Schüleraustausch

Der Moerser Chem Behrs blickt zurück auf die Zeit in den USA

Chem Behrs.

Chem Behrs.

Foto: Arnulf Stoffel

Moers.   Der 16-jährige Chem Behrs hat zehn Monate in den USA verbracht. Eine Zeit, die er hauptsächlich positiv bewertet. Seltsames gab’s natürlich auch.

Auf was er sich nach zehn Monaten Schüleraustausch in den USA am meisten gefreut habe? „Die Schule“, antwortet Chem Behrs prompt. Das hätte der 16-jährige Schüler des bilingualen Gymnasiums Rheinkamp Europaschule Moers vor seinem großen Auslandsabenteuer sicher selbst nicht von sich gedacht.

Immerhin hatte es ihn schon früh in die Ferne gezogen, um einfach mal etwas Neues außerhalb des strukturierten Schulalltags zu erleben. Je drei Wochen Austausch nach England in 2012 und 2013 hatten ihm jedoch nicht ausgereicht, um eine fremde Kultur kennenzulernen. Also setzte er sich kurzerhand mit seinen Eltern zusammen und erklärte ihnen, wo er gerne längere Zeit leben würde: „Ich wollte unbedingt nach Amerika, weil das ja ein tolles Land sein sollte.“

Im August des vergangenen Jahres war es endlich so weit und er flog er mit einer Organisation in eine Kleinstadt des nördlichen US-Staates Wisconsin, wo er bei einer Gastfamilie sowie zeitweise inmitten von Schnee und Minus 20 Grad den schillernden American Dream lebte. Doch entpuppte sich dieser für Chem schnell als Schein: „Mir hat einfach die Struktur gefehlt.“

In der Highschool sitze jeder ständig mit Smartphone und Kopfhörern vor dem Lehrer, da die Unterrichtsbeteiligung nicht zähle. Ganz schön langweilig, wenn in der Oberstufe auf einmal auch noch Stoff der Unterstufe drankommt. Daher verwundert es kaum, dass der Zehntklässler schon bald eine Auszeichnung für das beste Zeugnis der zwölften Klasse erhielt.

Zumindest blieb ihm bei so wenig Aufwand in der Schule mehr Zeit für Freunde in der Freizeit. Allerdings sei selbst das nicht so leicht gewesen, wie er berichtet: „Dort kann man zwar viele Freunde haben – aber es ist schwierig, die richtigen zu finden.“ Drei gute Freunde konnte Chem dennoch gewinnen und mit ihnen gemeinsam das amerikanische Leben entdecken. Wie seltsam dieses manchmal auf ihn wirkte, zeigte sich nicht zuletzt am dortigen Verhältnis zu Waffen: „Während in deutschen Prospekten Angebote für Lebensmittel stehen, gibt es dort welche für Waffen.“

Angst habe er jedoch auch nach dem Amoklauf in Parkland nicht gehabt, selbst wenn kein Lehrer seiner Highschool das Thema im Anschluss aufgriff und mit den Schülern darüber diskutierte. Auch über die politische Gesamtsituation habe kaum jemand in seinem Umfeld geredet.

Insgesamt zieht Chem jedoch ein positives Fazit aus seinem Auslandsaufenthalt in den USA: „Ich habe die Zeit dort sehr genossen.“ Und auch seine Mutter Kadriye Behrs ist überzeugt, dass ihn vor allem die kleinen Herausforderungen gestärkt haben. „Es geht doch auch darum, aus den negativen Beispielen etwas Positives zu ziehen“, sagt sie. Ihr Mann und sie nehmen seit fünf Jahren immer wieder Gastschüler bei sich auf und wissen darum um die Vorteile eines solchen Austausches über die Ländergrenzen hinweg. „Wir als Familie wachsen nicht nur zusammen, sondern unsere Familie selbst wird mit jedem Gastkind größer.“

Das eigene Kind wollte am Tag seiner Rückkehr übrigens nur eins: zurück in die Schule.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben