Natur

Die Lineg renaturiert den Graben auf dem Niederberg-Gelände

Susanne Leese-Bartram am Graben.

Foto: Oleksandr Voskresenskyi

Susanne Leese-Bartram am Graben. Foto: Oleksandr Voskresenskyi

Neukirchen-Vluyn.   Der Traum ist ein Graben von Niep bis nach Moers. Derzeit fließt er über eine Strecke von 2,5 Kilometern. Eine umfassende Renaturierungsmaßnahme.

Fast 100 Jahre lang wurde hier Kohle gefördert, heute ist das Quartier Anziehungspunkt für Häuslebauer. Aber auch die Natur soll auf Niederberg nicht zu kurz kommen: Seitdem die Zeche 2001 stillgelegt wurde, arbeiten Stadt und RAG Montan Immobilien an der Entwicklung. Eine Fläche, auf der es blüht und grünt, befindet sich am östlichen Rand des ehemaligen Zechengeländes.

Der Klein-Hugengraben beziehungsweise der Ophülsgraben wurden in den vergangenen Jahren renaturiert.

Breite Bestandsaufnahme

Wenn Susanne Leese-Bartram vom Lineg-Fachbereich Gewässerplanung und Landschaftspflege am Graben mit dem vielen Grün entlang läuft, ist sie zufrieden: „Vor gut drei Jahren haben wir mit der Renaturierung begonnen.“ Die Idee: Ein Bach soll entlang des Wohngebietes parallel zum Landschaftsband fließen. Das Landschaftsband verbindet schon heute das Schulzentrum an der Tersteegenstraße mit den Wohngebieten auf Niederberg.

Zu Beginn war die Fläche komplett trocken und unbearbeitet. Zunächst gab es viel Organisation. Leese-Bartram: „Wir führten eine Bestandsaufnahme und eine artenschutzrechtliche Prüfung durch, kalkulierten die Kosten, nahmen Bodenproben, reichten den Förderantrag bei der Unteren Wasserbehörde des Kreises Wesel und der Stadt Neukirchen-Vluyn ein.“

Das Renaturierungsprojekt wird gefördert

Das Renaturierungsprojekt erhielt 80 Prozent Förderung vom Land. Das hängt mit der EU-Wasserrahmenrichtlinie zusammen, die die Renaturierung solcher Gewässer regelt. Nach der Genehmigung folgte die ökologische Baubegleitung.

Ein Jahr lang fuhren die Bagger, gruben um und gestalteten naturgerecht neu. „Zu beachten war auch noch die Kostenerhöhung durch die Belastungen im Boden, die vom Zechengelände kamen.“ Die Entsorgung sei aufwendig gewesen und war erfolgreich. 2016 konnte das Projekt fertiggestellt werden.

Gewässerbreite von bis zu drei Metern

2,5 Kilometer lang fließt der Graben vom Bendschenweg bis zur Tersteegen-/Lindenstraße. Von der Gewässersohle bis zum oberen Rand gibt es jeweils zwei Seiten mit circa 20 Metern Grünfläche. Der Bach verläuft unterschiedlich, an einigen Stationen in den Wohngebieten gibt es Regenrückhaltebecken, die die RAG installiert. So kann das Regenwasser aus dem Wohngebiet direkt in den Graben fließen.

„Die Gewässerbreite reicht von 50 Zentimetern bis hin zu drei Metern und vier Metern Tiefe“, heißt es. Das sei aus einem besonderen Grund so: Der Graben ist naturnah aufgebaut, er soll die Artenvielfalt mehren und dem Insektensterben entgegenwirken. „Das geht aber nur, wenn die Menschen mitmachen“, sagte Leese-Bartram.

Sorge um Mücken

Darüber hinaus hätten manche Sorge um Mückenaufkommen und Allergiereaktionen. Ein Stahlgitterzaun soll künftig weiter ausgebaut werden. „Viele Hundebesitzer leinen ihre Tiere nicht an, lassen die Hunde im Bach schwimmen“, sagt die Expertin. Pflanzen und Gehölze würden so beschädigt, Tiere wie die Kreuzkröte aufgeschreckt.

In den kommenden Monaten sollen Infoschilder aufgebaut werden, um die durch die Renaturierung entstandene Arten- und Pflanzenvielfalt zu verdeutlichen. Zudem soll es ein Monitoring geben. Der Traum: Der Graben soll von Niep bis nach Moers und letztlich in den Altrhein führen.

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