Kamp-Lintfort Laga 2020

Ein Meer von Blumen für die Landesgartenschau Kamp-Lintfort

Ein „Meer von Blumen“ will Christine Orel die Besucher der Landesgartenschau 2020 sehen lassen. 

Ein „Meer von Blumen“ will Christine Orel die Besucher der Landesgartenschau 2020 sehen lassen. 

Foto: Privat

Kamp-Lintfort.   Landschaftsarchitektin Christine Orel gibt einen Einblick in ihre Pläne für die Laga in Kamp-Lintfort. Wo ist der „am wenigsten lyrische Ort“?

Die Fachzeitschrift Gartenpraxis hat die Landschaftsarchitektin Christine Orel als „die Staudenkomponistin“ betitelt. Als solche hat die 56-Jährige aus Herzogenaurach schon rund 50 Bundes- und Landesgartenschauen im In- und Ausland mit viel Liebe und Fachwissen sowie einem ganz eigenen Stil erblühen lassen. Als solche wird sie nun auch die Kamp-Lintforter ein „Meer von Blumen“ sehen lassen. Im Gespräch mit NRZ-Redakteurin Karen Kliem hat sie schon mal einen kleinen Einblick in ihre Vorstellungen von der Blütenpracht auf dem Gartenschau-Gelände in der Zechenstadt gewährt. Frau Orel, sie waren jetzt zwei Mal in Kamp-Lintfort, um Ihre Wirkungsstätte in Augenschein zu nehmen und haben was entdeckt?

Eine unheimliche Spannung – im positiven Sinne – zwischen dem Bestand und dem, was neu erschaffen wird. Diesen weiten Bogen zu füllen, ist meine Aufgabe. Mit den Pflanzen sollen im Gelände Schwerpunkte entstehen, die gemeinsam mit den vielen anderen interessanten Ausstellungsinhalten den Gartenschaubesuch zum Erlebnis werden lassen.


Was unterscheidet Kamp-Lintfort von den anderen Gartenschauen, bei denen Sie bisher tätig waren?

Jede Gartenschau hat ihren eigenen Ort. Den zu verstehen, ist die Hauptaufgabe. Ich muss sagen, das Zechengelände ist der am wenigsten lyrische Ort, den ich bisher gesehen habe: Wenige Bestandsbäume, die Erdskulptur und die alten Zechengebäude – sonst nichts. Bei anderen Schauen konnte ich auf alten Pflanzenbestand zurückgreifen oder etwa in Bingen durch die Lage am Rhein den Blick inszenieren. Doch genau das macht die reizvolle Herausforderung aus, an dieser Gartenschau mitzuwirken!


Das ehemalige Zechengelände ist in der Tat kein lieblicher Ort. Wie können Sie ihn mit Blumen verzaubern?

Es wird eine Zäsur geben. Da ist zum einen der Quartiersplatz mit seinen Dimensionen unter den Fördertürmen. Dort geht es sehr streng und linear als Reminiszenz an die Ursprungssituation des Zechengeländes und der Bahnverladung zu. Die eigentlich eher spröde Erdskulptur dagegen wird ein „Hallo“ der Sonderklasse sein von der Intensität her. Wir wollen blühende Felder aus Stauden, Sommerblumen und Blumenzwiebeln inszenieren, die an manchen Stellen in Farbe und Form an „Kohlebrocken“ erinnern. Auf den Wegen, die dort wie „eingekuschelt“ sind, bieten wir Wohlfühlorte an, an denen die Farben schwingen. Da heißt es nicht nur: „Ich will da hoch“, sondern: „Ich werde belohnt“.

Wie viele Blumen und welche wollen sie pflanzen?

Es müssen an die 200.000 Zwiebeln im Herbst in den Boden. Krokus kommt nicht in Frage, der ist zu früh. Narzissen, spät und lang blühende Tulpen, Lilien, Zierlauch und vieles mehr sollen im April in Blüte stehen. Unzählige Stauden im jahreszeitlichen Wechsel sorgen dafür, dass es nie langweilig wird. Und natürlich gibt es eine große ökologische Bienenwiese. Damit arbeite ich schon immer, nicht erst, seit es jetzt in aller Munde ist. Mein Opa war Imker.

Wie lange braucht man, um 200.000 Zwiebeln in die Erde zu bringen?

Das ist unterschiedlich. Beim Steppenlauch mit zwei Zentimeter kleinen Zwiebeln haben sie 250 Stück mit quasi drei Spatenstichen im Boden. Bei der Sorte Globe Master mit 25 Zentimetern Umfang dauert es eben länger. Aber je nach dem – an zwei, drei Tagen im Herbst sind wir dort und wollen es mit Hilfe vieler Gärtner schaffen, die Zwiebeln in den Boden zu bringen.

Sind Sie ausschließlich auf dem ehemaligen Bergwerksgelände tätig?

Nein, jedoch oben am Kloster nicht und auch nicht in den Staudenbeeten am Kamper Berg. Doch auf der Obstwiese unterhalb des Klosters plane ich eine Fülle quadratischer Blumenflächen, die durch das Baumraster hindurch immer wieder neue und sehr spannende Blickbeziehungen erlauben. Die Pflanzenkompositionen werden eher romantisch wirken. Und das bildet dann einen reizvollen Kontrast zum Zechengelände.


Welche besonderen Blumen wollen sie zeigen?

An der Erdskulptur beispielsweise den Schwarzen Dost. Auch besondere Züchtungen der Echinacea, des Sonnenhuts, habe ich im Auge.


Haben Sie die Gartenschauen, bei denen Sie bisher tätig waren, noch im Blick?

In Mosbach im Odenwald etwa pflegen sie die Anlage immer noch mit Hingabe. Die Anlage dieser Gartenschau ist jetzt 22 Jahre her. Auch mit Bingen (Gartenschau 2008) stehe ich immer wieder in Kontakt. Die pflegen das Areal auch toll und entfernen nicht einfach ohne Rücksprache etwas, wenn es zu groß geworden ist.


Ihre Lieblingsblume?

Der Kandelaberehrenpreis (Veronicastrum virginicum) ist eine meiner Lieblingsstauden. Eine Staude, die 1,50 Meter hoch wird und Blütenrispen hat wie elegante Pinselstriche. Sie wird im Herbst goldgelb und ist unverwüstlich.

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