Lesung

Der Ruhr-Stadtschreiber sagt Tschüss in Neukirchen-Vluyn

Stadtschreiber Lucas Vogelsang hat am Sonntag an der Mühle in der Dong gelesen.

Stadtschreiber Lucas Vogelsang hat am Sonntag an der Mühle in der Dong gelesen.

Foto: Ulla Michels / FUNKE Foto Services

Neukirchen-Vluyn.  Lucas Vogelsang ist Stadtschreiber. Der SPD-Landtagsabgeordnete Ibo Yetim hat ihn jetzt nach Neukirchen-Vluyn geholt. Zumindest für einen Moment.

„Die Menschen sind mir vor den Stift gelaufen“, sagt Lucas Vogelsang lachend, wenn man ihn fragt, woher er die Inspiration für seine Geschichten nimmt. Ein Jahr lebte und arbeitete der Autor und Journalist aus Berlin im Ruhrgebiet und schrieb Reportagen über die Menschen, die hier zuhause sind. Er war der „Stadtschreiber“ – ein Projekt der Brost-Stiftung aus Essen, die den Stadtschreiber der Metropole Ruhr“ zunächst bis 2022 finanziert.

Der hiesige SPD-Landtagsabgeordnete Ibrahim Yetim hatte die Idee, den Stadtschreiber des Jahres stets zu einer Abschiedslesung und Signierstunde ein letztes Mal in die westlichste Stadt der Metropolregion Ruhr, nach Neukirchen-Vluyn, einzuladen. Und so fand am Sonntag erstmals eine solche Abschiedslesung an der alten Mühle in der Dong statt.

Ibo Yetim ist von der Kulisse begeistert

„Von der Kulisse war ich sofort begeistert, genauso wie vom Projekt selbst. Wenn man im Ruhrgebiet unterwegs ist, weiß man, das ist so, das sind Geschichten, die einen berühren“, erklärte Yetim.

Lucas Vogelsang beobachtete, fragte, schrieb nieder. In einem Magazin schildert er seine Erlebnisse und vielfältigen Beobachtungen zwischen dem Niederrhein im Westen und Dortmund im Osten des Ruhrgebiets.

Eine Kostprobe gab es aus seiner Reportage „Das andere Schalke“. In dieser thematisierte er die Geschichte des Fußballclubs Schalke 04 und die des Stadtteils Schalke, der von Armut und Arbeitslosigkeit geprägt ist. „Stadion und Stadtteil sind nur vier Kilometer auseinander. In dem einen fließt Geld aus Russland und in dem anderen fließt Geld nach Rumänien“, sagt Vogelsang.

Vogelsang erzählt Fußball-Geschichten

Er machte auf die sozialen Unterschiede aufmerksam. Die Geschichte des Vereins und der Stadt lässt er sich dabei von Bodo Menze, Fußballfunktionär bei Schalke 04, erzählen. Ruhrgebiet und Fußball passen für Vogelsang perfekt zusammen: „Wenn Hertha spielt, kriegt das in Berlin keiner mit. Wenn der BVB zuhause in Dortmund spielt, ist die ganze Stadt schwarz-gelb.“

Vogelsang nutzte den Fußball, um auf andere gesellschaftliche Themen aufmerksam zu machen. „Dem Leser wird dadurch deutlich, dass es im Dortmunder Norden die gleichen Probleme wie im Stadtteil Schalke gibt.“

Eine weitere Geschichte war die vom Fischer und seiner Frau. Darin erzählte der 34-Jährige, wie eine Jugoslawin und ein Sachse im Ruhrgebiet heimisch wurden. Untermalt war seine Lesung mit Musik von Anke Johannsen, die sich in ihren Liedern ebenfalls dem Ruhrgebiet widmet. „Einer von wir“ hieß ihr neustes Lied. „Lucas, du bist als Berliner nach einem Jahr im Ruhrgebiet auch einer von wir“, betonte sie.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben