Karneval

Das Rathaus in Moers ist ab sofort fest in Möhnenhand

Her mit dem Schlüssel! Brigitte Keller (rechts) und Maria Lucia Driske (Mitte) fordern Bürgermeister Christoph Fleischhauer auf.

Her mit dem Schlüssel! Brigitte Keller (rechts) und Maria Lucia Driske (Mitte) fordern Bürgermeister Christoph Fleischhauer auf.

Foto: Erwin Pottgiesser / FUNKE Foto Services

Moers.  Keine Chance für den Bürgermeister in Moers. Mit Pauken und Trompeten ziehen die Möhnen zum Rathaus und erobern den Stadtschlüssel.

Die Stadt Moers ist in Möhnenhand! Mit Pauken und Trompeten zogen die alten Weiber an Weiberfastnacht zum Rathaus und dem Bürgermeister kurzerhand den Schlüssel ab. Christoph Fleischhauer hatte sich für diesen Anlass mit Frack und Zylinder schwer in Schale geschmissen, nicht zuletzt, weil an diesem Donnerstag auch offiziell ein Generationenwechsel in der Möhnenführung anstand.

Brigitte Keller gab nach 25 Jahren an der Spitze den Stab weiter an Maria Lucia Driske, die ab jetzt die Geschicke der Möhnen des Kulturausschusses Grafschafter Karneval leitet. Am Donnerstag aber schritten sie noch Seite an Seite, um den Rathausschlüssel zu erobern. Gemeinsam bezirzten und beschwatzten sie unter dem Applaus und Gelächter der Moerser Jecken den Bürgermeister, der sich zunächst wandte und wehrte, und schließlich vor der karnevalistischen Übermacht kapitulieren musste.

„Schlüssel, Schlüssel, Schlüssel“, schrien die Möhnen, nachdem Christoph Fleischhauer die Minuten gedehnt hatte, indem er in den Gesang des Kinderprinzenpaares, Chris I. und Anna I, einstimmte und zur Melodie des Slade-Klassikers „My oh My“ sang: „Et is widder Karneval, wat is’ dat schön.“ Dem hatte auch die jecke Menge vor dem Rathaus nichts hinzuzufügen, die sich ziemlich textsicher zeigte, als das Prinzenpaar, Mareike I. und Alfred I., seinen Song für die Session sang, dessen Titel auch gleichzeitig zum universellen Slogan entlang der Rheinschiene taugen würde: „Helau, Helau, Helau!“

Das „Oh di jodihe“ jedenfalls, das er immer dann sang, wenn Prinz Alfred ihm das Mikrofon unter die Nase hielt, beherrschte der Bürgermeister aus dem Effeff und wollte es auch weitersingen, als die Musik verstummte. Doch die Möhnen durchschauten die Hinhaltetaktik des Stadtoberhauptes, das sich am Ende doch geschlagen gab und den Schlüssel abgab - ein ziemlich überdimensioniertes Ding, übrigens. Den Möhnen war es egal. Unter großem Jubel nahm Maria Lucia Driske den Schlüssel entgegen.

Die neue Obermöhne war glücklich. Es sei ein überwältigendes Gefühl gewesen, erstmals den Rathaussturm anzuführen. „Ich freue mich sehr auf die nächsten Tage und auf alles, was noch kommt“, sagte Maria Lucia Driske, ehe sie mit ihren Möhnen Richtung Neumarkt und anschließend zur Volksbank weiterzog.

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