Pflege

Die geklaute Zeit

Ihrem Unmut über zu wenig Zeit zur Pflege machten Beschäftigte der Branche am Freitag Luft.

Ihrem Unmut über zu wenig Zeit zur Pflege machten Beschäftigte der Branche am Freitag Luft.

Foto: Waz FotoPool

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Moers. „Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Zeiten klaut!“ Diese Parole skandierten etwa 100 Mitarbeiter von in der Arbeitsgemeinschaft der ambulanten Pflegedienste der Wohlfahrtspflege zusammengeschlossenen Organisationen Grafschafter Diakonie, Caritasverband Moers/Xanten, Awo Kreis Wesel und Neukirchener Erziehungsverein.

Die Protestanten marschierten Freitagvormittag vom Friedrich-Ebert-Platz aus durch die Innenstadt und die Fußgängerzone in Richtung Altmarkt. Dort kam es zu einer Demonstration, um Passanten aufmerksam zu machen.

Trillerpfeifen, Fähnchen, Umhängeplakate: Die Teilnehmer waren gut ausgerüstet. Auch mit Flyern, auf denen das Motto „Hilfe! Mehr Zeit für Pflege!“ wiesen sie daraufhin, wie es um die häusliche Pflege steht – ihrer Ansicht nach nämlich sehr schlecht.

Dietrich Mehnert, Geschäftsführer der Grafschafter Diakonie, sprach für die Arbeitsgemeinschaft. „Wir hatten von 2002 bis 2012 eine reale Kostensteigerung in Höhe von 20 Prozent – und darin sind noch nicht einmal die Spritkosten enthalten. Im gleichen Zeitraum wurde die Vergütung in der ambulanten Pflege aber nur um sieben Prozent angehoben.“ Klar sei, dass die Pflege dadurch unterfinanziert sei.

Mehnert freute sich darüber, dass der Protest jetzt öffentlich werde, und das auch noch größtenteils in der Mittagspause der Beschäftigten. „Wir streiten gegen das unsägliche Diktat der Krankenkassen, wir streiten für die Menschen, die auf unsere Pflege angewiesen sind wie auf das tägliche Brot, und wir streiten um mehr Zeit für deren Pflege!“

Eigentlich sei es an der Zeit, zu streiken, so Mehnert. „Aber das können wir uns nicht erlauben, weil wir die 60 000 Menschen, die wir in Nordrhein-Westfalen betreuen, nicht im Stich lassen.“

Siegmund Ehrmann, SPD-Bundestagsabgeordneter, war der zweite Redner. „Oberstes Ziel muss sein, die zu unterstützen, die Hilfe oder Pflege brauchen. Die ambulante Versorgung und auch die stationäre müssen vernünftig finanziert werden“, forderte er. „Ich habe größten Respekt vor ihrer Arbeit.“ 2025 würden 150 000 bis 200 000 Fachkräfte in der Pflege fehlen. Abhilfe schaffen könnte ein Branchentarifvertrag Gesundheit und Soziales.

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