Theater

Duo GenerationenKomplott gastiert in Kamp-Lintfort

Gisela Elisabeth Marx (vorne) und Dorrit Bauerecker im Disterwegforum.

Gisela Elisabeth Marx (vorne) und Dorrit Bauerecker im Disterwegforum.

Foto: Norbert Prümen

Kamp-Lintfort.   Das Duo GenerationenKomplott gastiert in Kamp-Lintfort mit seiner Revue „Frauen, Ungeheuer im Kommen“. Gegen männliche „Potenz-Performances“.

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Frauenpower ist allgegenwärtig, wie sich am Mittwochabend zeigte. Zu einem außergewöhnlichen Blick auf 100 Jahre Frauenwahlrecht hatte die Gleichstellungsstelle der Stadt in Kooperation mit der VHS Moers-Kamp-Lintfort ins Diesterweg-Forum eingeladen. Stolz, emanzipiert und fernab der Prüderie gestaltete das Kölner Duo „GenerationenKomplott“ unter der Regie von Anja Niederfahrenhorst eine amüsante Jahrhundertrevue im Rahmen des kürzlich weltweit zelebrierten Frauentages.

„Was Männer können, können wir schon lange“

„Frauen, Ungeheuer im Kommen“ lautete der Titel, den Gisela E. Marx und Dorrit Bauerecker mit Leben füllten. Der Einstieg war energiereich: Marx sang das Lied „Brot und Rosen“ der Aktivistin Mimi Fariña, begleitet von Bauerecker am Akkordeon. Die Zeitreise begann im Jahre 1919 und reichte bis in die heutige Zeit. „Damals glaubten Männer, sie seien so edel, dass alles in ihrer Hand läge – auch das Frauenwahlrecht“, sagte Marx. Frauen seien unterdrückt worden, bis sie selbst Gesetze verfassten. Erst 1919 durften Frauen erstmalig wählen. Verwandlungskünstlerin Marx warf sich einen Schal um und mimte die alte Frau, die Frauen- und Friedenstage im Krieg vermisst. Demonstrieren? „War nicht möglich, denn Frauen waren auf Demonstrationen verboten“, so Marx über die Zeit nach dem ersten Weltkrieg. Auch nach 1949 waren nur 6,8 Prozent der Politiker im Reichstag weiblich. Just sang Marx: „Was die Männer können, können wir schon lange.“

Schauspielerisch erinnerte das Duo an die 20er Jahre mit lila Nächten für Schwule und Lesben, Frauen mit Herrenhaarschnitt und Arbeit – gewiss als Bürofräulein, nicht als Chefin. Marx schlüpfte in verschiedenste Rollen, von der naiven NSDAP-Frau, über die resolute Demonstrantin, die schlicht urteilte: „Es gab keinen Frauentag, nur Muttertag. Das Kinderkriegen war Sport. Ab acht Kindern gab’s Gold.“ Die Paradoxie zwischen Hausfrau und Sexsymbol ließ das Duo ebenfalls nicht aus, performte „Schöner Casanova“ und trug vor: „Betone das Positive, täusche nicht Vorhandenes vor.“

Hommage an alle Amazonen

Zwischen Recht auf Pille, knapper Rente für Kindererziehung und Grundgesetzvätern, unter denen sich unliebsame Gesetzmütter finden, hob das Duo hervor: „Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.“ Sie endeten humorvoll wie nachdenklich: „Die UN sagen, wir erreichen die Gleichberechtigung in 460 Jahren, wenn wir in dem Tempo weitermachen.“

Auf Piano und Gitarre folgte eine Schluss-Hommage an alle sich gegen männliche „Potenz-Performances“ auflehnende Amazonen, Trümmerfrauen, Aktivistinnen wie Alice Schwarzer und Elke Sader, deren inspirierende Lebenswege nie an Aktualität verlieren, wie der große Applaus am Ende des Abends zeigte.

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