Jährige im Trainingslager auf die Wettkämpfe des kommenden Jahres vorbereiten wird. Nur ein paar Stunden vor seinem Abflug hatte Behre noch einen Termin in Neukirchen-Vluyn. Als prominentestes Mitglied der Jury übergab der Profisportler am Dienstagabend den ersten Preis an den Gewinner des Niederrheinischen Bürgerpreises 2014 in den Räumen der Sparkasse: der TuS Xanten.

Der TuS Xanten hatte sich, wie berichtet, als eine von 19 Organisationen um den Niederrheinischen Bürgerpreis beworben, den die Sparkasse am Niederrhein zusammen mit der NRZ zum dritten Mal ausrichtete. Der Sportverein bringt beim Turnen Menschen verschiedenster Nationen mit und ohne Handicap zusammen. Beim Taekwondoo kämpfen unter der Anleitung von Großmeister Hali Sürücü Türken undKurden, Deutsche und Russen, Italiener und Polen miteinander, ohne dass ein Tropfen Blut fließt. Und auch der Bauchtanz bringt Frauen verschiedener Herkunft einander näher. Simone Weier-Kremer fasst das im Bewerbervideo spontan in einem Satz zusammen, der von einem versierten Drehbuch-Schreiber stammen könnte: „Wir tanzen zusammen, wir lernen uns kennen, und wenn man sich dann auf der Straße begegnet, grüßt man sich – und schon haben wir ein Stück Integration geschafft.“ Genau diesen Satz hob auch Laudator David Behre hervor. Für das seit vielen Jahren geleistete ehrenamtliche Engagement der TuS-Mitglieder für Integration und Inklusion erhielt der Verein den ersten Preis und 2500 Euro.

Egal ob Fußballspielen, Tanzen oder Motorradfahren: All dies unternehmen und organisieren die Vereine mit Behinderten und Nicht-Behinderten Menschen zusammen. So belegte etwa das 1999 ins Leben gerufene Projekt „Zündkerze“ aus Sonsbeck mit einem Film von Lea Büren den dritten Platz. Mit Motorrädern, Beiwagen und Wickelzelt ermöglichen sie Rollstuhlfahrern und körperlich oder geistig behinderten Menschen kostenlose, von Spenden finanzierte Touren mit viel PS und Spaß. „Das nächste mal, wenn ich nach Sonsbeck komme, möchte ich sagen: ‘Ich komme nach SonsBike“, scherzte der Vorsitzende der Sparkasse, Giovanni Malaponti, in seiner Laudatio, bevor er der „Zündkerze“ die Urkunde und den Scheck über 1000 Euro überreichte. Das Geld will die Initiative in ein Küchenzelt investieren.

Den zweiten Platz machten die Wittfeld-Kickers. Ihr Integrationsprojekt lässt Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam auf einem Fußballplatz spielen und siegen. Die Bewohner des Wittfeld Wohnverbundes kicken schon seit zehn Jahren gemeinsam mit ihren nicht-behinderten Mitspielern. Der Bundestagsabgeordnete Siegmund Ehrmann, der mit Malaponti, Behre, der Bundestagabgeordneten Sabine Weiss und dem stellvertretenden NRZ-Redaktionsleiter Thomas Wittenschläger die Jury gebildet hatte, hob ebenfalls die Verdienste der ehrenamtlichen Mitarbeiter bei der Grafschafter Diakonie hervor: „Ihr redet nicht von Inklusion, ihr macht sie einfach, ihr seid Helden des Alltags.“

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