Schrottklau

Schrottklau - Enni in Moers entgehen bis zu 100.000 Euro jährlich

Ulrich Kempken mit Metallschrott auf dem Kreislaufwirtschaftshof: Bei der Straßensammlung wird Material für 100 000 Euro geklaut.

Ulrich Kempken mit Metallschrott auf dem Kreislaufwirtschaftshof: Bei der Straßensammlung wird Material für 100 000 Euro geklaut.

Foto: Oleksandr Voskresenskyi

Moers.   Diebe stehlen Altmetalle und Elektroschrott, der an der Straße zur Abholung bereit steht. Ein Moerser Bürger macht einschlägige Erfahrungen.

Knapp 100 000 Euro an Einnahmen gehen der Enni Stadt & Service Jahr für Jahr verloren, weil dreiste Diebe Altmetall stehlen, das an der Straße zur Abholung bereitgestellt wird. Das hat unmittelbare Auswirkungen auf die Einwohner, denn die Enni verkauft die Wertstoffe, die sie sammeln kann, und stabilisiert mit den Gewinnen die Gebühren.

Die einfache Gleichung lautet also: Je mehr Altmetall die Enni an den Straßen sammeln und verkaufen kann, umso weniger wahrscheinlich sind Gebührenerhöhungen. Doch in vielen Fällen hat die Enni oft das Nachsehen wie zum Beispiel am Mittwoch vergangener Woche.

240 Euro Gewinn pro Tonne

Heinz-Dieter Niemüller aus Eick-West hatte für diesen Mittwoch die Sperrgutabfuhr der Enni bestellt und um 7.30 Uhr alles an die Straße gestellt, was er so los werden wollte: Waschmaschine, Drucker, Lampen und so weiter. Als er nach einer Tasse Kaffee in der Küche wieder aus dem Fenster sah, waren Unbekannte gerade dabei, die Reste des Materials auf einen Transporter zu laden.

Niemüller hat die Unbekannten angesprochen: „Mach’ dich vom Acker“, haben sie gesagt. Vergangenes Jahr ist ihm dasselbe passiert. Damals hatte er allerdings die Gegenstände schon am Abend vor der geplanten Abholung an die Straße gestellt. Das Ergebnis bleibt das gleiche und ist für Niemüller, Enni und Gebührenzahler gleichermaßen ernüchternd. 200 Tonnen Mischschrott, so heißt das im Fachjargon, hat die Enni 2017 eingesammelt, bis zu 400, so die Schätzungen der Enni, sind ihr aber durch solche Diebstähle wie bei Heinz-Dieter Niemüller entgangen.

70 Prozent der Schrott-Tour vorher abgeräumt

Bei einem Preis von etwa 240 Euro pro Tonne liegt der Schaden hier bei mindestens 85 000 Euro. Beim Elektroschrott ist es ähnlich gravierend: 100 Tonnen wurden 2017 eingesammelt, 220 Tonnen hätten es aber sein können, wenn nicht geklaut worden wäre. Hier entgeht der Enni zusätzlich Geld.

Um Altmetall und Elektroschrott vom Verbraucher abzuholen, setzt die Enni einen Kastenwagen ein. Dazu teilt die Enni mit: „Bei der Schrott-Tour kommt es vor, dass an 70 Prozent der Adressen nichts mehr abzuholen ist. Diesen Erfahrungswert planen wir mittlerweile ein. Da wir aber natürlich alle angemeldeten Adressen anfahren müssen, haben wir einen hohen Aufwand bei geringem Ertrag.“

FCKW gelangt an die Luft

Und noch eine andere Beobachtung haben die Enni-Fachleute gemacht: Bei Kühlschränken haben es die Diebe auf den Motor abgesehen. Der enthält viel Kupfer und bringt entsprechende Preise. Nicht selten gelange dabei aber umweltschädliches FCKW an die Luft, das im Kühlmittel enthalten sei. So richten die Diebe nicht nur einen volkswirtschaftlichen, sondern auch einen Schaden für die Umwelt an.

Heinz-Dieter Niemüller ärgert sich über die Dreistigkeit der Metalldiebe: „Im vergangenen Jahr haben Sie mich gefragt, ob ich noch mehr Altmetalle auf dem Grundstück habe.“ Für ihn bleibt das unbehagliche Gefühl, dass die Diebe genau beobachten, wann und wo Altmetalle und Elektroschrott an die Straße gestellt werden.

Dass die Wertstoffe und Geräte auch zum Kreislaufwirtschaftshof an den Jostenhof gebracht werden können, ist für Niemüller kein echter Trost: „Soll ich mir etwa die Waschmaschine auf das Fahrrad packen?“

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