NRZ-Kommentar

Die Querdenker reden in Moers die Corona-Gefahren klein

NRZ-Redaktionsleiter Matthias Alfringhaus

NRZ-Redaktionsleiter Matthias Alfringhaus

Foto: Selina Sielaff / funkegrafik nrw

Die Querdenker wollen die Gefahren der Corona-Pandemie gegen die Persönlichkeitsrechte ausspielen, meint Matthias Alfringhaus im NRZ-Kommentar.

Zum vierten Mal in vier Wochen trifft sich eine lokale Gruppe von Querdenkern in Moers. Ihr Protest richtet sich gegen die Corona-Schutzmaßnahmen der Bundesregierung, die sie trotz hoher Infektionszahlen und bisher über 13.000 Toten für einen aus ihrer Sicht unzulässigen Eingriff in die Persönlichkeitsrechte halten.

Am Freitagabend soll es zu einem „friedlichen Spaziergang für unsere Gastronomen“ kommen. Dass einige der Gastronomen damit gar nichts zu tun haben wollen, dürfte die Moerser Gruppe um Lars Kosma wenig beeindrucken. Die Querdenker scheinen an vielen Orten in Deutschland eher daran interessiert, ein vordergründig in sich geschlossenes Weltbild zu vermitteln, das die Gefahren der Corona-Pandemie gegen die Persönlichkeitsrechte ausspielt. Dabei nutzen sie Versatzstücke, um ihre Sichtweise zu untermauern.

So wird auf Facebook zum Beispiel ein Fernsehinterview des renommierten Moerser Corona-Experten Dr. Thomas Voshaar instrumentalisiert. Für die Querdenker sind Voshaars Worte Anlass, „unter gebotener Vorsicht so viel Normalität wie möglich“ zu fordern. Voshaar warnt in dem Interview allerdings auch davor, die Gefahren für ältere Menschen und Kranke zu unterschätzen, und fordert, junge Menschen mitzunehmen, was aber keine Rolle für die Querdenker zu spielen scheint.

Die Neigung, Dinge aus dem Zusammenhang zu reißen und umzudeuten, bewies bei der bisher letzten Querdenker-Demonstration in Moers am 9. November ein Rapper. Er verglich die aktuelle Situation mit der des Jahres 1933, also mit dem Jahr, in dem Hitler die Macht ergriffen hat.

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