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Enni entwickelt sich zum regionalen Versorger am Niederrhein

Enni, Gelsenwasser, Moers, Neukirchen-Vluyn, Rheinberg und Uedem ziehen jetzt an einem Strick.(v.l.): Frank Tatzel, Harald Lenßen, Dr. Dirk Waider, Volker Marschmann, Stefan Krämer, Christof Fleischhauer und Rainer Weber.

Enni, Gelsenwasser, Moers, Neukirchen-Vluyn, Rheinberg und Uedem ziehen jetzt an einem Strick.(v.l.): Frank Tatzel, Harald Lenßen, Dr. Dirk Waider, Volker Marschmann, Stefan Krämer, Christof Fleischhauer und Rainer Weber.

Foto: Erwin Pottgiesser

Moers.   Enni Energie & Umwelt übernimmt die Gasnetze in Rheinberg und Uedem. Die Gelsenwasser AG steigt im Gegenzug beim Moerser Regionalversorger ein.

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Enni Energie und & Umwelt übernimmt von einer Tochter der Gelsenwasser AG für die nächsten 20 Jahre die Gasnetze in Rheinberg und Uedem. Im Gegenzug erhält die Gelsenwasser AG als neuer Gesellschafter 5,9 Prozent an Enni. „Damit machen wir den Schritt vom Stadtwerk zum regionalen Energieversorger“, sagte Geschäftsführer Stefan Krämer am Donnerstag in Moers.

Enni-Unternehmenssprecher Herbert Hornung spricht vom „größten Tag für die Enni in den letzten zwei Jahrzehnten“. Mit der Übernahme der Gasnetze in Rheinberg und Uedem verdoppelt das Moerser Unternehmen seine Fläche und ist erstmals im Kreis Kleve vertreten. Der Wert des Unternehmens wächst um den Wert der beiden Gasnetze (15 Millionen Euro), die Ertragskraft um 1,2 Millionen Euro jährlich. Seit der Enni-Gründung ist der Unternehmenswert von 71 auf 229 Millionen Euro (2017) gestiegen.

Ende eines mehrjährigen Tauziehens

Stefan Krämer und Gelsenwasser-Vorstand Dr. Dirk Waider sprachen am Donnerstag von einer „guten Lösung für beide Unternehmen“ und „Möglichkeiten, die jetzt begonnene Zusammenarbeit auszubauen.“ Es hätte auch anders kommen können: Zwar können die Städte die Konzessionen vergeben, die Gasnetze waren jedoch im Besitz der Gelsenwasser-Tochter. Enni selbst spricht hier in einer Mitteilung vom Ende eines „mehrjährigen Tauziehens“. Die Gelsenwasser-Anteile gehen zu Lasten anderer Gesellschafter (siehe Grafik).

Rheinbergs Bürgermeister Frank Tatzel sagte am Donnerstag in Moers, man habe bereits gute Erfahrungen mit der Enni und mit Gelsenwasser gemacht. Er sei jetzt zuversichtlich, dass alles so umgesetzt wird, wie es geplant sei. Rainer Weber, Bürgermeister in Uedem: „Erst einmal einen Dank an Gelsenwasser, die ein guter Partner waren. Es ist gut, dass beide Unternehmen zusammen einen Weg gefunden haben. Wichtig ist auch, dass die Mitarbeiter jetzt Sicherheit über ihre Arbeitsplätze haben.“

Bis zu fünf neue Arbeitsplätze

Enni Energie & Umwelt will in Rheinberg und in Uedem Servicebüros eröffnen und zum Beispiel kostenlose Energieberatung anbieten. Eventuell soll es auch Gas-Tankstellen geben. Natürlich sei die Versorgungssicherheit beim Gas gewährleistet. Die Kooperation zwischen Enni und der Gelsenwasser-Tochter ist klar umrissen. In beiden Städten betreibt die Enni Büros und technische Aktivitäten, zu denen auch die Netzerneuerung gehört. Ebenso ist die Enni für Störungen in Rheinberg zuständig. Gelsenwasser bedient Uedem bei Störungen und den Hochdruck-Bereich. Bis zu fünf neue Arbeitsplätze will die Enni schaffen. Stefan Krämer: „Unser Anspruch ist, immer nah am Kunden zu sein. Mi der Übernahme der beiden Gasnetze haben wir weitere Wachstumsmöglichkeiten in den Kommunen. Wir freuen uns auf den Niederrhein.“

>>WECHSEL AN DER SPITZE

Bei der Enni bahnen sich personelle und strukturelle Veränderungen an. Mitte 2019 soll Stefan Krämer an die Spitze der Unternehmensgruppe rücken. Sein Vorgänger Hans-Gerd Rötters (66) geht dann in den Ruhestand.

Stefan Krämers Aufstieg zum Vorstandsvorsitzenden bei der Enni Stadt & Service AöR kommt nicht von ungefähr. Seit der Betriebswirt 2003 die Geschäftsführung der früheren Stadtwerke – der Enni Energie & Umwelt – übernommen hat, hat er das Unternehmen umgekrempelt und modernisiert. Es hat sich vom reinen Stromverteiler zum -produzenten entwickelt, der bundesweit Energie verkauft und außerhalb seiner Stammgrenzen Netze betreibt. Der Wert des Unternehmens hat sich verdreifacht. Jährlich werden an die Eigentümer – etwa die Städte Moers und Neukirchen-Vluyn – Millionen ausgeschüttet, von den Enni-Erträgen kann Moers Bäder bauen und betreiben.

Die Eigentümer dürften mit der Wahl Krämers die Hoffnung verbinden, dass er auch die Enni Stadt & Service dahin bringt, mit Dienstleistungen außerhalb von Moers Geld zu verdienen. Denkbar wäre dies bei der Abfallentsorgung. Zudem stehe das Unternehmen mit der Kanal- und Straßensanierung in der Innenstadt vor großen Herausforderungen, sagte Volker Marschmann, Aufsichtsratsvorsitzender der Enni Energie & Umwelt, vor der Presse. Er bezeichnete Krämer als „kreativen Spitzenmanager“, dem man den schwierigen Job zutraue. Marschmann fügte augenzwinkernd hinzu, er habe Krämer gefragt, ob er noch Kapazitäten habe – „und er hat ‘Ja’ gesagt.“

Stefan Krämer bringt den technischen Bereichsleiter der Enni Energie & Umwelt mit: Kai Steinbrich. Für den 46-Jährigen wird im AöR-Vorstand ein zweiter Stellvertreterposten eingerichtet. Die andere Nummer zwei bleibt Lutz Hormes (seit 2015). (wit)

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