Moers Festival

Das Moers Festival geht mit Aufwind in das nächste Jahr

Pianist ELEW mit Bassistin Shin Sakaino auf der Bühne des Moers Festivals.

Pianist ELEW mit Bassistin Shin Sakaino auf der Bühne des Moers Festivals.

Foto: FUNKE Foto Services

Moers.   Auch der vierte Festivalltag bereitete spannende musikalische Einblicke zwischen symphonischem Werk, krachendem Punk und berührendem Gesang.

Punktlandung: Mit dem Elew Trio aus den USA setzte der künstlerische Leiter des Moers Festivals, Tim Isfort, ein dramaturgisches I-Pünktchen. Und wenn er augenzwinkernd immer mal wieder in seinen Moderationen „Jazz“ zum Unwort kürte und für den Verein „Wege aus dem Jazz“ warb (Ironie an), so servierte Elew mit ganzem Einsatz genau das: Es jazzte ungemein.

Zuvor durfte das Publikum etwas erleben, was Isfort zu Recht als „Weltklasse“ bezeichnete. Ingrid Laubrocks Komposition „Vogelfrei“. Sie entstand in ihrer Zeit als Improviser in Moers. Ein fast symphonisches Werk, das für Gedränge auf der Bühne sorgte: Das EOS Kammerorchester aus Köln und Mitglieder der Kölner Vokalsolisten unterstützten Laubrock hierbei, als auch beim Kompositionsauftrag des Festivals.

Dorian Wood ist ein Gesamtkunstwerk

Außerdem präsentierte sich mit Dorian Wood ein ernst zu nehmendes Gesamtkunstwerk, das das Publikum in der Halle mit sanftem Vortrag beinahe zu Tränen rührte, bevor Cocaine Piss mit Mette Rasmussen und krachendem Punk das krasse Gegenteil ablieferte und das Saxophonquartett Battle Trance den Puls wieder auf Normalfrequenz brachte. Sowas nennt man wohl große Bandbreite.

Es scheint, als wolle Tim Isfort dem Festival wieder ein bisschen mehr anarchischen Geist einhauchen und sich wegbewegen zu wollen vom konzentrierten Konzertereignis, das sein Vorgänger gerne propagierte. Das wird – zugegeben – ein wenig konterkariert von penibel aufgeklebten Fluchtwegen in der Halle, die frei zu halten sind, auch von Stehpublikum.

Musiker auf Augenhöhe: Wie beim Traumzeitfestival

Aber dafür hat ja – neben den Auftritten von Swans und Cocaine Piss – Isfort das mitgebracht, was er schon in seiner Zeit beim Traumzeitfestival in Duisburg gerne tat: Musiker zum Anfassen, auf Augenhöhe. Auf der Mitteltribüne spielen die Ensembles gerade mal eine Armlänge von den nächsten Zuschauern weg.

Dafür nimmt Isfort die durchaus nicht von allen goutierte Lösung mit Bierbänken im Parkett in Kauf, damit sich die Zuschauer auch ohne großes Stühlerücken hinwenden können.

Enormer Kraftakt sollte die Ausnahme bleiben

Eine schöne Geste war es, dass der künstlerische Leiter alle Helfer auf die Bühne bat, um sich bei ihnen zu bedanken. Und das waren viele. Es sollte aber den Verantwortlichen klar machen, dass dieser enorme Kraftakt eine Ausnahme bleiben sollte, und dass es für das Festival nun mal eine bestimmte Anzahl bezahlter Hände braucht.

Kultur und Selbstausbeutung – das sind allzu oft nebeneinander stehende Begriffe. Hoffentlich war es wirklich nur ein Scherz, als der Geschäftsführer der Kultur GmbH, Claus Arndt, sagte: „Tim ist ein künstlerischer Leiter, mit dem man gut sparen kann.“ Wobei Arndt sich mindestens genauso reingehängt hat in dieses neue Festival, das ordentlichen Aufwind mit ins nächste Jahr nimmt.

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