Rathaussturm

Der Moerser Chef-Pirat ist chancenlos

Bürgermeister Christoph Fleischhauer war chancenlos.

Foto: Volker Herold

Bürgermeister Christoph Fleischhauer war chancenlos. Foto: Volker Herold

Moers.   Gegen 60 Möhnen ist selbst ein Freibeuter machtlos, mag er auch im Nebenberuf Bürgermeister sein. Und wenn er dann noch einen Fauxpas begeht...

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Na, was hätte wohl Captain Jack Sparrow getan, hätte er eine Phalanx von 60 Möhnen auf sich zumarschieren sehen? Unter Garantie wäre der abgehauen – aber nicht so der in Piratenkreisen für unbezähmbaren Heldenmut berühmte „Zwei-Pistolen-Pirat“, in Moers bekannt unter dem Namen Chris the Butcher. Obgleich chancenlos, stand er seinen Mann.

Mal ernsthaft: Bürgermeister ist in diesen Tagen ein echt harter Job. Erst wird einem die Cölve-Brücke, dann das Finanzamt, zu guter Letzt der Rathausschlüssel geklaut. Und als ob das alles nicht schlimm genug wäre, proben vorher die Computer auch noch den Aufstand.

Denn noch bevor die Obermöhne Brigitte Keller samt Gefolge vor dem Rathaus aufmarschierte, kaperten sich fünf waschechte Rathaus-Möhnen ihren Chef-Piraten: „Wir sind nicht-humanoide Computer in Form einer Frau.“ Flugs ward der Bürgermeister verkabelt, ausgelesen und das Ergebnis verkündet: Ist nicht logisch strukturiert und denkt total kompliziert, kommt mit High-Speed nicht klar, der Arbeitsspeicher ist zu klein. Fazit der Rathausmöhnen: „Kompabilität ist nicht gegeben, die Einheit hat ein Eigenleben.“

Orden vergessen? Das kostet!

Was man von einem Chef-Piraten ja auch mit Fug und Recht erwarten darf. Kleine Despektierlichkeiten am Rande wie den Ausspruch der Obermöhne Brigitte Keller: „Immer wenn ich den Christoph sehe, geht’s mir nicht gut“, beantworte dieser in Piratenmanier: „Du quatschst Dich hier um Kopf und Kragen.“

Doch wer im Glashaus sitzt, sollte bekanntlich vorsichtig sein beim Umgang mit harten Gegenständen: Das Prinzenpaar Nobbi I. und Tina I., von den Möhnen auf den Rathausplatz eskortiert, entdeckte den bürgermeisterlichen Fauxpas: Obwohl im Besitz eines Prinzenordens, hatte Chris the Butcher sich lieber eine zweite Pistole in den Gürtel gesteckt als den Orden um den Hals gehängt. Prinzessin Tina verkündete quietschvergnügt: „Das kostet 11,11 Euro!“

Wer nun dachte, der mit Brust-Toupet fast bis zur Unkenntlichkeit kostümierte Beigeordnete Thorsten Kamp würde dem Chef mit Penunzen aus dem Stadtsäckel hilfreich zur Seite springen, der sah sich enttäuscht. Piratenschätze sind eben auch nicht mehr das, was sie mal waren; als die Obermöhne sich des Rathausschlüssels bemächtigte, klang die Erklärung des Freibeuters fast wie eine Entschuldigung: „Früher war der Schlüssel aus Gold, heute reicht’s nur noch für Eisen, und er wird jedes Jahr kleiner.“ Na, vielleicht geht der Pirat ja auf Kaperfahrt und holt sich das Finanzamt zurück...

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